Jugendarbeit: Buchte is back

Die Sanierung des Jugendhauses „Buchte“ ist abgeschlossen. Die Teestube ist barrierefrei, die Küche neu, und Jugendgruppen können nun wieder aktiv werden

Nach einem Jahr Sanierung kehrt in die Buchte wieder Leben ein Bild: Michael Bahlo

Das Jugendhaus Buchte in der Innenstadt ist wieder geöffnet. Eine Foto-Ausstellung dokumentiert, was dort im vergangenen Jahr geschehen ist: Das Dach wurde saniert, der Brandschutz verbessert, Wände versetzt – und vor allem wurde dem „gemeinen Hausschwamm“ der Garaus gemacht. Alles ist renoviert worden.

Nur die alten Aufkleber an der Klotür wurden gerettet. „Kein Friede mit Faschisten“ steht da, „Knast-Radio-Bremen auf dem offenen Kanal 92,5“, Aufkleber des linken Veranstaltungskalenders „Planlos Bremen“, vom Extrablatt oder den Anarcho-Syndikalisten von der FAU – es sind Zeugnisse der Gruppen und Aktivitäten der vergangenen 40 Jahre. Bei der Sanierung wurden sie an der Klotür erhalten und mit einer Schutzschicht konserviert.

Zuletzt waren etwa 150 Jugendliche pro Woche im Haus aktiv. Sie kamen aus ganz Bremen,Werder Ultras, Politgruppen, Trommel- und Theaterprojekte hinterließen ihre Spuren, bis im Mai vergangenen Jahres die Bauarbeiten begannen. Wo einst Demo-Plakate hingen, sind nun weiße Wände. Die Farbe ist noch nicht ganz trocken, die Dielen wurden abgeschliffen, die Küche erneuert. Nun könnte man schreiben: „Die Buchte strahlt wieder in alter Pracht“, aber das wäre ihrem ehemaligen Zustand nicht angemessen: Sie war – nennen wir es: „etwas verlebt“. Manch ein Jugendlicher wird sich an den sauberen neuen Look wohl gewöhnen müssen. „Vielleicht wird der Putzplan besser eingehalten, wenn man tatsächlich sieht, dass es sauber wird“, sagt David Kostial, kaufmännische Geschäftsführer der Buchte mit einem Augenzwinkern.

„Früher hatte es auch seinen Charme“, sagt die grüne Sozialsenatorin Anja Stahmann bei der Besichtigung zur taz. Von 1992 an arbeitete Stahmann dort selbst ein paar Jahre lang als Jugendbildungsreferentin. Sie freut sich, wie es nun geworden ist. Aus Stahmanns Senatsressort gab es Geld für die Sanierung, außerdem 75.000 Euro von der Stiftung Wohnliche Stadt. Werder Bremen gab 2.000 Euro und an privaten Spenden und zinslosen Darlehen kamen noch einmal 50.000 Euro zusammen – insgesamt 330.000 Euro kostete die Sanierung. Bereits im September 2011 hatten der Verein der Naturfreunde das Grundstück von der Stadt für 130.000 Euro erworben, das Haus selbst war wegen des maroden Zustands und Pilzbefalls nichts mehr wert.

„Das Konzept im Haus soll das alte bleiben“, sagt Antonia Koch, pädagogische Leiterin der Buchte. Was heißt, dass alle Aktiven auf dem monatlichen Plenum mitbestimmen und das Haus offen ist für alle jungen Leute mit Ideen, ob Marx-Lesekreise, Selbsthilfe-Gruppen oder KünstlerInnen, aber „natürlich nicht für die Rechten“, sagt Koch. Welche Gruppen nun nach der Pause zurückkommen, weiß Koch noch nicht. „Caillera“ etwa, die linken Werder-Fans, die früher „Racaille“ hießen, haben mittlerweile einen anderen Raum.

Die Renovierung aber schuf auch ganz neue Möglichkeiten: Die Teestube im Erdgeschoss ist nun barrierefrei, die Tür wurde für Rollstühle erweitert. Das ist auch für den Partysaal im Keller geplant. Damit aber geht es frühestens 2014 los. „Das ist ein neues Projekt, dafür müssen wir noch einmal ganz eigene Mittel beantragen“, sagt David Kostial.

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