Hoffnung auf Aufträge: Siemens profitiert von der Krise
Der Münchner Konzern rechnet mit 15 Milliarden Euro aus den Konjunkturprogrammen.
BERLIN taz Der Siemenskonzern will kräftig von den staatlichen Konjunkturprogrammen weltweit profiteren und damit besonders sein Geschäft mit umweltfreundlichen Technolgien stärken. Vorstandschef Peter Löscher sagte am Montag in einer Telefonkonferenz, von den etwa zwei Billionen Euro, die die Regierungen weltweit in die Wirtschaft pumpen, könnten in den nächsten drei Jahren voraussichtlich rund 15 Milliarden Euro in Form von Aufträgen bei Siemens ankommen. 40 Prozent würden auf "Grüne Technologien" in den Bereichen Erneuerbare Energien, Umwelttechnik oder Energieffizienz entfallen.
Mit solchen Produkten hat Siemens im vergangenen Jahr 19 Milliarden Euro umgesetzt, was rund einem Viertel des Konzernumsatzes entspricht. Doch der Geschäftsbereich soll jährlich um mehr als zehn Prozent wachsen, 2011 werde der Umsatz bereits 25 Milliarden Euro betragen, sagte Löscher, womit er allerdings lediglich das bekannte Unternehmensziel bestätigte. Die besten Aussichten, von den Konjunkturprogrammen zu profitieren, sieht Siemens in den USA, in China und Deutschland.
Als Beispiele für mögliche Produkte, die durch die Konjunkturprogramme gefördert würden, nannte Löscher den Hochgeschwindigkeitszug Velaro, von dem Siemens gerade 100 Stück nach China verkauft hat. Mehr als 70 Milliarden Euro wolle die chinesische Regierung im Rahmen ihres Konjunkturprogrammes in den Schienenverkehr stecken. Andere Produkte seien Ampelanlagen mit Leuchtdioden, die deutlich weniger Strom fräßen als Glühbirnen. Auch das Energiespar-Contracting, also die Übernahme des Versorgungsmanagements eines Krankenhauses oder einer Schule mit vertaglich vereinbarten Verbrauchsminderungen, sei ein Geschäftsfeld, dass profitieren dürfte.
Allerdings sei noch offen, ob das alles den Ausfall in anderen Bereichen, den die Wirtschaftskrise mit sich bringe, ausgleichen, sagte Finanzchef Joe Kaeser. "Bevor die Aufträge nicht an Land sind, lässt sich schwer über das nicht erlegte Fell diskutieren."
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