Jubiläum der Grünen Liga

Grünes Ostgewächs feiert

Den Osten Deutschlands umweltpolitisch zu gestalten ist seit 20 Jahren Ziel und Streben der Grünen Liga. In der Kulturbrauerei stellt sie zum Jubiläum ihre Arbeit vor.

Horror der Grünen Liga: Tagebaulandschaft in der Lausitz Bild: AP

"Was die CSU politisch für Bayern ist, ist die Grüne Liga umweltpolitisch für die Neuen Bundesländer." Mit diesem Vergleich eröffnete Stefan Richter, Geschäftsführer der Grünen Liga Berlin, am Donnerstag die Ausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Netzwerks ökologischer Bewegungen. 20 Tafeln mit Fotos und Texten haben die Umweltaktivisten in der Lounge des Kulturbrauerei-Kinos aufgestellt, um Besuchern die Geschichte der Grünen Liga nahe zu bringen.

"Gott hat die Lausitz erschaffen, aber der Teufel hat die Kohle darunter gelegt": Das sorbische Sprichwort prangt unter dem Foto einer Tagebaulandschaft. Der Text daneben erzählt davon, wie die Liga in den 90er Jahren bis vor das Bundesverwaltungsgericht zog, um die Abbaggerung eines Dorfes zu verhindern - erfolglos. Aber bis heute unterstützt die Liga von Tagebauplänen bedrohte Lausitzer Dörfer. Auf der Tafel nebenan wird das Projekt "teilauto" vorgestellt, das Carsharing-Modell des Ostens. Aus zehn Hallensern, die sich 1993 einen Skoda teilten, sind 7.000 Menschen geworden, die in ostdeutschen Städten Autos gemeinsam nutzen.

Zu den vorgestellten "Leuchtturmprojekten" gehören zudem der alternative Reiseanbieter Natour, der Ökomarkt am Kollwitzplatz, den die Liga 1996 gründete, sowie "Der Rabe Ralf" - laut Liga die einzige Umweltzeitschrift Berlins. Alle zwei Monate erscheint das kostenlose Heft in einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Ein Kind der Grünen Liga ist auch das Umweltfestival, das im Juni zum 15. Mal stattfand und in diesem Jahr 130.000 Besucher zum Brandenburger Tor lockte.

"Wir sind ein Wendekind und bis heute ein Ostgewächs", erklärte der Bundesvorsitzende Klaus Schlüter auf der Veranstaltung. Hervorgegangen ist die Liga aus der DDR-Umweltbewegung, die vor allem unter dem Schutz der Kirche agierte. "Umweltschutz war in der DDR bekanntermaßen ein Stiefkind, da hatten wir nach der Wende alle Hände voll zu tun", erzählte Schlüter aus der Anfangszeit. Bis heute beherbergt die Grüne Liga Bürgerinitiativen, umweltpolitisch interessierte Einzelpersonen und Umweltverbände aus Ostdeutschland unter einem Dach, auch Ortsverbände des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs oder des Naturschutzbunds gehören dazu.

Im Berliner Landesverband der Liga engagieren sich laut dem Geschäftsführer derzeit 50.000 Menschen. Die eigene Umweltbibliothek zählt einen Bestand von 2.000 Büchern zu den Themen Umwelt, alternative Lebensweisen und Entwicklungspolitik. Aktuell ist der Verband mit dem Wasser-Volksbegehren beschäftigt, denn die Räume in der Prenzlauer Allee sind zentrale Anlaufstelle für den Berliner Wassertisch. Das Neztwerk sammelt derzeit Unterschriften für eine Offenlegung der Verträge der Teilprivatisierung der Wasserbetriebe.

Die Jubiläumsausstellung wird bis Ende September in der Kinolounge zu sehen sein. Danach zieht die Wanderausstellung in Leipzig, Dresden und Schwerin. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens wird im November im Reichstag ein Runder Tisch organisiert, zu dem prominente Gründungsmitglieder geladen sind wie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck - der erste Sprecher der Liga - und der Botaniker Martin Succow, der 1997 für sein Engagement für ostdeutsche Naturparks und Biosphärenreservate den alternativen Nobelpreis erhielt.

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