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Greenpeace-Post unzustellbar

■ Heroisch, aber vergeblich bemüht sich ein Gericht, die Brent-Spar-Besetzer vorzuladen

Shetlandinseln (taz) – In James-Bond- Manier haben in der Nacht zum Mittwoch schottische Gerichtsbeamte versucht, eine Gerichtsvorladung an Jonathan Castle zuzustellen, den Kapitän auf dem Greenpeace-Schiff „Altair“. Er befindet sich derzeit rund 100 Kilometer nördlich der Shetlandinseln, nur wenige hundert Meter vom Brent-Spar-Schleppzug. Doch die Versuche der Beamten, sowohl per Helikopter als auch mit dem Schlauchboot die Altair zu entern, scheiterten.

Jonathan Castle, unter dessen Kommando die 24tägige Besetzung der Brent- Spar-Plattform stand, ist der einzige, dessen Name den Behörden bekannt ist. Deshalb soll er heute einem Edinburgher Gericht Auskunft über die übrigen Besetzer geben. Doch bereits unmittelbar nach der Räumung der Brent Spar am 23. Mai hatte Jonathan Castle in einem taz-Interview erklärt, daß er keine Namen nennen werde. An dieser Einstellung hat sich bis heute nichts geändert. Die Gerichtsdiener wollten ihn trotzdem vorladen: „Während des gesamten Tages haben Leute versucht, der Besatzung auf der Altair etwas mitzuteilen“, erläutert Greenpeace-Sprecher Ulrich Jürgens. Begonnen hatte es mit einem Hubschrauber, aus dem heraus ein Text verlesen wurde. „Doch die Nebengeräusche an Bord der Altair waren so groß, daß es unmöglich war, etwas zu verstehen.“ Der nächste Kontaktversuch scheiterte an einer Feuerlöschübung an Bord des Greenpeace-Schiffes. „Über ein Schlauchboot versuchte jemand, Verbindung mit uns aufzunehmen. Falls dabei Schriftstücke an Bord geworfen wurden, sind sie mit Sicherheit wieder heruntergespült worden.“

Ungeachtet internationaler Proteste verfolgt Shell seine Pläne ohne Verzögerung. Jüngst drohte der Konzern gar, sollte Greenpeace seine Aktionen gegen die geplante Versenkung fortsetzen, könne der Konzern keine Garantie dafür übernehmen, daß die Plattform nicht schon vorher versehentlich im flachen Wasser sinkt. Hans-Jürgen Marter Seite 6

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