Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Russland mit Raketenstationen zu umstellen, sei keine gute Idee, meint Friedrich Küppersbusch. Er fragt: Warum widerspricht den Amis niemand außer Gerhard Schröder?

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der letzten Woche?

Friedrich Küppersbusch: Gestern gekaufte Adventskalender ("10 Euro") für "jetzt nur noch 4,99 Euro" heute.

Was wird besser in dieser?

Wer hat Lust, eine "Weihnachten Ende Januar"-Sekte mitzugründen? "Geiz ist heil" und so?

Die neue Juso-Chefin Franziska Drohsel ist auf Druck von CDU-Politikern und einigen Jusos bei der "Roten Hilfe", einem Hilfsverein für politische Gefangene, ausgetreten. War das richtig?

Es wäre arg unhandlich geworden, eine Juso-Chefin hätte jede Zeile Öffentlichkeitsarbeit der Roten Hilfe einzeln glaubensbekennen müssen: Ja zur Gefangenenhilfe, Nein zum Gewaltaufruf, Publikumsjoker bei gefangenen Gewalttätern. Nun sendet die SPD das Signal, Engagement von Rote-Hilfe-Mitgliedern in der Partei sei unerwünscht. Während Wolfgang "Trendfrisur" Bosbach lustträumt: "Man stelle sich vor, Philipp Mißfelder, der Vorsitzende der Jungen Union, wäre Mitglied in einem rechtsradikalen Verein! Es würde zu Recht einen Aufschrei von Flensburg bis Mittenwald geben." Oder man stelle sich vor, Merkel wäre ne Frau!

Die große Koalition hat sich auf einen Kompromiss beim Mindestlohn bei der Post geeinigt. Ein Sieg für die SPD?

Hätte Beck sich mit Merkel geeinigt, erst Münte zu erlegen, bevor mans schließlich doch macht - die Abfolge hätte nicht anders ausgesehen. Reichte jedoch, wenn es nur eine Niederlage wäre: Die Gewerkschaftspartei erringt einen weiteren historische Sieg gegen die Tarifautonomie. Bei der nächsten Dumpingrunde werden die Arbeitgeber nach dem Staat rufen : "Höchstlöhne qua Gesetz!"

Warum ist die CDU, die ja rhetorisch schwer sozialdemokratisch tut, so vehement gegen einen allgemeinen Mindestlohn? Der Nahkampf um jede Branche schadet ihr doch eher, oder?

Merkel hat Westerwelle doch eh im Sack nach der nächsten Wahl, sie muss die FDP nicht noch mästen. Also marktwirtschaften sie hier mal ne Runde. Und der Springer Verlag, der mit blankem Jobmord bei seiner Briefzustellertochter Pin gedroht hatte, weiß, wer ihn wirklich lieb hat.

Putin hat Russland wählen lassen, Gerhard Schröder findet in Deutschland kaum ein kritisches Wort über Putins faktische Diktatur. Warum nicht?

Gute Frage. Nächste gute Frage: Warum reicht ein prinzipienfreier Zigarrenständer aus, eine zentrale außenpolitische Idee Europas - und besonders Deutschlands - zu diskreditieren? Wer wenn nicht wir muss den Amis in den Arm fallen bei dem Versuch, Russland mit Raketenstationen zu umstellen und aus Europa einen Kasernengarten zu machen? Schröder, der geldgierige Gaslobbyist, der Großmannssüchtige auf dem zweiten Einbildungsweg mit reichlich Input von Putin - so eine schädliche Figur hätte sich die CIA auch nicht besser ausdenken können.

Heute vor zehn Jahren wurde in Ottawa auf Druck von Initiativen von Regierungen die Konvention zum Verbot von Antipersonenminen unterzeichnet. Warum gelingt so etwas nur so selten?

Kurz zuvor, im August 97, war die publizistisch entscheidende Unterstützerin der Anti-Landminen-Kampagne, Prinzessin Diana von Wales, tragisch zu Tode gekommen. "Königin der Herzen tot, wir morden trotzdem weiter", so etwas wollte wohl keine der beteiligten Regierungen auf dem Rekord stehen haben.

Heute beginnt auf der Insel Bali die UN-Klimaschutzkonferenz. Wird dabei etwas herauskommen?

Al Gores Ansatz als freiberuflicher Welt-Um-Welt-Minister kann inzwischen als postdemokratischer Politikvorschlag gelesen werden, das finde ich rasend spannend. Manches sich "demokratisch gewählt" nennende nationales Regime - siehe Putin - hat nicht viel mehr Legitimation als der nicht gewählte supranationale Aufklärer.

Und was macht Borussia Dortmund?

Letztes Jahr Bayern den Trainer weggeschossen und Schalke abgefangen, dieses Jahr immerhin schon mal den Meister geschlagen.

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