: Gewaltwelle in Albanien
■ Gefechte zwischen Polizei und Banden in Shkoder. Nationales Sicherheitskomitee tagt
Tirana (dpa) – Nach gewaltsamen Ausschreitungen haben Polizeiverbände gestern nach offiziellen Angaben die nordalbanische Stadt Shkoder besetzt. Die Spezialverbände seien gegen bewaffnete Zivilisten vorgegangen, die in der Nacht zuvor in der zweitgrößten Stadt des Landes mehrere öffentliche Gebäude niedergebrannt hatten, berichtete ein Sprecher des Innenministeriums in Tirana. Der sozialistische Regierungschef Fatos Nano hat eine Eilsitzung des Nationalen Sicherheitskomitees einberufen. Eine Brücke an der Stadteinfahrt sei unter Kontrolle der Polizei, sagte der Sprecher weiter. Ein von den Aufständischen dort angebrachter Sprengsatz sei entschärft worden.
Private Radiosender widersprachen den offiziellen Angaben. Die Regierungsverbände hätten noch keine Kontrolle über Shkoder, einer Hochburg des ehemaligen Präsidenten Sali Berisha. Nach diesen Berichten haben Bürger Barrikaden errichtet, um ihr Eigentum zu schützen.
Meldungen über Panzerbewegungen in Richtung Shkoder wollte das Innenministerium nicht bestätigen. Wegen Inkompetenz sei jedoch der Polizeichef von Shkoder, Mithat Havari, entlassen worden. Die Unruhen hatten am Sonntag begonnen, als bewaffnete Zivilisten die Polizeistation angriffen, 35 Häftlinge befreiten und das Gebäude in Brand steckten. Die Sozialisten beschuldigten die oppositionelle Demokratische Partei, hinter den Unruhen zu stehen. Erst vor wenigen Tagen war die Polizei auf der Straße zwischen Shkoder und Tirana gegen eine bewaffnete Gruppe vorgegangen, die von Parlamentariern der Demokraten angeführt wurde.
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