Führungswechsel bei Bildblog: Niggemeier zieht sich zurück

Wenn irgendwo in den deutschen Medien Unsinn verzapft wird, schreibt er es auf: Stefan Niggemeier, im Bildblog und anderswo. Die Leitung des Bildblogs hat er inzwischen abgegeben.

Dank ihm wissen wir: Aus Katzen kann man kein Benzin machen. Auch wenn BILD das schreibt. Bild: dpa

Mit 40 Jahren ist man ja eigentlich noch viel zu jung für einen Herausgeberposten. Aber wer früh anfängt, kann es sich leisten, auch früh wieder aufzuhören. Und Stefan Niggemeier hat als Medienjournalist trotz seines vergleichsweise jugendlichen Alters schon eine ganze Menge erreicht, hat für Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung geschrieben, die Medienseite der FAS betreut und quasi nebenbei eine Reihe von Blogs gegründet: Beim prominentesten davon, dem "Bildblog", hat er sich zu Jahresbeginn zurückgezogen und die Redaktionsleitung an den 26-jährigen Lukas Heinser abgegeben, der schon seit zweieinhalb Jahren an Bildblog mitarbeitet.

Dass Niggemeier sich nun "Herausgeber" nennt, soll nicht mehr signalisieren als einen geordneten Übergang. "Ich werde Bildblog weiterhin verbunden bleiben, gelegentlich auch als Autor", sagte Niggemeier der taz. Hinter seinem Rückzug stecke "keine große Geschichte, kein Frust über irgendwas: Es war nur einfach an der Zeit."

2004 begannen Niggemeier und Christoph Schultheis mit ihrem Watchblog, in dem sie zunächst nur "Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung" (Untertitel) sammelten und kommentierten, im April 2009 hat Niggemeier, nun ohne Schultheis, der zum Relaunch seinen Ausstieg erklärte, den Gegenstand der Betrachtungen erweitert. "Mit ,Bildblog für alle' wollen wir die Fehler aller Medien dokumentieren, die es verdient haben - natürlich auch weiterhin die von Bild", sagte Niggemeier damals.

Mit der Übergabe an Heinser wird sich das Konzept wohl erneut ändern - so genau weiß das selbst Niggemeier noch nicht. Sein Nachfolger sei gerade im Umzugsstress, deswegen habe bisher die Zeit gefehlt, schon genauer zu erarbeiten, was sich an Bildblog ändern sollte und was nicht. Veränderungen seien aber ganz in seinem Sinne, so Niggemeier: "Ich glaube, dass es Bildblog gut tut, sich immer wieder zu ändern - das war auch schon in den vergangenen Jahren so. Und in der Grundidee steckt noch viel Potenzial."

Nicht zuletzt auch Niggemeier selbst möchte sich durch seinen Ausstieg in eine andere Richtung entwickeln. "So sehr ich an Bildblog hänge - nach fünfeinhalb Jahren ist vieles natürlich auch Routine geworden. Ich hatte aber ohnehin nie geplant, mich für den Rest meines Lebens ausschließlich an journalistischen Defiziten abzuarbeiten." Seine Vorstellungen von der eigenen beruflichen Zukunft sind bislang ähnlich konkret wie die seines Nachfolgers für Bildblog. Fest steht nur: Stefan Niggemeier will sich verändern - und das ist mit ziemlicher Sicherheit eine gute Nachricht.

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