Ex-Terrorist sagt Peymann ab: Klar fürchtet zu viel Theater

Der nach verbüßter Strafe aus der Haft entlassene Ex-RAFler Christian Klar wird nicht Praktikant am Berliner Ensemble. Er wolle eine "anhaltende Belagerung durch Paparazzi" vermeiden, so das Theater.

Christian Klar will nicht Praktikant beim Berliner Ensemble werden: Er fürchtet eine Belagerung durch die Medien, wodurch das "angestrebte Leben in Normalität" nicht möglich wäre. Bild: Kai Hendry/CreativeCommons BY 2.0 US

Der ehemalige RAF-Terrorist Christian Klar wird kein Praktikum am Berliner Ensemble (BE) machen. Das teilte das Theater am Freitag mit. In einer Stellungnahme des BE heißt es: Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen befürchte Klar, "dass durch die sensationslüsterne Berichterstattung in einem Teil der Medien und die anhaltende Belagerung des BE durch Paparazzi das Theater, dessen Direktor Claus Peymann und er selbst Schaden nehmen könnten". Das "angestrebte Leben in Normalität" erscheine "unter diesen Umständen nicht möglich".

Tatsächlich wird Klar, der am 19. Dezember nach 26-jähriger Haft aus einem baden-württembergischen Gefängnis entlassen wurde und seither in Berlin lebt, von Journalisten verfolgt. "Klar da!", titelte am Freitag etwa die B.Z. und bebilderte ihren Text mit mehreren Fotos, die Klar auf dem Rückweg von einem Besuch des Berliner Ensembles zeigen. "Er steigt in ein Taxi, verschwindet in der Dunkelheit der Nacht", informiert der Text seine Leser über den entlassenen Häftling.

Nicht nur vom Springer-Verlag wird Klar vorgeworfen, seine Taten nicht ausreichend bereut zu haben. Auch der Berliner CDU-Chef Frank Henkel sprach sich mit dieser Begründung gegen eine Tätigkeit Klars am BE aus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) riet ebenfalls von dem Praktikum ab.

Der heute 56-jährige Klar war 1985 wegen "mehrfachen gemeinschaftlichen Mordes" zu mehrfacher lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem die Beteiligung an den Ermordungen des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, des Vorstandssprechers der Deutschen Bank Jürgen Ponto sowie des Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Nachdem Bundespräsident Horst Köhler eine vorzeitige Begnadigung Klars 2007 abgelehnt hatte, entschied das Oberlandesgericht Stuttgart im November 2008, dass Klar nach Verbüßung einer Mindesthaftzeit von 26 Jahren auf Bewährung zu entlassen sei.

Erste Gespräche über ein mögliches unbezahltes Praktikum des ehemaligen RAF-Mitglieds bei dem Berliner Theater gab es bereits 2004. Das berichtete Dirk Meinelt, Betriebsratsvorsitzender des BE, im vergangenen Dezember in einem Interview mit der Zitty. Es gehe dabei nicht darum, Klar eine "politische Plattform" zu geben: "Er soll die Fresse halten, haben wir ihm damals gesagt", so Meinelt.

Trotzdem hat das Angebot des Theaters schon zu persönlichen Drohungen gegen den Intendanten Claus Peymann geführt. Die Polizei bestätigte gegenüber der taz den Eingang einer entsprechenden Anzeige bereits Ende vergangenen Jahres. Das Theater wollte sich zu der Angelegenheit am Freitag nicht weiter äußern.

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