Griechenlands umstrittene Sprinterin: Rotes Tuch für das IOC

Sie hat vermutlich einen Unfall fingiert, um nicht das Dopings überführt zu werden. Sie hat ihren Zenit längst überschritten. Trotzdem will Sprinterin Thanou unbedingt nach Peking.

Fühlt sich im Recht: Ekaterini Thanou mit ihrem Anwalt. Bild: ap

ATHEN taz Athen urlaubt. Von der gähnend leeren Stadt aus ist Olympia in Peking vier Jahre nach den Spielen im eigenen Land nicht nur örtlich Lichtjahre entfernt. Den landesweit 14 Sporttageszeitungen sind einzig die Testspiele der einheimischen Fußballclubs die großen Schlagzeilen wert.

Die Gründe für das in Hellas grassierende Desinteresse: Die Griechen rechnen sich kaum Medaillenchancen aus. Stattdessen hat man gehäuft Dopingfälle zu verkraften; unter anderem wurden auf einen Schlag elf Gewichtheber des Nationalteams positiv getestet. Und selbst dass der Dopingfall Ekaterini Thanou wieder aufkocht, findet nur mäßiges Interesse.

Die mittlerweile 33-jährige Sprinterin erfüllte zwar im Juli mit einer Zeit von 11,39 Sekunden über 100 Meter die Olympia-Norm, und das NOK Griechenlands nominierte sie umgehend für Olympia. Dort würde sie mit so einer Zeit auf keinen grünen Zweig kommen. Ohnehin hat Thanou ihren sportlichen Zenit längst überschritten: Ihre Bestzeit von 10,83 Sekunden datiert von der WM 1999 in Sevilla.

Doch Thanou stellt für das IOC ein rotes Tuch dar. Hat sie doch zusammen mit ihrem Sprinterkollegen Konstantinos Kenteris am Vorabend der Spiele 2004 in Athen für einen Skandal gesorgt, war zunächst nicht für eine Dopingkontrolle abkömmlich und wurde dann wegen eines angeblichen Motorradunfalls in eine Klinik eingeliefert. Während Kenteris nach dem Verbüßen einer Sperre seine Laufbahn beendet hat, trainierte Thanou, die ebenfalls seit Anfang 2007 wieder laufen darf, fleißig weiter. Jetzt will sie unbedingt in Peking dabei sein - und das IOC will das mit allen Mitteln verhindern.

Und baut darauf, dass Thanou neben dem unstreitigen Vorwurf des Meineids im Zuge des fingierten Motoradunfalls von der Athener Staatsanwältin Maria Gane auch der "Verhinderung an der Ausführung einer Dopingkontrolle" angeklagt wird. Dieser Anklagepunkt ist, wie Gane richtig erwähnt, noch bei der Einleitung des Strafverfahrens gegen Kenteris und Thanou aufgeführt, wird bei der unterdessen dreimal verschobenen Verhandlung im Rahmen des ordentlichen Prozesses am 5. Februar 2009 aber definitiv nicht verhandelt, denn er ist mittlerweile fallen gelassen worden. Auf diesen Umstand verweist Gane aber nicht. Der sichtlich aufgebrachte Thanou-Anwalt Grigorios Ioannidis drohte Gane bereits mit einer Strafanzeige. Es bleibt abzuwarten, ob die IOC-Disziplinarkommission bei ihrer Sitzung am 7. August, wenn über die Olympia-Teilnahme von Thanou entschieden werden soll, auf den kompletten Inhalt des Gane-Schreibens pocht. Denn ansonsten dürfte es für das IOC schwierig sein, einer Teilnahme der Griechin juristisch einen Riegel vorzuschieben.

Die meisten Griechen aber interessiert Thanou nicht mehr. "Das Thema hat die Spiele im eigenen Land tagelang überschattet. Dass er wieder aufgerollt wird, gefällt hier niemandem", sagt der renommierte Dopingexperte Vassilis Galoupis von der Athener Sporttageszeitung Filathlos auf taz-Nachfrage.

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