Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

In Kiel wird gemeuchelt, in Bayern vielleicht bald auch und die spannendste Zeitung in NRW kommt aus Frankfurt.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche?

Friedrich Küppersbusch ist Fernsehproduzent und wird von der taz jede Woche zum Zustand der Welt befragt.

Friedrich Küppersbusch: In Sachsen-Anhalt strebt die CDU keinen Erdrutschsieg mehr an.

Und was wird besser in dieser?

SPD springt mit "Deichbruch im Norden" ein.

Die CSU hält Parteitag ab und Chef Horst Seehofer führt vor, wie er sich das mit dem Durchregieren so vorstellt: Immer schön zusammenstauchen. Schafft er mit der Partei so wieder die 50 Prozent?

Er selbst erst mal keine 90 Prozent, was bei CSU-Chef-Wahlen als humanitäre Form der Hinrichtung gilt. Er agiert eingeklemmt zwischen dem Ehrennachsitzenden Stoiber und der Brüderle-Vorgruppe "The Guttenbergs": Der bekam mit 95,6 ein chefmäßiges Ergebnis. Hier könnte der alte Hexenmeister Probleme mit dem Zauberlehrling bekommen. Guttenberg wird sich im Herbst nicht aus dem Kabinett wischen lassen, wenn die FDP sein Ressort bekommt. Noch ein, zwei gut gezapfte Umfragen und der haut den Horst.

In Kiel ist die große Koalition am Ende. Ministerpräsident Carstensen und SPD-Chef Stegner konnten nicht miteinander. Wie wichtig sind Männerfreundschaften in der Politik?

Die SPD, die sich jetzt von Carstensen und Kubicki hinterrücks gemeuchelt sieht, hat das vor ein paar Jahren an ihrer Chefin Heide Simonis vorgemacht. Ein herzliches Ätschebätsche an dieser Stelle. Ob harmonischere Kumpels als Harry und Ralle sich die Koala hätten schönsaufen können, weiß ich nicht: Der Moment ist gut gewählt, um die SPD als lamentierende Angsthasen vorzuführen. Das bundespolitische Signal "Schwarz-Rot ist morsch und muss weg" dürfte die Männerfreundschaft Carstensen/Merkel kaum belasten. So, wie Gerhard und Oskar es vorgeführt haben, muss man sich als Sozialdemokrat seine Freunde vorsichtig aussuchen, lieber in der anderen Partei.

Die US-Bank Goldman Sachs verkündete jetzt ebenso wie der Konkurrent JP Morgan einen Milliardengewinn. Wieso geht es denen wieder gut?

Nicht nur Verschwörungstheoretiker wiesen auf frequenten Personalaustausch zwischen der Bush-Regierung und JP Morgan hin. Auch Verschwörungspraktiker wie der britische Ex-MP Tony Blair, der für ein Milliönchen im Jahr Morgan beriet, vertraute dieser Bank trotzdem. Man lege sich diese Beispiele in den Zettelkasten für das nächste hoffärtige Lamento, in Deutschland gebe es zu wenig Fluktuation zwischen Wirtschaft und Politik. Banker, die als Finanzministrale umgetopft ihre Konkurrenz abrauchen lassen, brauchen wir auch nicht so dringend. Und Exregierungschefs, die anschaffen gehen, haben wir selbst.

Die Heide ist frei, aus dem Bombodrom wird nichts. Gut so?

Waren zwei gute Ereignisse, das Bombodrom hat sich quasi verkrümmelt.

Katharina Saalfrank (SPD) oder von der Leyen (CDU) - wer hat die bessere Super Nanny?

Hey … und RTL oder CDU … wer hat das bessere Programm? Beide haben Themen gesetzt, und ich freue mich sowohl über jede Menge junge Kollegen, die in Elternzeit verschwinden, als auch über die Hinwendung des kommerziellen Fernsehens zu - gern auch im weiteren Sinne - sozialen Themen. Mit einem Testimonial für eine politische Haltung haben Prominente in Deutschland oft Probleme. In den USA bekommen sie sie eher ohne.

Der Sprecher von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgrs (CDU) kritisiert das Magazin "Focus" für einen "WAZ"-kritischen Artikel. Wie halten Sie es in dem Geklüngel zwischen "WAZ", WDR und Rüttgers aus?

Die Unterzeile "Wie WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz die Redaktionen des größten deutschen Regionalzeitungsverlages für die Zukunft fit macht" ist nun kein direkter Mordanschlag. Und den Focus-Beitrag durchweht schon ein sachter Stolz auf den Focus-Veteranen Reitz, der nun die WAZ-Blätter rockt. Dass Reitz auch für 80 Prozent der nominell eigenständigen Schwestern NRZ und WR zuständig ist, wird ebenso erwähnt wie die verlegerische Angst: Komme das US-Zeitungssterben hierher, werden viel mehr noch bestehende Redaktionen abrauchen. Kurz: Am Ende wird Reitz vom Ex-Blatt als einer gedisst, der lieber in Düsseldorf Tennis spiele, statt sich auf Schalke zu akklimatisieren. Dabei spräche das natürlich für ihn. Das neue Landesmediengesetz bringt der WAZ-Gruppe neue Möglichkeiten, etwa auf dem TV-Markt, und der Landesregierung neue Sympathisanten in den WDR-Rundfunkrat. Ich bin beim WDR von allerhand SPD-Karrieristen gefeuert worden, ich hatte jetzt von der Union keine Umkehr erwartet. Und die spannendste Zeitung Nordrhein-Westfalens kommt, seit der Kölner Neven-DuMont-Verlag sie rettete, aus Frankfurt, die Rundschau. Diese Rettungsappelle für die taz-Ruhr waren keine Witze.

Und was machen die Borussen?

Jürgen Klopp formuliert sein Saisonziel knallhart: "Mit Nichtabsteigen kannst du die Leute auf Dauer nicht zufriedenstellen." Bin gespannt, wie die Südtribüne das Libretto vertont, würde es gern hören.

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