Handelsfirma steigt in Kongos Bergbau ein: Von den Müllhalden in die Kupferminen

Die Handelsfirma Trafigura kauft sich in Kongos Bergbau ein. Vor drei Jahren geriet Trafigura durch einen Giftmüllskandal international ins Zwielicht.

100.000 Menschen erkrankten nach dem Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste. Noch heute lehnt Trafigura jegliche Verantwortung ab. Bild: dpa

BERLIN taz | Die seit einem Müllverklappungsskandal in der Elfenbeinküste vor drei Jahren zu trauriger Berühmtheit gelangte Handelsfirma Trafigura steigt in den Bergbau der Demokratischen Republik Kongo ein. Mit einer "strategischen Allianz" wollen Trafigura und der australische Bergbaukonzern Anvil Mining die Kupfermine Kinsevere ausbauen, eines der größten aktiven Bergwerke des Kongo.

Trafigura, so die am Montag bekannt gegebene Einigung, kauft sich mit 100 Millionen US-Dollar bei Anvil ein und erwirbt damit 36 Prozent des Unternehmens. Weitere 100 Millionen Dollar stellt die Handelsfirma der Bergbaufirma als Kredit zur Verfügung. Trafigura erwirbt die Anvil-Anteile unter dem Marktwert und bekommt für den Kredit aus Risikogründen höhere als marktübliche Zinsen. Es erhält drei von sieben Vorstandssitzen und die Option auf die gesamte Produktion von Kinsevere.

Mit diesem Teilverkauf rettet Anvil Mining seine größte Investition und eines der wichtigsten Bergbauprojekte im Kongo. Kinsevere, ein riesiger Tagebau im Busch rund 30 Kilometer außerhalb von Katangas Provinzhauptstadt Lubumbashi, enthält knapp 1 Million Tonnen Kupfererz mit der außerordentlich hohen Metallkonzentration von 3,79 Prozent.

Anvil Mining hat seit 2005 rund 190 Millionen US-Dollar in die Sanierung der lange stillgelegten Mine investiert. Die Förderung begann vor zwei Jahren und betrug im Jahr 2008 etwa über 22.000 Tonnen, ein knappes Drittel der gesamten Kupferförderung des Kongo.

Der weitere Ausbau der Mine soll die Förderung auf 60.000 Tonnen im Jahr steigern. Aber im November 2008 stellte Anvil die Arbeiten ein, nachdem eine staatliche Kommission im Kongo eine Neuverhandlung der Verträge mit Anvil empfohlen hatte. Die Neuverhandlung im Januar ergab unter anderem Aufsichtsratssitze für die kongolesische Seite im Jointventure. Außerdem sollten die Australier innerhalb eines Jahres eine Nachzahlung in Höhe von 15 Millionen Dollar liefern. Diese Frist sollte halbiert werden, falls Anvil Fremdkapital von mindestens 125 Millionen Dollar auftreibt.

Dies ist nun geschehen, und so bekommt Kongos Staat, dessen Einnahmen dank der globalen Bergbaukrise in den Keller gerutscht sind, jetzt eine dringend nötige Finanzspritze von einer der größten Rohstoffhandelsfirmen der Welt.

Trafigura stand der Demokratischen Republik Kongo schon einmal 2004 rettend zur Seite, als sie dem Nachbarland Kongo-Brazzaville die Finanzierung einer Zahlung von 32 Millionen Dollar Schulden an Kongos staatliche Stromgesellschaft Snel arrangierte, deren Verbleib allerdings bis heute ungeklärt ist. Und der australische Trafigura-Partner United Petroleum besitzt in Katanga eines der wichtigsten Treibstoffdepots, Herz der Logistik des Bergbaus.

2006 geriet Trafigura international ins Zwielicht, als das von ihr gecharterte Frachtschiff "Probo Koala" auf dem Weg von Europa nach Nigeria große Mengen giftige Abfälle auf Mülldeponien in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, entsorgte. Über 100.000 Menschen erkrankten an den Folgen, 16 starben.

Trafigura lehnte jede Verantwortung dafür ab, einigte sich aber 2007 in einem Vergleich mit der Regierung der Elfenbeinküste auf eine Zahlung von 198 Millionen Dollar. Im Gegenzug ließ die Regierung ihre Klage gegen Trafigura fallen. Eine Sammelklage von 30.000 Betroffenen ist in London gegen Trafigura anhängig, ein weiteres Verfahren läuft in den Niederlanden.

Anvil Mining hat seine eigene kontroverse Geschichte. 2004 bediente sich Kongos Armee bei dem Fuhrpark des Konzerns, um einen bewaffneten Aufstand in der Nähe der Anvil-Silbermine Dikulushi in Katanga niederzuschlagen. Es kam zu außergerichtlichen Hinrichtungen, dabei wurde Anvil von Menschenrechtsorganisationen der Komplizenschaft beschuldigt und verklagt. Im Jahr 2007 sprach ein Gericht in Lubumbashi den Konzern frei.

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