EM-Vorspiel Deutschland gegen Weißrussland: Der Abend der vielen Fehler

Das deutsche Team präsentierte sich gegen Weißrussland vor allem müde. Auch von den Wackelkandidaten im Kader konnte keiner wirklich überzeugen.

Präsentierte sich dribbelstark und etwas zu ballverliebt: Debütant Marko Maurin. Bild: ap

KAISERSLAUTERN dpa Die Nationalmannschaft ist zwölf Tage vor dem ersten Turnierspiel noch weit von der Europameisterschafts-Form entfernt. Beim 2:2 (2:0) gegen Weißrussland wurden Bundestrainer Joachim Löw die Defizite noch einmal deutlich aufgezeigt. Das DFB-Team ging beim ersten Remis im Jahr 2008 durch einen vermeintlichen Abseitstreffer von Miroslav Klose in der zehnten Minute und einem sehr ungeschickten Eigentor von Wladimir Korytko zehn Minuten später in Führung.

In der zweiten Hälfte, nachdem Löw seine gesamte Offensive durchgewechselt hatte und die Abwehr langsam müde wurde, traf Vitali Bulyga für die Weißrussen. Damit wurde Jens Lehmann nach 681 Länderspiel-Minuten ohne Gegentor erstmals wieder bezwungen - wenn er auch am Tor schuldlos war. In der 88. Minute erzielte Bulyga sogar noch den Ausgleich, diesmal sah Lehmann schlechter aus.

"In zwölf Tagen werden alle Spieler in einer besseren Form sein", versprach der noch von Zahnschmerzen gepeinigte Löw hinterher. "Dass wir in den letzten 30 Minuten noch ein 2:0 verspielt haben, das ist enttäuschend." Man habe gemerkt, dass die Spieler nach den harten Trainingseinheiten noch müde waren. "Wir haben schon lange nicht mehr so gelitten", sagte auch Abwehrchef Christoph Metzelder. "Das war eine gute Testeinheit. Da muss man sich auch mal durchbeißen."

Ergebnis: 2:2 (2:0)

Deutschland: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Hitzlsperger - Odonkor (79. Fritz), Frings (67. Trochowski), Ballack (46. Jones), Schweinsteiger (46. Marin) - Klose (54. Helmes), Podolski (54. Neuville)

Weißrussland: Chomutowski - Korytko, Filipenko, Lenzewitsch, Omeljantschuk - Alexander Hleb, Kultschi, Putsilo (73. Pawlow), Romaschtschenko (46. Sitko) - Wjatscheslaw Hleb (55. Rodionow), Bulyga (90. Kornilenko)

Schiedsrichter: Ceferin (Slowenien)

Zuschauer: 47.258 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Klose (10.), 2:0 Korytko (20./Eigentor), 2:1 Bulyga (61.), 2:2 Bulyga (88.)

Gelbe Karten: - / Putsilo, Lenzewitsch

Beste Spieler: Mertesacker, Podolski / Lenzewitsch, Putsilo

Im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion zeigten sich einen Tag vor Löws endgültiger EM-Auslese alle Wackelkandidaten noch einmal engagiert - wenn auch keiner richtig glänzen konnte. Die Entscheidung, wer das Ticket für die Endrunde in der Schweiz und Österreich bekommt, wird der Bundestrainer am Mittwochmittag auf Mallorca bekannt geben. "Wir haben das Spiel noch abgewartet und tragen noch einmal alles zusammen", sagte der Coach. "Wir haben 26 sehr gute Fußballer. An der Qualität der drei Spieler, die gehen müssen, liegt es nicht."

Wie erwartet lief noch nicht alles rund im deutschen Team. Insgesamt fehlte die mannschaftliche Geschlossenheit nach der bisherigen Vorbereitungszeit auf Mallorca. Spielzüge waren nur selten zu sehen. Der Bundestrainer nutzte das vorletzte Testspiel zum Experimentieren. Seine Anfangsformation bestand aus neun Spielern, die bei der WM 2006 zum Stamm zählten. Ergänzt wurde die Elf von Thomas Hitzlsperger und David Odonkor. In der zweiten Hälfte wechselte Löw dann die gesamte Offensive durch.

Die Abwehr stand gegen die vom ehemaligen DDR-Auswahltrainer Bernd Stange betreuten Weißrussen nicht immer sattelfest. Metzelder wirkte nach langer Verletzungspause noch nicht frisch. Lahm brachte mit unüberlegten Pässen mehrmals seine Abwehrkollegen in Schwierigkeiten - und spielte deutlich unter seinen Möglichkeiten. Hitzlsperger musste auf die für ihn ungewohnt linke Abwehrseite, weil der Schalker Heiko Westermann kurzfristig zu seiner schwangeren Frau abgereist war. Und als Linksverteidiger sah Hitzlsperger nicht all zu gut aus.

Auch Torhüter Lehmann flatterte einige Male besorgniserregend - und überzeugte zwischendrin wieder mit Superparaden. "Er braucht die Spielpraxis", sagte Löw, der bereits ankündigte, auch bei der EM-Generalprobe am Samstag gegen Serbien in Gelsenkichen auf Lehmann zu setzen.

Trotz des schnellen Tores stand der Ex-Lauterer Klose in seiner alten Heimat ein wenig im Schatten seines das Spiel belebenden Bayern-Kollegen Lukas Podolski. Eine Schrecksekunde erlebte Löw in der 15. Minute, als der Weißrusse Anton Putsilo den Münchner Bastian Schweinsteiger brutal foulte. Nach kurzer Behandlung konnte Schweinsteiger weiterspielen, hielt sich aber zurück.

Der von Anfang an spielende Spanien-Legionär Odonkor stand ebenso unter Beobachtung wie die zur zweiten Halbzeit eingewechselten Jermaine Jones und Marko Marin, der als 17. Debütant in der Löw-Ära auflief. Später wurden Oliver Neuville, Patrick Helmes und Piotr Trochowski noch eingewechselt.

Odonkor zeigte auf der rechten Mittelfeldseite, was man seit der WM von ihm kennt: schnelle Vorstöße und scharfe Flanken. Eine führte zum Eigentor durch Korytko. Doch er zeigte auch seine Defizite im Strafraum. Die beiden Zweitliga-Profis Helmes und Marin demonstrierten bei ihrem Eignungstests großen Mut und Risikobereitschaft. Marin war dabei allerdings zu ballverliebt, Helmes etwas glücklos.

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