Hostel im Prinzenbad: Bäderchef auf Tauchstation

Statt 40 Hütten genehmigt der Bezirk Kreuzberg nur fünf. Bäder Betriebe hätten die Betreiber besser informieren müssen, findet der grüne Bürgermeister.

So sieht Übernachten im Prinzenbad aus: Frau vor Hostelhütte. Bild: dpa

Ein bisschen leid tut Marius Jast einem schon. Der Betreiber der Firma Scube Parks hatte die Idee, im Kreuzberger Prinzenbad einen 120-Betten-Übernachtungsbetrieb zu öffnen. Die Berliner Bäder Betriebe (BBB) als Grundstückseigner gaben grünes Licht. Aber wenige Tage bevor das Projekt an den Start geht, kommt das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und spuckt Jast in die Suppe und verweigerte die Baugenehmigung. Auch die Bezirksverordnetenversammlung votierte dagegen. Nicht 40, nur fünf Holzhütten gehen nun in Betrieb.

Sie stehen auf einer gesondert eingezäunten 2.200 Quadratmeter großen Fläche am Rande des Prinzenbads. Die Würfel, auch Scubes genannt, sind 2,80 mal 2,80 Meter groß. Die Einrichtung beschränkt sich auf drei Betten. 69 Euro sollte die Übernachtung bei Doppelbelegung kosten, für drei Personen 89 Euro.

Aber nun wird es wohl billiger. Es gibt keine sanitären Anlagen. Eigentlich wollte Jast Duschen und Klos in einem alten Steinbungalow, in dem früher Umkleidekabinen waren, einbauen lassen. Weil er nun weniger Gäste und damit weniger Einnahmen hat, sei das zu teuer, sagt Jast. Die Folge für die Gäste der fünf verbliebenen Scubes: Sie müssen sich ein Dixi-Klo teilen. Waschen und Zähne putzen könne man im Schwimmbad, allerdings nur während der Öffnungszeiten von 7 bis 20 Uhr. "Abenteurer lassen sich davon aber nicht abschrecken", sagt Jast. Ganz aufgegeben habe er die Hoffnung noch nicht, dass sich mit dem Bezirksamt vielleicht doch noch eine Lösung finden lasse.

Doch Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) ist da ganz klar. Das Prinzenbad sei der falsche Ort für so ein Hostelprojekt. Fünf Cubes könnten noch als Zubehör zum Freibad angesehen werden. Deshalb seien sie von der Bauaufsicht auch 2008 genehmigt worden. Dass die Betreiber auf 40 aufstocken wollten, habe er im April 2011 aus der Presse erfahren und sofort einen Brief an den Chef der Bäder Betriebe, Klaus Lipinsky, mit der Bitte um Aufklärung geschrieben, sagt Schulz. "40 Hütten, das wäre ein richtiger Beherbergungsbetrieb." Lipinsky habe aber nicht geantwortet. Stattdessen sei am 18. Mai ein Bauantrag der Cubes-Betreiber eingegangen. Sein Eindruck, so Schulz, sei, dass die BBB mit den Betreibern einen Vertrag für 40 Scubes gemacht hätten, ohne diese ausreichend darauf hinzuweisen, dass sich das Vorhaben aus bauplanungsrechtlichen Gründen nicht realisieren lasse.

Vertrag mit Vorbehalt

Lipinsky war am Dienstag auch für die taz nicht zu sprechen. Durch eine Sekretärin ließ er auf seine Stellungnahme gegenüber der Berliner Zeitung von letzter Woche verweisen: Die Bäder Betriebe hätten Scube Parks nur die Fläche verpachtet, ohne dass im Vertrag die Anzahl der Hütten geregelt worden sei. Verbunden worden sei der Vertrag mit der Auflage, sich um sämtliche Genehmigungen bei den Behörden selbst zu kümmern.

Die taz hat den Vertrag vom 27. Juli 2008 eingesehen. "Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung" werde "die Aufstellung von bis zu 40 Multiboxen" vereinbart, heißt es darin. Es folgt Lipinskys Unterschrift.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de