Google will mit YouTube endlich Geld verdienen: Bald Werbung auf YouTube

Noch verdient Google kein Geld mit YouTube. Neue Reklameformen wie der direkte Kauf von Musik aus Videos sollen das ändern. Ob das den Nutzern schmeckt, ist zweifelhaft.

Bislang hatte Google Werbespots auf YouTube mit Rücksicht auf die Nutzer abgelehnt. Bild: dpa

Eigentlich kann YouTube als enormer Erfolg gelten: Auf keinem anderen Angebot im Internet werden mehr Filme abgerufen, manche gar über 100 Millionen Mal. Immer mehr Nutzer kommen auf die Seite, um sich aktuelle Clips zu betrachten, immer mehr Nutzer stellen eigenes Material in den Dienst ein. Das Problem dabei: Noch verdient Firmenbesitzer Google mit YouTube keinen Cent.

Seitdem die Suchmaschine das Videoportal im Herbst 2006 für insgesamt 1,65 Milliarden Dollar in Aktien übernommen hat, wurden die unterschiedlichsten Werbeformen ausprobiert - die von Google bekannten zum Kontext einer Seite passenden Textanzeigen, ganz normale Banner, aber auch Reklame in Filmen selbst. Durchgesetzt hat sich noch keine. Google-Chef Eric Schmidt entgegnet Kritikern auf Aktionärsseite gerne, man verdiene an YouTube allein schon dadurch, dass das Angebot viele Nutzer auf die hochprofitable Suchmaschine des Online-Riesen weiterleite. Doch das, was auf YouTube selbst an Werbung platziert wird, deckt Experten zufolge bei weitem nicht einmal die Kosten für den Dienst.

Google scheint nun aber langsam die Geduld auszugehen. In den letzten Tagen werden aus dem Umfeld des Konzerns neuartige Werbeformen für YouTube bekannt, die weit über das hinausgehen, was bislang möglich war. Bis jetzt hatte sich Google beispielsweise gescheut, Werbespots vor oder nach einem vom Nutzer gewünschten Video zu integrieren - die so genannte "Pre Roll"- oder "Post Roll"-Reklame. Sie gilt bei den Usern als unbeliebt, weil sie ihm ähnlich wie TV-Werbung zwangsweise vorgesetzt wird - möchte er ein Video sehen, muss er es ertragen. Die erste Variante bei YouTube soll laut einem Bericht des Fachdienstes "NewTeeVee" zunächst Werbung nach einem Clip sein. Zusätzlich zu den bereits bekannten "Overlay"-Anzeigen, bei denen Textbotschaften über das Video gelegt werden und die schon jetzt eher unbeliebt sind, wird bald nach dem Ansehen des Clips ein Spot erscheinen. So könnte Google ganz normale TV-Werbung auf YouTube übernehmen, die gute Preise erzielt. Laut "Wall Street Journal" sollen auch Spots vor einem Video bald möglich sein.

Offiziell angekündigt hat Google in dieser Woche eine weniger störende Werbeform. Wie der Onlinekonzern am Dienstag mitteilte, sollen Videos von Partnerfirmen wie EMI Music oder Universal bald spezielle Links enthalten, über die man dann die in einem Clip gespielte Musik käuflich erwerben kann. Eingebunden werden zunächst der Apple-Download-Laden iTunes und das bislang nur in den USA verfügbare Angebot Amazon MP3. Die Idee dabei: Hört ein Nutzer in einem Clip einen interessanten Song, soll er diesen gleich digital kaufen. Google erhält für jede Weiterleitung zu einem Online-Shop einen Prozentanteil am Umsatz. Läuft der Dienst gut, könnte das bei größeren Nutzerzahlen schnell in die Millionen gehen, schätzen Marktbeobachter. YouTube-Manager Bakari Brock sagte gegenüber der "New York Times", man unternehme damit den ersten Schritt, aus YouTube eine "funktionierende E-Commerce-Plattform" zu machen.

Neben Musik ist auch der Verkauf anderer elektronischer Produkte geplant, beispielsweise von Computerspielen. Als erstes Beispiel nannte Brock die populäre Evolutionssimulation "Spore". Hierzu arbeitet YouTube mit dem Hersteller Electronic Arts zusammen, der einen Download-Shop betreibt. Auch der Vertrieb von Merchandising-Artikeln oder Konzernkarten gilt als denkbar. Die Funktion will YouTube auch Partnerfirmen anbieten, die solche Bezahllinks dann neben ihren Inhalten platzieren können. Google-Chef Schmidt räumte ein, YouTube sei zwar ein "riesiger Erfolg bei den Endanwendern", auf die "Monetarisierung, die dazu passt", warte man aber noch. "Das wird kommen, wir sind auf dem Weg."

Problematisch dürfte für YouTube sein, dass sich nach wie vor jedes Video auf die Plattform einstellen lässt, ohne dass dafür bezahlt werden müsste. So platzieren Werbeagenturen besonders kreative Spots gerne bei dem Dienst und lassen sie mittels viralem Marketing unter den Nutzern kreisen. Das bissige Silicon Valley-Magazin "Valleywag" stellte deshalb im vergangenen Monat die Frage in den Raum, warum Werbetreibende überhaupt für Reklame bei YouTube zahlen müssten. "Es ist viel einfacher, wenn man sein eigenes Video einstellt - und kostet nichts."

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