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■ H.G. HolleinAmtlich

Das Leben, das ich führe, kos-tet. Zumal, wenn man eine ehrliche Haut ist wie ich. Ich hätte natürlich auch schwarz weiterleben können, aber die Gefährtin lehnt es nun mal strikt ab, mit einem zu kohabitieren, dessen Haltbar-keitsdatum abgelaufen ist. So trollte ich mich denn zum Einwohnermeldeamt und kam submissest um Erneuerung meiner Daseinsbewilligung ein. Ich bekam gegen Hinterlegung von acht Euro auch prompt ein Provisorium, Ablauf nach drei Monaten. Eineinhalb Euro pro Woche – das scheint kein unbilliger Preis für die Teilnahme an der großen Ziehung, die da Leben heißt. Verhältnismäßig sehr viel günstiger ist natürlich das Langzeitabo von acht Euro für den Personalausweis, und selbst über 26 Euro für das Erste-Klasse-Ticket – gemeinhin Reisepass – kann man im Grunde nicht meckern. Nur muss man dann halt nehmen, was kommt. Immerhin weiß ich in ein paar Wochen wieder auf den Tag genau, wie lange ich mein jetziges Aussehen konservieren muss. Davon hat ja auch die Gefährtin was und gut für ihre Nerven ist es allemal. Verbrachte sie doch unlängst im Nachtzug nach Wien ob meiner amtlichen Ungültigkeit einige quengelig-bange Stunden, die in der Ankündigung kulminierten: „Wenn sie uns deinetwegen nicht reinlassen, prügele ich dich windelweich!“ Nun hat noch kein Österreicher einen devisentragenden Piefke von seiner Landestür gewiesen, und so wurde ich auch ohne Ausweis nicht ausgewiesen. Aber jetzt habe ich ja wenigstens mein Provisorium, und wenn Freund Hein mit seinem großen Einzugsautomaten unvermittelt an mich herantreten sollte, kann ich entschieden darauf beharren, dass noch für ein paar Euro Dasein auf dem Konto sind. Und es schadet ja nichts, wenn der Meldeamtscomputer mich für weitere zehn Jahre zu den Seinen rechnet. Allein, mir hat die Vorstellung einer Existenz mit offenem Ende irgendwie besser gefallen.

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