Jan Fedder mit großer Klappe: "Schön Abendbrot dazu und fertig ist die Laube"

Das NDR-"Großstadtrevier" hat ihn unsterblich gemacht, Siegfried Lenz hält er für wichtiger als Grass und Böll: Jan Fedder über seine wilde Jugend und warum trinken nur noch zuhause geht.

Zur Sicherheit (und weil wir so stolz sind): "Für die taz nord", steht da - "der Kampf geht weiter!" Bild: NDR

taz: Herr Fedder, mit der taz reden Sie nur, weil Ihr Fahrer das wollte. Was haben Sie gegen uns?

Jan Fedder: Ich bin ein Mensch der Vereinfachung, mag es gern gerade heraus. Und als Freund klarer Worte war die taz mir immer, schon damals am Klecks-Theater, wo ich 19 Jahre lang sozialistisches Kinder- und Jugendtheater gemacht habe und alle taz gelesen haben, zu verschwiemelt - wie übrigens auch der Spiegel, wo man auch manche Sätze dreimal lesen muss, bis man sie begriffen hat. Ich habe die taz nie abgelehnt, sie ist nur einfach nicht mein Ding.

Was haben Sie gelesen?

"Jerry Cotton".

Ist Schnörkellosigkeit auch etwas, was Sie an Siegfried Lenz schätzen? Mittwoch sind Sie in der Verfilmung von "Die Auflehnung" zu sehen.

Für mich ist Siegfried Lenz einer der bedeutendsten Schriftsteller, die wir haben, wichtiger als Grass und Böll. Und die Charaktere, die er beschreibt, die kann ich: Gradlinigkeit, Charakterstärke, Vertrauenswürdigkeit, Ehrlichkeit - lauter Werte, die heute nicht mehr so en vogue sind.

Der "Hamburger aus Leidenschaft" arbeitet seit 42 Jahren als Schauspieler, erst am Theater, dann für Film ("Das Boot") und TV ("Großstadtrevier"). Am Mittwoch ist er in "Die Auflehnung" zu sehen, dem Abschluss der Siegfried-Lenz-Trilogie (20.15 Uhr, ARD).

Volksnähe ist das Attribut, das man wohl am stärksten mit Ihnen verbindet.

Stimmt. Ich bin gerade von der ARD zum drittbeliebtesten Volksschauspieler Deutschlands gewählt worden - nach Willy Millowitsch und Heidi Kabel.

Wenn ich Ihnen einen Brief schicken will …

"Jan Fedder, Hamburg" reicht. Kommt an.

Wie beim Weihnachtsmann … wollten Sie schon immer Volksheld werden?

Ja, schon als kleiner Junge wollte ich Volksschauspieler werden, so wie Henry Vahl und Otto Lüthje vom Ohnsorg-Theater.

Wie aktiv haben Sie Ihre Karriere in diese Richtung gesteuert?

Ich habe nie was dafür getan, sondern versuche nur, so realistisch und authentisch wie möglich mein Ding zu machen. Ich will mich jeden Tag amüsieren. Da ist es mir manchmal auch egal, was der Regisseur sagt. Das ist die Restanarchie von früher …

… die sich nicht jeder erlauben kann, Sie schon. Seit 19 Jahren spielen Sie im "Großstadtrevier" - mit wechselnden Partnerinnen. Hatten die alle genug von der Jan-Fedder-Show?

Die Leute wollen nun mal vor allem mich sehen. Einige Kolleginnen haben sich sicherlich falsche Vorstellungen gemacht. Und wie es so ist im Leben: Wenn man sich versteht, versteht man sich, und wenn man sich nicht versteht, versteht man sich nicht.

Welche Rolle spielt das klare Bekenntnis zu einem Format, zu einer Figur für Ihren Erfolg?

Das "Großstadtrevier" bietet Verlässlichkeit. Die Leute wollen gucken, was sie kennen. Man weiß, was man vorgesetzt bekommt, dann gibts schön Abendbrot dazu und fertig ist die Laube.

War das von Anfang an eine Traumrolle?

Gar nicht. Ich hatte ja Schiss, hab ein halbes Jahr lang überlegt. Als es hieß, ich sollte einen Bullen spielen, da hat sich der halbe Kiez gebogen vor Lachen. Ich hatte ja eine Vergangenheit auf St. Pauli und deswegen nicht das beste Verhältnis zur Polizei.

Was war da los?

Och, so einiges. Aber lassen wir das. Ich bin ja nun Vorbild und darf das nicht mehr erzählen.

Haben Sie Steine geschmissen?

Nee, so weit bin ich nicht gegangen.

Omas die Handtasche geklaut?

Nee, nee.

Haben Sie sich geprügelt?

Auch nicht. Aber es waren irgendwie so Sachen im Spiel, die nicht ganz koscher waren.

Drogen?

Vielleicht.

Heute leben Sie auf einem Bauernhof vor den Toren der Stadt. Nie Sehnsucht nach St. Pauli und den wilden Zeiten?

Mann, Alter, ich bin 55, also kein Jungspund mehr. Wenn ich heute trinke, dann meistens zu Hause - auch weil es am nächsten Tag sofort in der Bild-Zeitung stehen würde, wenn ich auf dem Kiez vom Barhocker kippe.

Wie hat sich Ihr Verhältnis zur Polizei gewandelt?

Die Bullen sind für mich heute nicht mehr die Bullen. Ich habe Respekt vor Polizisten. Das liegt auch an den Alt-68ern, die als Richter und Staatsanwälte viel zu milde sind und manchmal sogar das Opfer zum Täter machen. Es kann doch nicht sein, dass ein Friseur, der nachts in seinem Laden einen Einbrecher stellt und ihm eine reinhaut, dafür verknackt wird. Aber da muss man vorsichtig sein: Wir sind ja ein Land, in dem man nicht alles aussprechen darf, was man denkt.

Das sagen Sie mit Ihrer großen Klappe?

Ja, weil es stimmt. Das ist nun mal unser deutsches Problem: Neid und Missgunst und bloß nicht alles laut aussprechen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de