: Hamburger Eintracht
■ Bündnis für Arbeit will einfachere Berufsbilder erproben. Gewerkschaft ist „über ihren Schatten gesprungen“
Ein „echter Durchbruch“ sei erreicht, freut sich der Geschäftsführer der Handelskammer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz für die Wirtschaft. Hamburgs Gewerkschaftschef Erhard Pumm sitzt daneben, lächelt etwas säuerlich und sagt: „Man muss als Gewerkschaft auch mal über den Schatten springen können.“ Denn der DGB hat sich lange gegen das gewehrt, was das Hamburger Bündnis für Arbeit gestern im Anschluss an seine fünfte Sitzung präsentierte: Hamburg will für Jugendliche, die keinen qualifizierten Schulabschluss haben, „vereinfachte Ausbildungsberufe“ schaffen, die neben den tariflich festgesetzten Ausbildungsgängen erprobt werden.
Das Problem, das man damit lösen will, formuliert Bürgermeister Ortwin Runde (SPD): „Für die schlecht qualifizierten Jugendlichen wird es künftig immer weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt geben.“ Da müsse man gegensteuern, und dafür habe man sich im Bündnis, in dem Arbeitgeber, Gewerkschaften und Arbeitsverwaltung zusammenhocken, den Modellversuch mit vereinfachten Berufsbildern ausgedacht. Schmidt-Trenz betonte zwar, man habe Dutzende solcher Berufsbilder schon in der Schublade, aber öffnen wollte er die Lade gestern noch nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass es sich um Berufe wie die des Systemgastronomen handele – also die Menschen, die im Fast Food-Restaurant die Cheeseburger aufeinander stapeln.
Ansonsten herrscht Honeymoon-Stimmung im Bündnis. Das Jahresziel, die Arbeitslosenzahl unter 70.000 zu drücken, könne man wohl im September schon erreichen, frohlockt Runde. Pumm erinnert daran, dass man vor drei Jahren beim DGB ja noch die Sorge gehabt habe, Hamburg könne die 100.000 Arbeitslosen-Grenze überschreiten, und die Handelskammer freut sich über eine boomende Wirtschaft. Die Ausbildungsplätze sind ebenfalls seit vier Jahren kontinuierlich in die Höhe gegangen. Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern scheint es an diesem Tisch nicht zu geben. „Wir brauchen keine Boxhandschuhe, wir verstehen uns hier in Hamburg sehr gut“, sagt der Gewerkschaftschef.
Peter Ahrens
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