piwik no script img

Grause Gewißheit wachsen sehen

■ Neu im Kino: „Spurlos“, Georg Sluizers zweiter Anlauf zum selben reißenden Thriller

Für Jeff und Diane sollte es eigentlich eine erholsame Urlaubsreise werden. Das junge Paar ist mit dem Jeep in den Bergen unterwegs. Aber ausgerechnet in einem Tunnel geht das Benzin aus. Panik kommt auf und Streit; man stürzt auseinander und in entgegengesetzten Richtungen aus dem Tunnel hinaus.

Aber schon wenig später ist der Tank wieder voll, Diane kann zu Jeff ins Auto steigen. An der nächsten Tankstelle feiern die beiden dann ausgiebig Versöhnung. Damit die Harmonie perfekt wird, will Diane noch schnell ein paar Getränke holen. Den Zündschlüssel nimmt sie mit. Ein Alptraum beginnt.

Diane kehrt vom Kiosk nicht zurück. Sie ist verschwunden. „Spurlos“ heißt der Thriller des Niederländers George Sluizer. Derselbe Regisseur drehte diese Geschichte 1988 schon einmal. Damals spielte „Spoorloos“ in Frankreich und Holland und kam nie in unsere Kinos. Jetzt ist es ein amerikanischer Film geworden.

Der ahnungslose Jeff (Kiefer Sutherland) irrt weiter auf dem Tankstellengelände herum. Was er nicht wissen kann, hat Regisseur Sluizer ganz an den Anfang gestellt. Da unternimmt ein Mann namens Barney (Jeff Bridges) in einer einsamen Hütte Selbstversuche mit Chloroform. Akribisch mißt er die Zeiten seiner Bewußtlosigkeit, prüft und notiert seine Pulsfrequenz, während er so tut, als wolle er Personen zu einer Fahrt in seinem Auto überreden.

Schnitt. Drei Jahre später. Von Diane gibt es nach wie vor nicht die geringste Spur. Aber Jeff hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Mit Plakatkampagnen, in Radio und Fernsehen beschwört er die vermeintlichen Entführer, sich bei ihm zu melden. Er will nur eines wissen: Was ist mit Diane passiert?

Auch das amerikanische Remake ist ein sehr spannenedes Mosaik aus kleinen Hinweisen, Rückblenden und Nebenschauplätzen. Sie fügen sich im Laufe des Films zur schrecklichen Gewißheit zusammen. Barney ist ein biederer Familienvater, der einem geregelten Leben als Lehrer nachgeht. Sein selbstgefälliger Gestus wird dem rastlosen Suchen Jeffs immer wieder gegenübergestellt. Das Kinopublikum ist dem armen Mann dabei ständig einen Schritt voraus. Aber was da war, vor drei Jahren, das kommt erst zum Schluß heraus. Jeff trifft den von Bridges wunderbar schmierig gespielten Barney dann wirklich. Spannender geht's nimmer.

Leider hört die amerikanische Version nicht da auf, wo beim holländischen Original der schreckliche Schluß war. Das Zugeständnis ans US-Publikum müssen wir leider schlucken. J.F.Sebastian

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen