Ehemaliger Flughafen: Berliner landen in Tempelhof

Ab Mai kommenden Jahres ist das einstige Flugfeld tagsüber offen für alle. Schon zuvor ist eine eingeschränkte Nutzung möglich. Proteste gegen Wachdienste, den Erhalt des Zauns und die Bebauung.

Am 20. Juni ließ der Senat die Tempelhofer Wiese noch mit Wasserwerfern vor der Bevölkerung schützen - bald soll alles offen sein. Bild: th-dolby/CreativeCommons BY 2.0 US

Zu alliierten Zeiten brutzelten in der "Picknick-Area" auf dem Tempelhofer Flugfeld Spareribs, Steaks und Hamburger. Am Montag wurde quasi noch einmal gegrillt, und wie geröstet dürfte sich dabei Ingeborg Junge-Reyer (SPD), Berlins Stadtentwicklungssenatorin, vorgekommen sein. Denn was als Pressetermin zur "Öffnung des Tempelhofer Feldes" auf dem einstigen Picknick-Areal am Columbiadamm ablaufen sollte, endete mit einem Abbruch der Veranstaltung. Mitglieder der Initiativen "Squat Tempelhof" und "Tempelhof für alle" verhinderten die Pressekonferenz und attackierten lautstark Junge-Reyer.

Die Senatorin und die beiden Geschäftsführer der Adlershof Projekt GmbH, die den 2008 geschlossenen Flughafen in Zukunft entwickeln sollen, wurden mehrfach von - mal humorvollen, mal wütenden - Protesten der Initiativen unterbrochen. Junge-Reyer musste sich aber auch Beschimpfungen anhören und wurde ausgelacht. Transparente flatterten über dem Kopf der Senatorin, die bleich und angestrengt wirkte.

Die Demonstranten kritisierten, Junge-Reyer setze sich, ähnlich wie bei "Mediaspree", über bezirkliche und Anwohnerinteressen bei der Planung hinweg. Außerdem protestierten sie gegen die Bewachung und geplante Bebauung von Teilen des ehemaligen Flugfelds. "Tempelhof aufmachen, für alle, sofort!", riefen die rund ein Dutzend Demonstranten.

In der Tat will die Stadtentwicklungsverwaltung dem nur bedingt folgen: Nach Auskunft von Junge-Reyer öffnet der Senat "im Mai 2010 das gesamte Flugfeld". Der 230 Hektar große Park soll dann öffentlich und für jedermann - aber nur an fünf Eingängen - zugänglich sein. Zugleich, so Junge-Reyer, "bleibt der Zaun um das Gelände bestehen". Einschränkungen gebe es auch bei den Öffnungszeiten: "Von Sonnenaufgang bis -untergang dürfen Besucher aufs Gelände, Grillen ist allein an wenigen ausgewiesenen Plätzen erlaubt, und über die Parkordnung gebietet ein Wachschutz", sagte sie. Einlasskontrollen soll es aber ebenso wenig geben wie Eintrittsgeld. Junge-Reyer begründete diese Einschränkungen merkwürdig: Es gebe in Berlin "ein Bedürfnis nach einem friedlichen Park".

Zuvor ist in zwei weiteren Stufen schon die "schrittweise Öffnung" vorgesehen. An den beiden ersten Oktoberwochenenden könnten auf dem Gelände unentgeltliche Führungen zu Fuß, auf dem Rad und im Bus stattfinden. Danach sei geplant, die Sportflächen entlang dem Columbiadamm für Vereine und Sportler zu nutzen. Bis 2010 bleibe der Rest geschlossen, weil "Gefahrenstellen" wie baufällige Treppen gesichert werden müssten, so die Senatorin. Dafür seien bis zu 800.000 Euro vorgesehen.

Langfristig plant der Senat die Umgestaltung des Grüns zu einem 60 Millionen Euro teuren Landschaftspark. Auch im kommenden Jahr werde die Adlershof GmbH Flächen für Wohnungsbau am Columbiadamm und für Gewerbe entlang der Autobahn vorbereiten, sagte Adlershof-Geschäftsführer Hardy Schmitz. Zudem sollen praktische Ideen für den zukünftigen Nutzen des Flughafenbaus entwickelt werden. Dies sei jetzt möglich, denn nach der Übernahme der Bundesanteile für 35 Millionen Euro ist Berlin von diesem Dienstag an Alleineigentümer des früheren Flughafens.

Gegen diese Baupläne richten sich die Proteste von Bürgerinitiativen in Tempelhof und Neukölln. Mitglieder der BI forderten am Montag die Senatorin auf, die Bebauungspläne fallen zu lassen und das Flugfeld allein für den Landschaftspark zu reservieren.

SENATORIN INGEBORG JUNGE-REYER

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Berliner Spitzen

taz Talks zur Berlinwahl

Was sind das für Menschen, die Berlin zukünftig regieren wollen und warum sollten gerade sie Regierende:r Bürgermeister:in Berlins werden? Wir haben nachgefragt, alle vier Talks finden Sie jetzt auf: taz.de/berlinerspitzen

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben