„Hipster-Opa“ Günther Krabbenhöft: „Der Club ist mein Gottesdienst“

Er ist kultiviert, lebenslustig, extravagant: Doch Günther Krabbenhöft hat noch andere Facetten. Jetzt erscheint die Autobiografie des 75-Jährigen.

Ein Mann in schicker Kleidung sitzt auf einer Brücke

„Ich bin der geblieben, der ich bin“: Günther Krabbenhöft auf der Admiralbrücke in Kreuzberg Foto: Wolfgang Borrs

taz: Herr Krabbenhöft, wir haben uns vor ein paar Wochen zufällig in einem Café in Kreuzberg kennengelernt, ich kannte Sie durch Ihren Instagram-Auftritt und sprach Sie an. Das passiert Ihnen sicherlich oft – vermissen Sie manchmal die Anonymität?

Günther Krabbenhöft: Ach, wenn mir das mal ein Bedürfnis ist, bleibe ich zu Hause. Oder ich setze mich morgens in aller Herrgottsfrühe in den Regionalzug und mache einen Ausflug. Das bietet sich ja in Zeiten von Corona an – nicht um den Menschen, die mir Hallo sagen wollen, zu entkommen, sondern um mal aus der Stadt zu fliehen. Insgesamt also stört es mich nicht, angesprochen zu werden, nein.

In den Medien sind Sie der „Hipster-Opa“, dabei sind Ihr Interesse an Techno und lange Nächte im Berghain nur eine Facette von Ihnen.

Ich treffe auch Freunde, gehe auf Partys, ja, tue lauter Dinge, die mich wenig unterscheiden von jüngeren Altersgruppen. Das ist es, was die Leute irritiert: dass ich nicht in Schubladen passe, eben nicht bin wie ihre Eltern und Großeltern. Dabei kenne ich auch diese Lebensbereiche. Ich bin ja auch Vater und Großvater. Trotzdem ist mir die Jugend in ihrem Tun oft näher als die Älteren.

In Berlin sind Sie eine Berühmtheit. Wie kam es dazu?

Es fing mit einem Foto an, das ein englischer Tourist am Kottbusser Tor von mir gemacht hatte. Er postete es auf Facebook mit der sinngemäßen Unterschrift „Schaut her, dieser 104-Jährige ist stylisher als wir alle und tanzt in den angesagtesten Clubs Berlins.“ Das Bild ging um die Welt. Zunächst habe ich von dem Hype gar nichts mitbekommen, bis mir das von Freunden zugetragen wurde. Ich hatte ja keinen Computer und kein Smartphone. Dann hab ich in die Diskussion eingegriffen und gesagt „Ey, ich bin erst frische 69 und erfreue mich bester Gesundheit.“

Waren Sie schon immer in den Technoclubs Berlins unterwegs?

„Das erste Mal ergab sich vor etwa fünf Jahren, als mich zwei junge Mädchen ansprachen, die auf dem Weg ins Berghain waren. Sie fragten, ob ich mitkommen wolle. Das war meine Chance!“

Nein, nein. Ich wollte zwar immer schon dorthin, traute mich aber nie. Ich dachte: „Wenn ich dort ankomme, fürchten die, der Alte kriegt gleich einen Herzkasper. Letztendlich war es überhaupt nicht so! Das erste Mal ergab sich vor etwa fünf Jahren, als mich zwei junge Mädchen ansprachen, die auf dem Weg ins Berghain waren. Sie fanden, ich sähe cool aus, und fragten, ob ich mitkommen wolle. Das war meine Chance! Es war großartig – die Musik, das Tanzen, die Stimmung. Dann fing ich an, richtig die Sau rauszulassen. (lacht) Aber es schlaucht natürlich schon. Einmal pro Woche reicht. Ich gehe immer sonntags hin, das ist dann sozusagen mein Gottesdienstbesuch. Um dem Gott der Lebensfreude zu danken!

Sie sind 1945 geboren und in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hannover groß geworden – eine ganz andere Welt als Berlin.

Aber ja! Meine Kindheit war geprägt von diesem dörflichen Charakter samt den Vorschriften der Eltern und von Sätzen wie „Was sollen die Leute denken“. Da wurde man schon auf Linie gebügelt.

Der Mensch Günther Anton Krabbenhöft, 1945 in Hildesheim geboren, ist vor allem für seinen exzentrischen Kleidungs- und Lebensstil bekannt. Unter anderem ist er bei Raves oder in Berliner Technoclubs anzutreffen.

Der Influencer Auf Instagram folgen Krabbenhöft über 87.000 Menschen – für Tanzvideos, die gute Laune machen, Ratschläge in Sachen Stil oder ein paar erbauliche Lebensweisheiten: „Zeiten, die verunsichern, erfordern ein Gegengewicht. Ich halte Zuversicht und Hoffnung ganz gut geeignet dafür.“

Das ganze Leben Die Bezeichnung „Hipster-Opa“ kann Krabbenhöft nicht mehr hören – seine Lust am Tanzen und an guter Kleidung sei doch nur eine Seite von ihm. Und in der Tat blickt Krabbenhöft auf ein bewegtes, buntes Leben zurück: Er gründete vor 35 Jahren eine bis heute bestehende Hausgemeinschaft mit seinen Freunden in Kreuzberg, zog in den Achtzigerjahren als schwuler Vater eine Tochter groß und reiste als Koch um die Welt. Darüber hatte er bisher wenig gesprochen.

Die Autobiografie Am 22. September erscheint Krabbenhöfts autobiografisches Buch „Sei einfach Du!“ im Harper Collins Verlag. (ask)

Jemand wie Sie ist dort sicherlich aufgefallen, oder?

Na ja, als Kind noch nicht. Dann merkte ich, dass ich vielleicht anders ticke, andere Bedürfnisse habe als die anderen Kinder. Ich war kein Außenseiter, aber auch nicht Mainstream. Ich war eher zurückgezogen und still.

Und wie ging Ihr Lebensweg nach der Kindheit weiter?

Mit 15 hab ich die Schule im Dorf beendet. Und hatte ganz andere Vorstellungen von dem, was ich beruflich machen wollte, als meine Eltern. Als Kind und Jugendlicher habe ich stundenlang Leuchtkörper entworfen. Heute würde man sagen, ich wollte Lampendesigner werden. Meine Eltern waren davon nicht begeistert. Auf ihr Drängen machte ich eine Lehre als Koch. Es stellte sich heraus, dass das überhaupt nicht passte – ich als sensibler junger Mann in diesem Betrieb, wo ein Umgangston herrschte wie im Schlachthof. Da hatte ich wirklich massive Schwierigkeiten. Rückblickend wurde mir damals erstmals klar, dass ich dem Bild eines Mannes zu dieser Zeit nicht entsprochen habe. Aber ich habe die Lehre durchgezogen und auch lange als Koch mein Geld verdient.

Wie haben Sie den Mut gefunden, Ihren eigenen Weg zu gehen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Nein, das war ein Prozess. Ich habe gemerkt, dass ich andere Menschen nicht ändern kann, nur meinen Blick auf die Dinge. Das war auch später immer meine Linie: Wenn ich Probleme hatte, bin ich in mich gegangen, habe versucht, einen anderen Zugang zu finden. Etwas anderes kann man ja nicht tun. Dadurch, dass ich irgendwann Menschen fand, die mich so nahmen, wie ich bin, wurde ich Stück für Stück selbstbewusster.

Und Sie zogen von Hannover nach Berlin.

Ja, ich spürte, dass ich nicht nach Hannover gehörte. Dass meine neue Heimat dann Berlin wurde, ist aber auch dem Zufall zu verdanken.

Was war denn das für ein glücklicher Zufall?

Ich wartete damals auf eine Stelle als Koch auf einem Passagierschiff der Hamburg-Amerika-Linie und hatte hier in Berlin einige Wochen dieser Wartezeit überbrückt. Und hier war eine ganz andere Atmosphäre – großstädtisch, alternativ, locker. Und dann dieses faszinierendes Nachtleben – es gab ja keine Sperrstunde in Berlin. Das war Liebe auf den ersten Blick.

„Man müsste blind oder ein Eisklotz sein, um Elend und Verzweiflung hier nicht zu sehen“

Heute wirken Sie stets so befreit und glücklich. Wann haben Sie zuletzt geweint?

Eigentlich bin ich immer kurz davor, wenn ich durch die Stadt gehe, muss ich einfach mal so sagen: wenn ich sehe, wie einige Menschen hier leben müssen. Meine Schwierigkeit ist, dass ich das Elend und die Verzweiflung, die einen hier ja geradezu anspringen, zu nah an mich heranlasse. Aber da müsste man auch ein Eisklotz sein oder blind, wenn man das nicht sieht. Ich muss mir manchmal quasi eine Mauer ziehen, damit ich nicht verzweifle.

Wie schaffen Sie es, sich in solchen Momenten aufzuheitern?

Indem ich auf meine eigene Situation schaue. Ich kenne ja diese Gefühle von Verzweiflung: in Lebenslagen zu stecken, aus denen man meint, nie wieder herauszukommen. Dann denke ich bewusst an schöne Dinge, die wir gar nicht mehr so wahrnehmen. Das mag vielleicht kitschig klingen, aber das sind Kleinigkeiten: gute Gespräche mit Freunden, ein Kind, das gedankenverloren in seiner Eiskugel matscht – es gibt so viele dieser Dinge, die einen erheitern, wenn man seine Augen und Gefühle dafür öffnet.

Nun erscheint Ihre Autobiografie. Darin schreiben Sie, dass man seine Gefühle nicht verstecken sollte. Ende der 70er Jahre merkten Sie, dass Sie Männer lieben – zu dem Zeitpunkt waren Sie allerdings mit einer Frau verheiratet, Sie hatten ein gemeinsames Kind. Fiel es Ihnen zunächst schwer, zu diesen Gefühlen zu stehen?

Aber ja! Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich war niemand, der sich hinter einer Heirat versteckt hat. Mein ganzes Leben war bis dahin wie selbstverständlich ausgerichtet auf eine Heterowelt. Und dann passierte es – ich war verwirrt, wusste überhaupt nicht, wie mir geschah und wie ich das einordnen sollte.

Was war denn genau passiert?

Ich war damals in den Achtzigerjahren der Leiter einer Laientheatergruppe. Meine Frau war mit unserer Tochter über Nacht bei einer Freundin. Dann kam ein Freund aus der Theatergruppe, wir wollten über die Aufführung in der nächsten Woche sprechen. Plötzlich baute sich im Gespräch so eine Spannung auf, die mich selbst total irritierte. Selber hätte ich mich nie, wirklich niemals getraut, den ersten Schritt zu machen. Aber Tatsache war, dass dieser Typ zum Angriff überging und ich in einer Situation war, die mich wirklich weggerissen hat. Am nächsten Morgen stand meine Frau in der Schafzimmertür – dramatischer hätte man es auch in einem Film nicht darstellen können. Wenn ich daran denke, gehen mir wieder die Haare hoch. Ich habe mich so geschämt, wusste überhaupt nicht, was ich machen sollte, konnte nichts sagen. Es war eine Katastrophe für uns beide, und es folgte eine furchtbar schwere Zeit.

Und dann waren Sie quasi über Nacht schwul?

Ich habe mich lange schwer damit getan, habe auch immer wieder Techtelmechtel mit Frauen angefangen. Am Anfang dachte ich, vielleicht mag ich beides. Aber ich glaube, manchmal ist das auch, um sich nicht festzulegen. Irgendwann habe ich es akzeptiert. Doch ich habe geglaubt, ich sei alleine, dachte, das passiert nur mir. Ich hatte ja zuvor keinerlei Berührungspunkte mit der Szene. Dabei gab es auch damals schon Abertausende Männer, denen es genauso ging.

„Anfang der 90er Jahre wurde Alfred Biolek auf uns aufmerksam, er machte eine Sendung ‚Mein Vater ist schwul‘. Dort war ich mit meiner Tochter zu Gast“

Ihre Tochter wuchs nach der Scheidung bei Ihnen auf. Sie waren eines der ersten Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Schwule Väter“.

Ja. Ich werde nie vergessen, wie ich hier in Berlin das erste Mal dorthin kam. Damals waren wir nur zu viert. Dann schrieb der Spiegel einen Artikel über schwule Väter, da wurden meine Tochter und ich befragt. Und es gab eine Illustrierte, die das Thema entdeckte. Nach und nach wurde immer mehr darüber gesprochen. Bald wurden auch anderswo in Deutschland Gruppen wie unsere gegründet, zweimal im Jahr gab es gemeinsame Treffen im Waldschlösschen bei Göttingen.

Plötzlich standen Sie nicht mehr allein da.

Ja, und das war eine Offenbarung. Da kamen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz die unterschiedlichsten Menschen – ich war völlig überwältigt. Manche haben sich zeitlebens versteckt und geglaubt, sie kriegten das schon hin, andere haben, so wie ich, ihre Gefühle erst viel später entdeckt. Und alle standen unter diesem Leidensdruck, ihre Familie zerstört zu haben, viele hatten Angst, ihre Kinder zu verlieren. Anfang der 90er Jahre wurde Alfred Biolek auf uns aufmerksam, er machte eine Sendung „Mein Vater ist schwul“. Dort war ich mit meiner Tochter zu Gast, auch meine Frau ist mitgekommen – dafür war ich ihr sehr dankbar. So wurde unsere Geschichte einem breiteren Publikum bekannt.

Wie waren die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Was ich nach meinem Auftritt bei Biolek erlebt habe, war toll. Zum Beispiel die Arbeitskollegen – man hat mich gefeiert und mit Standing Ovations und Blumen begrüßt, mir gratuliert. Es hört sich vielleicht zu nett an, aber so war es.

Wie war es, als schwuler Mann in den Achtzigerjahren Jahren eine Tochter großzuziehen?

Ich hatte das große Glück, dass meine Frau, obwohl ich ihr so wehgetan habe, sehr unterstützend war. Das rechne ich ihr hoch an, das muss ich wirklich immer wieder betonen. Mit zehn Jahren wollte meine Tochter zu mir ziehen. Meine Schwiegermutter meinte: „Was, du gibst das Kind zu diesem Schwulen?“ Meine Frau sagte: „Ja, und wenn du das dem Amt sagst, bist du mal meine Mutter gewesen.“

Meinen Sie, dass eine solche Familienkonstellation heute eher akzeptiert würde?

Ach, ich weiß es nicht. Klar, manchmal denke ich, dass es heute, in Anführungsstrichen, zum guten Ton gehört, schwule Freunde zu haben, man hat weniger Vorurteile. Sicherlich gibt es da aber nach wie vor genug Leute, die anders denken. Ich für mich kann sagen, dass ich wirklich niemals Diskriminierung erfahren habe. Und ich bin ja auch der geblieben, der ich bin – nur meine Sexualität hat sich verändert. Ich wollte nie allein über meine Sexualität wahrgenommen werden.

Eine Hand hält einen Herrenhut hoch

Mit Schirm, Charme und Hut... Foto: Wolfgang Borrs

Sie sind jetzt 75 Jahre alt und haben einige Beziehungen geführt, mit Frauen und mit Männern. Welchen Rat würden Sie jungen Menschen für das Gelingen einer Beziehung geben?

In einer Beziehung sollte man immer zwei bleiben, aber eins werden. Das ist mein Ratschlag, das finde ich ganz wichtig. Es ist das Doofste, alles aufzugeben für den Partner oder ihm aufzubürden, alles auszufüllen, was man vielleicht an Defiziten oder Wünschen hat, anstatt weiterhin seine Freunde einzubeziehen in die Dinge, die man gerne macht.

Freundschaft spielt in Ihrem Leben eine sehr wichtige Rolle. Vor über 30 Jahren zogen Sie mit Freunden in dieses Haus in Kreuzberg, in dem wir gerade sitzen.

Ja, das war ein Haus, das damals der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW gehörte, wenn ich richtig informiert bin. Es sollte eigentlich abgerissen werden, genauso wie der Rest der Straße. Das konnten wir verhindern. Hier konnten wir unsere Vorstellung von einem gemeinsamen Leben verwirklichen.

Sie waren Paare, Singles, Familien mit Kindern – ein sehr progressives Projekt.

„In einer Beziehung sollte man immer zwei bleiben, aber eins werden. Das ist mein Ratschlag, das finde ich ganz wichtig.“

Ja, eine wirklich bunte Mischung. Aber wir waren einfache Leute, alle berufstätig. Wir wussten, wir wollten hier lange leben und es gemeinsam gestalten. Einige sagten: „Dieses Haus kann man doch nur abreißen.“

Sie haben es dann gekauft.

Wir haben das Haus nicht einmal bezahlt, nur das Grundstück, denn der Gebäuderestwert war gleich null. Ich mag gar nicht dran denken, wie ich damals manchmal im Hof stand und geheult habe, weil ich nicht wusste, wie wir diesen ganzen Schrott hier rausbekommen sollten – die Durchfahrt war wahnsinnig eng und man musste alles sozusagen teelöffelweise hier rausschaffen.

Die Freundschaft mit Ihren Mitbewohnern geht sogar über das Leben hinaus: Sie haben bereits ein Gemeinschaftsgrab auf dem Alten St.-Matthäus Kirchhof in Schöneberg gekauft. Wie kam es dazu?

Eigentlich sind es nur zwei Freunde aus dem Haus. Ich hab ja auch noch einen anderen Freundeskreis, der zum Teil noch älter ist als die Leute hier. Aber das ist auch so eine geniale Geschichte, die in einem der dunklen Clubs dieser Stadt entstanden ist.

Wie das denn?

Ich traf dort einen Typen, der historische Grabmäler auf Friedhöfen verwaltet. Ich liebe ja Friedhöfe und ihre, man könnte sagen, Friedhofsruhe. Schon als Kind bin ich, wenn ich allein sein wollte, mit meiner Wurststulle auf den Friedhof gegangen, um zu lesen. Dieser Mann zeigte mir jedenfalls den Friedhof in Schöneberg, und mir gefiel so ein Obelisk, den wollte ich haben, auch wenn der Platz mit sechs Gräbern viel zu groß war. Also hab ich das meinen Freunden erzählt – „Leute, ich hab ein großes Grab! Auf einem der schönsten Friedhöfe!“ – und im Handumdrehen war eine Warteliste da. Das hat mich unendlich glücklich gemacht. Auch meine Exfrau ist dabei.

Was macht das Grab denn so besonders?

Es liegt auf einer kleinen Anhöhe – rechts unten ist das Berghain und links unten ein Café. Mehr geht doch nicht! Mittlerweile haben wir das Grab restaurieren lassen. Jetzt sagt manchmal einer: „Ich war gerade unser zukünftiges Haus besuchen, aber es war niemand da.“ Gott sei Dank warten wir ja auch alle noch ein bisschen! (lacht) Das alles ist jedenfalls aus dieser zufälligen Begegnung heraus entstanden, und das finde ich ganz wunderbar: dass schöne Dinge im Leben passieren, auf die man gar nicht vorbereitet war.

Wenn man das so hört, meint man, Sie sähen dem Tod ganz gelassen entgegen. Verspüren Sie nicht manchmal Angst?

Ich weiß natürlich nicht, was in diesem berühmten Moment passieren wird. Aber ich habe ganz einfach akzeptiert, dass das Leben mit dem Tod endet. Wir feiern eine Geburt mit großem Getöse – ein neuer Mensch ist da! –, aber zugleich haben wir ihm ja auch den Stempel des Todes aufgedrückt. Natürlich, denk ich mir, hat jeder Angst. Für mich ist es aber sehr beruhigend, einen Ort zu haben, wo ich liegen werde, mit Freunden. Da wird auch immer jemand zu Besuch kommen, die haben ja auch alle Kinder und Familie.

Und Ihre Freunde aus der Berliner Technowelt, die kommen auch zu Besuch.

Ja, ja, unbedingt! Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann, dass alle Leute zum Friedhof kommen und dort eine Rave-Session machen, dass die Grabsteine wackeln. Das wäre eine tolle Vorstellung. Ich weiß, das geht nicht. Aber wünschen, das geht.

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