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Genugtuung nach 36 JahrenLothar Kobluhn unschuldig!

Kommentar von

Stefan Osterhaus

Fast vier Jahrzehnte nach dem Bundesliga-Skandal will die "kicker"-Redaktion einen historischen Fehler korrigieren. Der offensive Mittelfeldspieler Lothar Kobluhn erhält postum die Torjäger-Kanone.

D er Schrecken verbarg sich hinterm Gartenzaun. Damals, als Horst-Gregorio Canellas anlässlich seines 50. Geburtstages eingeladen hatte und am Ende das ganze Land erschütterte, schien die Sonne, die Stimmung war heiter. Herren in Damenbegleitung waren gekommen, um mit dem Präsidenten der Offenbacher Kickers ein paar vergnügliche Stunden zu verbringen. Heute würde man BBQ dazu sagen. Canellas hatte eine Überraschung parat. Die Tonbandmaschine, ein Schrankkoffer-großes Monstrum, wurde eingeschaltet, und den Gästen offenbarte sich Unglaubliches: Der deutsche Fußball ist käuflich - an diesem sonnigen Nachmittag öffneten sich die Abgründe des Bundesliga-Betriebes. Um die Schiebereien zu beweisen, hatte Canellas Scheinverhandlungen mit korrupten Profis geführt und die Gespräche mitgeschnitten. Das diabolische Lächeln des Enthüllers ist bis heute Legende.

52 Spieler in sechs Klubs waren käuflich gewesen, sechs Spiele verschoben worden. Die meisten von ihnen fanden nach kurzer Sperre Gnade vor den Augen des DFB, darunter Klaus Fischer, einer der besten Bundesliga-Stürmer überhaupt. Wer die Verstrickungen prominenter Profis heute anschaut, der mag die Milde nicht verstehen, die den Betrügern widerfuhr - und noch weniger die Aufruhr, mit der die Berliner Affäre um die kroatische Wettbruderschaft und den Schiedsrichter Hoyzer zum größten Skandal des deutschen Fußballs hochgejazzt wurde.

Damals traf es aber auch einen, der seine Hände dem Protokoll nach in Unschuld wusch. Lothar Kobluhn, einen offensiven Mittelfeldspieler der Oberhausener. Kobluhn brachte es im Jahre 1971 auf 24 Treffer, die Oberhausen vor dem Abstieg retteten. Er wurde damit vor Gerd Müller Torschützenkönig, der Koryphäe unter den Mittelstürmern der Siebzigerjahre. Die Torjäger-Kanone, die nicht von der Liga, sondern vom Fußball-Magazin kicker verliehen wird, hatte er allerdings nie erhalten. Ein Hauch von Skandal, der den de jure schuldlosen Oberhausenern anlastete, genügte innerhalb der Redaktion, um Kobluhn die Trophäe zu verwehren. Während beinahe alle geständigen Beteiligten nach meist einjähriger Auszeit wieder in die Liga zurückfanden, büßte Kobluhn 36 Jahre lang für ein nicht begangenes Vergehen. Sein Name verschwand aus den Statistiken, einzig die kicker-Mitarbeiter bekamen Konsequenzen zu spüren. Kobluhn verweigerte ihnen rigoros jede Aussage.

Inzwischen aber reden beide Seiten wieder miteinander. Jetzt soll dem Goalgetter späte Genugtuung widerfahren. Der kicker will das damalige Versäumnis nachholen und Kobluhn die Kanone überreichen. Die Wiedergutmachung kann allerdings die Farce von damals nicht verdecken. So ist der späte Akt vor allem eines: ein Lehrstück über mangelnde Differenzierung und die Folgen, die sich aus der Mithaftung für Unbeteiligte ergaben.

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1 Kommentar

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  • JR
    Jürgen Röhling

    Ach, der ist auch schon tot? Weil ihm doch die Kanone postum verliehen werden soll. Aber am Ende lebt er dann wieder, Gott sei Dank! Totgesagte leben länger, und dem Autor schenkt die Redaktion zu Weihnachten einen Fremdwörterduden, post festum zwar, aber besser spät als nie...