FDP zur CDU: "Eine Frage des Anstands"

Wegen Jamaika soll sich Friedbert Pflüger in der CDU durchsetzen - das hofft FDP-Fraktionschef Martin Lindner.

taz: Herr Lindner, Sie können sich vorstellen, wie Pflüger zumute ist. Beim FDP-Parteitag im April sind Sie auch abgewatscht worden, als Sie für den Landesvorsitz kandidiert haben.

Martin Lindner: Mit 20 Stimmen Unterschied zu unterliegen, ist nicht Abgewatschtwerden. Im Übrigen hatten wir in der FDP keine Differenzen über die Richtung der Partei. Bei uns ging es um die Frage, wer es besser kann. Das ist ein gravierender Unterschied zur CDU.

Mitleid mit Pflüger?

Ich glaube nicht, dass Pflüger Mitleid möchte. Aus Sicht der FDP würde ich mir aber wünschen, dass sich Pflüger in der CDU mit seinem Kurs durchsetzt, mit den Grünen und der FDP eine Machtperspektive aufzubauen.

Glauben Sie, er hält durch?

Das ist für mich auch eine Frage des Anstands. Die CDU muss sich gut überlegen, wie sie mit einer Persönlichkeit umgeht, die bereit war, bei der Landtagswahl 2006 in einer sehr schwierigen Situation für die CDU anzutreten. Die CDU war doch bei der Kandidatensuche kurz davor, sich zum Gespött der Republik zu machen.

Wäre die CDU für die FDP noch eine ernstzunehmende Kraft, wenn Pflüger in die Wüste geschickt wird?

Die CDU ist für uns immer eine ernstzunehmende Kraft. Aber gerade weil die FDP ein Freund von Koalitionen mit der CDU ist, muss die CDU sehen, dass sie sich in einen vernünftigen Zustand transportiert. Es ist ja bekannt, dass es zurzeit nur eine Perspektive gibt, an die Regierung zu kommen. Die heißt Jamaika. Und für Jamaika steht Pflüger.

Jamaika ohne Pflüger ist gestorben?

Gestorben ist erst mal nichts. Aber es wird sehr sehr schwer, eine glaubwürdige Ménage-à-trois darzustellen. Vor allem mit den Grünen, die ja schon unter Pflüger rumzickten, obwohl der sehr auf sie zugegangen ist.

Wie fänden Sie Frank Henkel als CDU-Fraktionschef?

Henkel ist ein seriöser Mann. Aber seine pointiert konservativen Vorstellungen in der Innen-und Rechtspolitik sind mit denen der FDP schwer in Einklang zu bringen.

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