Französische Zeitung „Le Monde“

Nougayrède auf der Abschussliste

Bei der französischen Tageszeitung „Le Monde“ geht es drunter und drüber. Der Führungsstil der Chefin ärgert große Teile der Redaktion.

Im freien Fall? „Le Monde“ hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Bild: reuters

PARIS taz | Per E-Mail haben am Dienstag sieben der elf Chefredakteure und -redakteurinnen aus Protest gegen die Direktion ihren Posten zur Verfügung gestellt. Diese Rücktrittserklärung sorgte in der Pariser Medienwelt für Aufruhr – und das war wohl auch die Absicht.

Sie wollen sich damit bei der Redaktionsleiterin Nathalie Nougayrède Gehör verschaffen. „Seit Monaten haben wir Warnsignale gesandt, um auf die Mängel im Funktionieren und die fehlende Kommunikation zwischen der Direktion und der Redaktion aufmerksam zu machen …“, heißt es.

Im März 2013 erst war die ehemalige Moskau-Korrespondentin Nougayrède als erste Frau mit fast 80 Prozent der Stimmen und von den rund 400 JournalistInnen an die Spitze der renommierten Zeitung gewählt worden. Schon wenige Monate später begann es in der Redaktion zu rumoren wegen des allzu eigenmächtigen Stils der neuen Leiterin und ihrer beiden Vizedirektoren. Im letzten Herbst berichtete bereits L’Express von einem gestörten Vertrauensverhältnis.

Es geht um Form und Inhalt der Strategiedebatte und um eine neue Verteilung zwischen der gedruckten und der digitalen Zeitung. Rund fünfzig Redaktionsmitglieder sollen von der Print- zur Internetausgabe. Und dann kam die Ankündigung, dass die neue Print-Version von Le Monde statt Anfang Juni erst im September erscheint.

Nougayrède beschwerte sich ihrerseits über die mangelnde Loyalität der „Putschisten“, denen sie „persönliche Ambitionen“ unterstellt. Eine Versammlung der Redaktionsmitglieder wurde für Mittwochnachmittag einberufen. Für die gewerkschaftlichen Personalvertreter steht Nougayrède auf der Abschussliste: „Ich denke nicht, dass sie noch lange bleiben kann“, sagt die Journalistin Sylvia Zappi als Delegierte der CFDT.

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