Freiraumforschung: Platzgestaltung als Gegenstand der Wissenschaft

Im Auftrag des Bundesbauministeriums untersuchen Berliner Landschaftsarchitekten seit zwei Jahren Freiräume und ihre Entwicklung. Jetzt haben sie ihre ersten Ergebnisse präsentiert. Spannend wird es auf dem Flugfeld Tempelhof.

Platzgestaltung als Gegenstand der Forschung

Im Auftrag des Bundesbauministeriums untersuchen Berliner Landschaftsarchitekten seit zwei Jahren Freiräume und ihre Entwicklung. Jetzt haben sie ihre ersten Ergebnisse präsentiert. Spannend wird es auf dem Flugfeld Tempelhof

Es geht um Orte des Alltags und der Begegnung: Freiflächen, die in Großstädten längst keine Selbstverständlichkeit mehr sind. Um so wichtiger ist es, die Bedürfnisse der Bevölkerung bei der Planung zu berücksichtigen. Vielversprechende Ansätze fördert das Bauministerium derzeit in einem Forschungsprojekt - darunter zwei Projekte in Berlin.

Mit dem Wriezener Freiraumlabor entwickelt sich nach und nach eine neue Form von Park. Internetzugang auf der Sitzbank, ein halbwilder Gemüsegarten, ein grünes Klassenzimmer - die Fläche zwischen Ostbahnhof und Warschauer Brücke wird von seinen Nutzern geprägt sein.

Als vor drei Jahren feststand, dass auf dem ehemaligen Friedrichshainer Bahngelände drei Hektar für Grünflächen vorgesehen sind, mischten sich die Anwohner sofort ein. In einer Planungswerkstatt wurden Ideen und Gestaltungsansätze für die öffentlichen Grün- und Freiflächen entworfen.

Derzeit arbeiten die Akteure an der Umsetzung. Trotz Fördermittel vom Bund sind die Gelder knapp bemessen. Das benachbarte Dathe-Gymnasium nutzt die Grünfläche bereits für praktischen Unterricht, die Schüler bestimmen dort Pflanzen und beobachten Tiere.

"Durch die Partizipation gewinnt der öffentliche Raum seine eigentliche Funktion zurück: ein Ort für gesellschaftlichen Diskurs und politische Auseinandersetzung zu sein", erklärt das Bauministerium. Für die Gestaltung gibt es gut 750.000 Euro Fördermittel von Bund und Bezirk.

Das zweite Modellvorhaben liegt im Wedding, wo der Nauener Platz vom unattraktiven Bolzplatz zu einer begrünten Fläche für alle Bewohner des Kiezes umgebaut werden soll.

Wie es aussehen könnte, lässt der PallasPark im Schöneberger Norden erahnen. Ebenso wie der Nauener Platz liegt er in einem sozial schwierigen Gebiet - der Anteil an Migranten ist hoch, auch der an sozial schwachen Bevölkerungsgruppen, die Verkehrsbelastung ist enorm.

Der Park ist bereits umgestaltet, mithilfe des Bezirksmanagements im Quartier. Aus dem Angstraum ist eine mit Steinen und Bäumen aufgelockerte Fläche geworden, Skateboardbahn und Spielstätten eingeschlossen. Dank der Beleuchtung nachts ist der Ort sicher geworden. Inzwischen hätten Anwohner wieder Umgestaltungswünsche, sagt Quartiersmanagerin Gisela Gut. Dafür aber fehle dem Bezirk das Geld - außerdem sei in Gebieten mit einer vielfältigen Bevölkerungsstruktur immer nur ein Kompromiss möglich. Auch seien die Anwohner schwierig zur Mitarbeit zu bewegen, zieht sie ernüchtert Bilanz.

Klar ist auch, dass ein großer Teil des Flughafen Tempelhofs nach seiner Schließung Freifläche werden soll - inwieweit Bürger bei der Gestaltung beteiligt werden sollen, ist aber noch offen. Klaus Overmeyer vom Netzwerk "urban catalyst" spricht sich für "Pionierfelder" aus, kleinere Flächen, auf denen unterschiedliche Gruppen ihre Ideen umsetzen können. Dafür brauche es natürlich klare Regeln, sagt der Landschaftsarchitekt: "Wo sind Zugänge, wo sollen welche Nutzungen sein?" Berlin habe die Chance, das Potenzial seines kreativen Milieus voll auszuschöpfen - und die solle die Stadt nutzen. KRISTINA PEZZEI

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