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Hauptstadt-FlughafenNur 100 Tage im Amt

BER-Sprecher Daniel Abbou provoziert mit einem Interview seinen Rausschmiss

So redet nur einer, der keinen Bock mehr auf den Job hat, sollte man meinen. Nach einem freimütigen Interview ist der Pressesprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Daniel Abbou, am Sonntag von seinem Posten freigestellt worden. In einem Gespräch mit der Fachzeitschrift PR Magazin hatte Abbou unverblümt über die Versäumnisse beim Bau des neuen Hauptstadtflughafens geplaudert und war auch nicht vor Schuldzuweisungen zurückgeschreckt.

Abbou war erst seit Januar Sprecher der Berliner Flughäfen. In dem Interview mit dem Titel „Alles kommt raus“ verweist er darauf, dass Flughafen-Technikchef Karsten Mühlenfeld weiter daran festhalte, den BER 2017 zu eröffnen. Aber „kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“. Offen spricht Abbou über „interne Angstkultur“ und „versenkte Milliarden“ und kündigt an, die Praxis des Immer-alles-Schönredens beenden zu wollen. Die Berliner und Brandenburger hätten ein Recht zu wissen, „wo ihre Milliarden versenkt worden sind“.

War Abbou wirklich so naiv zu glauben, beim BER neue Akzente setzen zu können? Leider war er am Montag für Nachfragen nicht erreichbar. Der gebürtige Schwabe hat schon vielen Politikern als Sprachrohr gedient. Geholt wurde er zumeist dann, wenn sich diese in einem Umfragetief befanden.

2008 begann er bei der Berliner Justizsenatorin Gisela von Aue (SPD), später wechselte er zu Finanzsenator Ulrich Nussbaum (parteilos). In Baden-Württemberg wurde er 2011 nach der Bildung der dortigen grün-roten Koalition Sprecher von Finanzminister Nils Schmid (SPD) und stellvertretender Regierungssprecher. Rechtzeitig vor der Ba-Wü-Wahl, die die SPD verlor, war Abbou zum BER nach Berlin gewechselt.

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