Galerie Barbara Weiss: Gesellschaftliche Muster an der Wand
Ist das nicht ein Lucio Fontana, diese Leinwand mit den tiefen Schlitzen darin? Und die Art, wie sich an anderer Stelle die geometrische Farbstudie vom Rahmen zum Kern verdichtet, erinnert das nicht an Josef Albers’ „Homage to a Square“? Susanne Paesler, die 2006 mit 43 Jahren früh verstarb, wehrte sich gegen die allgemeine Vorstellung, das Kunstwerk sei ein Ort individueller Vision. Statt den sich übertrumpfenden Ausdrucksformen der zeitgenössischen Kunst eine weitere hinzuzufügen, reproduzierte sie in ihrer minimalistischen Malerei Bestehendes – und enttarnte vermeintlich geniehafte Bilderfindungen als ästhetische Struktur, vergleichbar mit dem Muster von Textilien. Wie dem Karo, das in der retrospektiven Einzelausstellung bei Barbara Weiss gerade in unterschiedlichsten Varianten auf Leinwand, Holz oder Aluminium zu sehen ist. Mit dieser ästhetischen Gleichstellung löste Paesler auch die hierarchischen Grenzen zwischen der Bildenden Kunst und dem Handwerk auf. Grenzen, die nicht zuletzt auch geschlechtliche Rollen definieren. (soj)
Bis 22. 2., Di.–Sa. 11–18Uhr, Kohlfurter Str. 41/43
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