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Eine ethnische „Revolution“ in Burundi

■ Freie Wahlen besiegeln das Ende der Herrschaft der Tutsi-Militärelite

Berlin (taz) — Im ostafrikanischen Burundi haben gestern Parlamentswahlen stattgefunden, die im Maßstab des Landes eine Revolution darstellen. Wenn, wie erwartet, die bisherige Oppositionspartei „Demokratische Front Burundis“ (Frodebu) siegt, endet damit die Herrschaft des aristokratischen Minderheitenvolkes der Tutsis.

Der Konflikt zwischen den Tutsis und dem Mehrheitsvolk der Hutus in Ruanda und Burundi ist sehr alt. Die traditionellen Tutsi- Feudalkönigreiche der Region wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch die belgischen Kolonisatoren als Ordnungsmächte anerkannt und damit stabilisiert. Als 1959 die Unabhängigkeit der beiden Staaten eingeleitet wurde, vertrieben die Hutus von Ruanda ihre Tutsi-Elite, die nach Uganda flüchtete; in Burundi herrschten die Tutsis weiter, was zwischen beiden Staaten einen Dauerkonflikt schuf. Wiederholte Hutu-Aufstände in Burundi in den Jahren 1965, 1969, 1972 und 1988 wurden blutig niedergeschlagen. Nach dem Aufstand von 1988, der 5.000 zivile Todesopfer forderte, unternahm das Militärregime von General Buyoya einen politischen Öffnungsprozeß: Ein Hutu wurde Premierminister, die verbotenen Hutu-Organisationen wurden legalisiert.

Bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen am 1. Juni dieses Jahres wurde Buyoya geschlagen; Frodebu-Führer Melchior Ndadaye, ein Hutu, gewann. Das weckte Befürchtungen, Burundi könnte wie sein Nachbar Ruanda — wo eine Tutsi-Guerillafront gegen die Regierung kämpft — in den Bürgerkrieg schlittern. Ndadaye hat versucht, Ängste zu entschärfen: Er versprach die Ernennung eines Tutsi-Premierministers und verkündete eine Amnestie.

Zu den jetzigen Parlamentswahlen haben Frodebu-Führer denn auch vor einem allzu hohen Wahlsieg gewarnt. Die Beteiligung lag gestern bedeutend niedriger als am 1. Juni, als 98 Prozent der Wähler zu den Urnen stürmten.

Der Machtwechsel in Burundi bedeutet nicht automatisch eine Normalisierung der gespannten Beziehungen zu Ruanda. Denn Ndadaye ist in der Region der erste demokratisch gewählte Präsident: In Ruanda, Uganda, Tansania, Zaire und Malawi stehen freie Wahlen noch aus. D. J.

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