Italiens Torwart Donnarumma nach EM-Sieg: „Da hab ich nichts mehr verstanden“

Für Italiens Torwart Gianluigi Donnarumma erfüllte sich mit dem EM-Finale ein Kindheitstraum. Dass sie gewonnen haben, kapierte er aber nicht sofort.

talienische Spieler jubeln nach dem Elfmeterschießen mit Italiens Torhüter Gianluigi Donnarumma

Erst in diesem Moment realisierte Donnarumma, dass Italien gewonnen hatte Foto: Nick Potts/ap

Es ist nur die Amarenakirsche auf der im Ganzen doch arg säuerlich schmeckenden Sahnetorte Fußball-EM 2021. Aber sie ist süß und auf bezaubernde Art unschuldig, ein leicht tröstlicher Abschluss, der umso besser mundet, als er den Erfolg der tatsächlich besten Mannschaft des Turniers krönt.

Aber hören wir den Protagonisten mit seinen eigenen Worten: „‚Über den gehaltenen Elfer habe ich nicht gejubelt, weil … weil ich es nicht verstanden hatte.‘ ‚Du hattest es wirklich nicht verstanden?‘ ‚Ich hatte nicht verstanden, dass wir gewonnen haben. Ich war am Boden zerstört wegen des verschossenen Elfmeters von Jorginho. Ich dachte, jetzt haben wir verloren.‘ ‚Wir hatten gedacht, du machst das mit Absicht.‘ ‚Ich war richtig fertig, dann hab ich mich umgeschaut, ich hab auf den Schiedsrichter geschaut, denn beim Videobeweis schauen sie immer auf die Füße, ich habe versucht zu verstehen, ob alles okay ist, und dann hab ich auf mein Team geguckt, wie die auf mich zukamen und auf mich drauf, da hab ich dann gar nichts mehr verstanden.‘“

Das sagte der italienische Torwart Gianluigi „Gigio“ Donnarumma nach dem EM-Finale gegen England dem Reporter des Sportsenders Sky. Ultracool war er nach dem gegen Bukayo Saka gehaltenen Elfmeter zur Seite gegangen. Was Saka und den anderen Schwarzen Spielern des englischen Teams, die in diesem Elfmeterschießen nicht getroffen hatten, von eigenen „Fans“ dann an rassistischen Beleidigungen und Bedrohungen widerfuhr, passt zu einem Turnier, in dem das Spektakel dem Sportsgeist schon lange den Garaus gemacht hatte.

Aber dass ausgerechnet Donnarumma, der wegen seines von vielen Tifosi als Majestätsbeleidigung empfundenen Wechsels vom AC Milan zum französischen Dauermeister Paris Saint-Germain in Italien in der Kritik steht, nun nicht mehr zeitlich und örtlich orientiert eine Partie verlässt, von der noch nicht ausgemacht ist, ob sie nicht sein Lebensspiel war – das freut dann doch. Und zusammen mit den so würdevollen wie warmherzigen und witzigen Glückwunsch­ansprachen von Staatspräsident Mattarella und Ministerpräsident Draghi, zusammen mit dem Video der Vorspielbesprechung von Trainer Mancini („Ich habe nichts zu sagen. Ihr wisst, wer ihr seid. Und wir sind nicht aus Zufall hier.“) war das dann genau die Mischung aus Pathos und Naivität, die diesen Sport trotz allem so wunderbar machen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de