Götz George in "Meine fremde Tochter": Er will doch nur spielen

Im ARD-Film "Meine fremde Tochter" wirkt auch Götz George fremd: kein Genuschel, kein hektisches Gerumpel.

Götz George. Bild: dpa

Der Bart ist ab. Schließlich ist Johann Bergkamp Beamter im Ruhestand. Ein gesichtsloser Pensionär, der in einem gesichtslosen Dorf lebt, an dem das Leben längst vorübergezogen ist. Die Skatrunde mit Bauer Udo von nebenan ist Unterhaltung für die ganze Woche.

Und wirklich sieht Götz George als Bergkamp ganz anders aus, glatter. Selbst das gepresste Genuschel, sonst Georges Markenzeichen, ist gedämpft. Da kann und will einer spielen. Und dass mehr in diesem Bergkamp steckt, zeigt gleich die erste Szene, wo der einen kapitalen Schafbock mit bloßen Händen zur Strecke bringt.

Doch dann ist erst mal Hochzeit. Eine Landhochzeit mit langer Tafel, grünen Bäumen - die trotzdem wirkt, als fände sie auf einem Parkplatz statt und als müssten alle bis auf Bergkamp ganz schnell weiter. Wenn sich in der Schaufensterscheibe des längst aufgegebenen Dorfladens die merkwürdig zusammengewürfelte Gesellschaft beim Auszug aus der Kirche spiegelt, wird die Tristesse greifbar. Die wunderbare Kamera von Alexander Fischerkösen zeigt die PolizistInnenkollegen der Braut und im alten Porsche angereistes Halbweltvolk. Doch Bergkamp ist selig, schließlich heiratet seine Tochter Sophie (Nora von Waldstätten). Dass er Bräutigam Sven und den Rest der Familie nicht weiter kennenlernt, scheint da gar nicht schlimm: "Ich hab überhaupt keine Menschenkenntnis", wird Bergkamp viel später im Film sagen: "Ich habe mein ganzes Leben in der Verwaltung gearbeitet." Da ist Sophie längst tot, Sven verschwunden, und auch die Schwiegermama war nur gemietet. Bergkamp beginnt zum ersten Mal in seinem Leben an ebendiesem zu zweifeln - und es selbst in die Hand zu nehmen.

Was dabei herauskommt, ist eine behutsame Wiederentdeckung - wenn schon nicht des eigenen Selbst, so doch immerhin die zögerliche Annäherung an den vermeintlich missratenen Sohn (Alexander Scheer) und die schmerzliche Detektivgeschichte eines älteren Herrn (Buch und Regie: Manfred Stelzer). Denn die vergötterte Sophie war kein strahlender Engel, und auch im Dorf lauern Gefahren. Durch die manövriert ein frisch rasierter George seinen Bergkamp ohne jede hektische Rumpeligkeit.

In "Meine fremde Tochter" wirkt auch George ziemlich fremd. "Es ist der höchste Genuss, einen Schauspieler nicht gleich in seiner Rolle auszumachen", sagt George im Pressematerial-Interview. Dem Film tut das sehr gut.

"Meine fremde Tochter", 20.15 Uhr, ARD

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