Iranische Basketballer ziehen sich zurück: Kein Spiel gegen Israel

Die Rollstuhlbasketballer des Iran ziehen sich kampflos aus von den Paralympics zurück. Durch die Abmeldung wird ein Match gegen den Erzfeind Israel vermieden.

Da waren sie noch dabei: Irans Basketballer in Athen. Bild: dpa

Offiziell hielt eine vermeintliche Änderung des Spielplans als Begründung her. Die Rollstuhl-Basketballer aus dem Iran ließen am Samstagmorgen die Mannschaft der USA und 12.000 Zuschauer im National Indoor Stadium vergeblich auf den Beginn des ersten Viertelfinales im paralympischen Turnier warten. Man sei nicht einverstanden mit der angeblich am Tag zuvor kurzfristig beschlossenen Vorverlegung der Partie von 11.15 Uhr auf 9.00 Uhr, hieß es aus Delegationskreisen. Die Spekulationen, das Team sei aus dem Turnier genommen worden, damit ein Spiel der iranischen Auswahl gegen Israel nicht zustande kommt, wurden zurückgewiesen.

Das Team aus Iran schied kampflos aus. Durch die frühe Spielansetzung sei sehr viel Ärger entstanden, argumentierten die Perser. So sei der iranische Botschafter in Peking eigens für den späteren Termin eingeladen worden, und an den Fernsehschirmen in der Heimat hätten die Menschen schon um 5 Uhr in der Früh statt um 7.15 Uhr zuschauen müssen.

"Es hat nie eine offizielle Ansetzung um 11.15 Uhr gegeben", sagt Maureen Orchard, die Präsidentin des Internationalen Rollstuhl-Basketballverbandes IWBF. Man habe die Delegationen stets darauf hingewiesen, dass erst nach Beendigung der Vorrunde am Donnerstagabend gegen 23.00 Uhr die Spieltermine endgültig angesetzt würden, erklärt Orchard. Das Internationale Paralympische Komitee hingegen begründete in einer Stellungnahme den Rückzug mit der Unzufriedenheit der Iraner über "die vorgesehene Überkreuz-Ansetzung und des folgenden Spielplans."

Daraus konnte geschlossen werden, dass der Iran politische Gründe für seinen Rückzug hatte. Gegen die USA waren die Iraner klarer Außenseiter. Mit einer Niederlage mussten sie rechnen. Im planmäßig durchgeführten zweiten Viertelfinale gewann Kanada erwartungsgemäß gegen Israel. Wäre Iran gegen die USA gescheitert, hätte das Team am Montagmorgen gegen Erzfeind Israel spielen müssen. Die Islamische Republik Iran spricht Israel die Existenzberechtigung ab und verweigert dem Staat die Anerkennung.

Israel und Iran sind als jeweils Gruppenvierte ins Viertelfinale eingezogen. Möglicherweise hatte der Iran erwartet, im ersten Platzierungsspiel nicht auf den anderen Gruppenvierten, sondern einen Gruppenzweiten oder -dritten zu treffen. Die Iraner bestreiten allerdings einen politischen Hintergrund ihrer Entscheidung. Im Weltverband wird inzwischen jedoch spekuliert, dass die Perser nicht einmal zum Spiel um 11.15 Uhr angetreten wären. Denn selbst der spätere Beginn ihrer Partie hätte ein Aufeinandertreffen mit Israel in der Platzierungsrunde wahrscheinlich nicht verhindern können.

IWBF-Päsidentin Orchard sagt, man habe am Freitag vor dem Spiel versucht, den Iranern entgegenzukommen und sich sowohl bei den Kanadiern als auch den Israelis nach deren Bereitschaft erkundigt, am Folgetag schon um 9 Uhr anzutreten. Beide Delegationen hätten aber abgelehnt, weil ihre Vorbereitungen bereits gänzlich auf den späteren Beginn ausgerichtet waren. Die Amerikaner wären einverstanden gewesen, später zu spielen. Man wollte einfach nur nett sein zu den Iranern, sagt Orchard.

"Der Sport ist der große Verlierer. Der Rückzug ist sehr despektierlich gegenüber allen beteiligten Parteien", sagt Orchard. Besonders die Spieler des Iran täten ihr leid, weil die wegen dieser Entscheidung um ihre Chancen gebracht wurden. Gleichzeitig schadet der Iran aber indirekt auch den restlichen Rollstuhl-Basketballern aus der Asien-Ozeanien-Zone. Denn die Mannschaft hätte sich bereits in Peking für die WM 2010 qualifizieren können und der eigenen Qualifikationszone einen zusätzlichen Platz im WM-Turnier verschaffen können.

Bereits bei den Olympischen Spielen im August hatte der iranische Schwimmer Mohammed Alirezai auf seinen Start über 100 m Brust verzichtet. In seinem Rennen hätte er gegen einen israelischen Schwimmer antreten müssen. Alirezai gab an, er trete wegen Krankheit nicht an. Bei den Spielen 2004 in Athen zog sich der iranische Judo-Weltmeister und Medaillenkandidat Arash Miresmaeili vom Turnier zurück. Er hätte gegen einen Israeli kämpfen müssen. Er hatte seine Entscheidung ganz offiziell mit ebenjener Ansetzung begründet. Die iranische Regierung hatte ihm damals in den staatlichen Medien ihren Glückwunsch ausgesprochen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de