piwik no script img

Jonathan Gerbig übrigensApples freudsche Transkription

Foto: Elke Seeger

Da haben viele Nut­ze­r:in­nen des iPhone-Diktierprogramms in den vergangenen Tagen sicher einen Schreck bekommen. In den USA hatte die Transkription beim Einsprechen des Wortes „Rassist“ „Trump“ vorgeschlagen.

Da frage ich mich: Warum? Schließlich hatte Donald Trump schon 2020 als Präsidentschaftskandidat bei einer Wahlkampf-Debatte gegen Joe Biden klargemacht: „Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum“ – die afroamerikanische Moderatorin Kristen Welker übrigens mit eingeschlossen.

Apple versprach natürlich umgehend, den Bug – also den technischen Fehler in der Funktion – zu beheben. Der Tech-Riese schiebt die falsche Transkription nicht etwa auf inhaltliche Überschneidungen, ach was, warum sollte Apple das auch tun. Schließlich passt zwischen Apple-Eigner Jeff Bezos und den US-Präsidenten kein Blatt. Aber die Wörter „Rassist“ und „Trump“ klingen einfach zu ähnlich – beide enthalten ein R. Bei dieser „phonetischen Überlappung“ sei das Programm nun mal ein bisschen durcheinandergekommen. So lässt sich die Erklärung von Apple verstehen. Ich hätte noch ein paar Wörter, die ein bisschen wie „Trump“ klingen: tRansfeindlich, lügneR, gefähRlich. iRRe, stRafRechtlich und veRuRteilt haben sogar gleich zwei R.

Hey, Apple, bau das doch in deine sauteueren Geräte als kleines Comedy-Programm ein. Dein Absatz in Deutschland würde steigen, Trump hätte seinen Spaß daran, würde alle seine Zölle vergessen und um die Gunst von Friedrich Merz buhlen. Ich könnte beim Programmieren auch gerne helfen, mir fallen genug Wörter ein, die „Überlappungen“ mit Trump aufweisen. Was hältst du von: veRgewaltigeR, Radikal, uneRtRäglich.

Jonathan Gerbig

ist Master­student am Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Zur Abwechslung hätte ich auch noch queeR im Angebot. Oder wie wäre es mit ehRlichkeit, fRauen, black lives matteR, veRantwoRtung, demokRatie. Aber wir wollen Donald Trumps Welt ja nicht gänzlich auf den Kopf stellen. Schließlich schafft der Mann es, alles seiner Größe unterzuordnen.

Neues Comedy-Programm: alle Wörter mit R durch „Trump“ ersetzten

Am unkompliziertesten wäre es, wenn einfach jedes Wort, das ein R enthält, mit „Trump“ transkribiert würde. Der Gehalt seiner eigenen Aussagen nimmt damit jedenfalls zu. Wie sagte er noch mal? „das Schöne an Trump ist, dass ich Trump Trump bin“. Das ist auch für den US-Präsidenten verständlich: „the Beauty of me is that I’m Trump Trump“. gRößenwahn, unbegReiflich, lächeRlich.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen