: Eins rauf mit Sidka
■ Nach 2:1-Sieg in Wuppertal kicken Oldenburgs Fußballer demnächst in der II. Bundesliga
Konkurrenz für müde Werderaner: Die Kicker des VfB Oldenburg, bisher meist in den Niederungen des regionalen Amateurfußballs zugange, betreten nach einem 2:1 Sieg in Wuppertal die Bühne des großen Sports. Nachdem in der Aufstiegsrunde von den Füchsen aus Reinickendorf bis zu den Arminen aus Bielfeld alles in Grund und Boden gekickt wurde und am Sonntag auch noch der SV in Wuppertal mit 2:1 abgefertigt wurde, mischen die Oldenburger Fußballer ab Sommer in der zweiten Bundesliga mit. Bis dahin wird vermutlich auch Mittelfeldmann da Palma wieder dabei sein, der in Wuppertal rot und das Siegtor des zweifachen Torschützen Linke in der 84. Minute nur noch von der Bank sah.
Verantwortlich für den Erfolg der Hunte-Kicker ist vor allem ihr Coach: Wolfgang Sidka, ehedem Profi in Berlin, München und bei Werder, spielte bereits länger im Oldenburger Trikot, als er vor
Jahresfrist zusätzlich noch die Aufgaben des Trainers übernahm. Unter Sidkas fachkundiger Regie wurde aus dem bis dato pomadigen Oberliga-Team eine spielstarke Balltreter -Formation, die sich zielstrebig an die Tabellenspitze schoß und dribbelte: Bei ihren Bemühungen konnte sich die Elf auf ihr lautstarkes Publikum verlassen, das es Sidka - gerade wegen seiner großen Disziplin auf den Rängen - besonders angetan hatte: „Hier ist noch nie etwas passiert!“
Dafür ging es innerhalb des Vereins in den letzten Jahren drunter und drüber: Präsidenten traten zurück, Trainer flogen, Spieler kamen und gingen - doch mit dem Aufstieg in die zweite Liga wollte es einfach nichts werden. Unterdessen wurde das Loch in der seit jeher dürftig gefüllten Vereinskasse immer bedrohlicher, bis der VfB schließlich in höchster Bedrängnis sein Stadion am Donnerschwee an einen Bremer Käufer veräußerte.
Die nostalgische Arena, ein reines Fußballstadion ohne stimmungstötende Aschenbahn zwischen Tribüne und Spielfeld, soll in der übernächsten Saison abgerissen werden, weil der Käufer dort ordinäre Supermärkte er
richten will. Somit hat sich der Verein durch den Deal zwar seiner Finanzsorgen entledigt, gleichzeitig aber seine atmosphärische sportliche Heimstätte aufs Spiel gesetzt. „Für den Verein ist es unheimlich wichtig, daß das Stadion erhalten bleibt“, fordert Wolfgang Sidka und appelliert an Oldenburgs Stadtobere, dem oft stiefmütterlich behandelten Vorzeige-Club finanziell zu helfen, damit der Verkauf rückgängig gemacht werden kann. „Wenn die hier nicht immer Provinz bleiben wollen, müssen sie auch mal inve
stieren“, rät der weltmännische Coach, „denn gerade durch den Fußball kann sich auch eine kleinere Stadt ein gutes Image verschaffen.“
Wolfgang Sidka selbst indes wird seiner Mannschaft in der zweiten Liga nicht mehr zur Verfügung stehen. Der Mann, der seine Fußball-Philosophie gern in stereotype Statements kleidet und sich damit als gelehriger Rehhagel-Schüler zu erkennen gibt, tritt im Juli seine neue Stelle als Assistenztrainer beim Bundesligaclub in Uerdingen an. Eine Entscheidung, die dem erfolgreichen Spielertrainer zwar mitunter Bauchweh bereitet - „mir sind die Jungs schließlich ans Herz gewachsen“ - die er aber nicht revidieren will, obwohl Lokalpresse und Fans nicht müde werden, ihn als „Fußball-Guru“ zu preisen.
Aber auch ohne Sidka will der Verein die etablierten Zweitligisten kühl herausfordern. Wenn der Ball gut rollt, kommen auch die Zuschauer, und dann, so sinnieren sie beim VfB, könne man eine Rolle spielen wie St. Pauli in der ersten Liga: Das „Freudenhaus der 2. Liga“ soll künftig in Oldenburg stehen.
Holger Gertz
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen