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EditorialKontext 2.0

Nach fünf Jahren, hieß es mal, sei Kontext aus den Kinderschuhen rausgewachsen. Jetzt, mit zwölf, ist unsere kleine Zeitung von daheim ausgezogen, wohnt immer noch in Stuttgart, aber nicht mehr in der Hauptstätter Straße 57, sondern in der Hermannstraße 5: ganz oben unterm Dach, mit – hurra! – viel mehr Platz. Vorbei die Zeit des Schreibtischhoppings unserer Volontärin, das freut uns sehr. All den tollen bis wunderlichen Dingen, die wir in den Untiefen unserer Schubladen fanden, haben wir in dieser Ausgabe sogar eine ganze Seite gewidmet.

Feierlich sei es also hier eingeläutet – dingding: das erste Editorial, das in den neuen Räumlichkeiten der Kontext-Redaktion geschrieben wurde. Merken Sie schon, wie sich die Sonne, die durch die Fenster scheint, in den warmen Worten hier niederschlägt? Der ganze Platz in den neuen, weiten Büros, der die Luft so schön ums Hirn zirkulieren lässt? Die vielen … NHÜARGHH!! – 'tschuldigung, erschrocken, Telefon hat geklingelt und es ist so ungewohnt leise hier, in Abwesenheit einer sechsspurigen Durchgangsstraße vor der Haustür. Der Kollege im Nachbarzimmer will beim Lüften sogar ein Vögelchen zwitschern gehört haben. Toll.

Und trotzdem: Das eine Auge weint bittere Tränen. Ist Kontext doch in den alten Räumlichkeiten geboren worden, mit einem Jahr beinahe im Kindbett gestorben, dann aber doch gewachsen und gediehen, inmitten der dürrer werdenden Presselandschaft Baden-Württembergs. Und nicht nur weil wir umgezogen sind, bricht ein neues Kapitel für uns an: Nach sechs Jahren an der Spitze gibt Susanne Stiefel die Leitung der Redaktion an Anna Hunger ab.

Parallel dazu wird in Stuttgart ein Druckzentrum dichtgemacht, das vor 20 Jahren als Wunderwerk gefeiert wurde. Zu teuer, zu ineffizient, sagt das Stuttgarter Pressehaus. Nur einer wollte am „Leichenschmaus“ nicht teilnehmen: der Drucker Samir Alicic, Betriebsratsvorsitzender und meistgehasster Mann der Chefetage. Möglicherweise täte es der ja gut, sich mal mit Kultusministerin Theresa Schopper zu treffen. Die, so sagen es Weggefährten, habe immer gute Laune. Trotz Debakeln in der Bildungspolitik Baden-Württembergs.

Apropos gute Laune: Die Stuttgarter Hautevolee eierte, äh, feierte jüngst auf Schloss Solitude einen Maskenball. In Abendgarderobe. Mit venezianischen Masken. Unterm Kronleuchter. Ernsthaft. „Schwäbische Eyes Wide Shut“, dachte unsere Kolumnistin. Und dann: „O Gott, Kopfkino“.

Und noch was Positives zum Schluss: In der vergangenen Woche berichtete Kontext-Autor Jürgen Lessat über bürokratische und juristische Hindernisse, mit denen sich Balkonkraftwerker hierzulande beim Aufstellen einer Mini-PV-Anlage rumschlagen müssen. Nun ist die Petition „Vereinfachungen für Balkonkraftwerke“ vom Petitionsausschuss des Bundestags bis 27. April 2023 zur Mitzeichnung freigeschaltet. Also: unterschreiben und weitersagen!

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