Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

"Der Spiegel" kopiert die taz, Merkel schockt, und Westerwelle sollte aufgeben.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Der Papst darf vor dem Bundestag reden.

Was wird besser in dieser?

Wenn mal ein US-Schwarzer Papst wird, darf er nicht mal vors Brandenburger Tor.

Am Freitag ist Weihnachten: ihr Wunsch?

Ruhe.

Talkmaster Johannes B. Kerner sendet mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg aus Afghanistan. Sternstunde des Betroffenheitsfernsehens?

Konsequente Entscheidung, es kommen deutlich mehr Jungs mit einer Querschnittslähmung aus Afghanistan zurück als von "Wetten, dass …?". Da müsste ein neues Hitformat "Ein Kessel Einkesseln" drin sein und für den Kika "Ich sehe was, was du nicht schießt". In seinem Jahresrückblick mahnte Gottschalk , im Vorjahr habe Westerwelle an Guttenbergs Stelle als "Mann des Jahres" rangiert und gesessen. Herr Baron arbeiten daran, das Volk seiner überdrüssig zu machen. Und seine politische Funktion, die CSU intern zu paralysieren, hat er mit Seehofers nahendem Abschied bald erfüllt. Dann wirds schwerer für ihn gegen Merkel. Die Quote, knapp eine Millionen, fällt unter Kerner liefen und war eine der schwächsten bisher. Guttenberg will für verdiente Frontkämpfer ja Versehrtenabzeichen wieder einführen.

Silvio Berlusconi bleibt, und man fragt sich einmal mehr: Wie ist das möglich?

Wie konnte Franco ein netter Faschogreis im Urlaubsparadies sein? Wieso hat sich Wallraff in Athen angekettet? Nur weil wir traditionell ab und an tassenfeindlichen Schrank haben, müssen unsere Nachbarn nicht zwangsläufig vernünftig sein. Wilders regiert in den Niederlanden mit, Blocher gewinnt eine Anti-Minarett- und eine "Ausschaffungsinitiative" in der Schweiz, Rechtspopulisten in Dänemark, Schweden, Ungarn. Ich habe einen Argwohn über uns Deutsche: Sind wir nun überzeugte Demokraten oder nur besonders gründlich gescheiterte Undemokraten? Diese Ambivalenz kann andere, weniger vorbestrafte Nationen erst recht befallen. Wobei Italien, dachte ich, schon unser engster Mitverbrecher war.

Seit Wolfgang Kubicki den Zustand der FDP kritisiert, rumort es bei den Liberalen gewaltig. Nun legt der Kieler FDP-Fraktionschef nach und sagt: "Ich habe Mitleid mit dem Menschen Westerwelle." Nachvollziehbar?

Kubicki bestritt damals im ersten Schock einen Selbstmord seines Freundes Möllemann, und da wirkte er menschlicher Regungen und Irrtümer durchaus fähig. Warum auch nicht? Das "Projekt 18" hatte Westerwelle den beiden Krawalleros abgeguckt, und als immerhin 15 erreicht waren, waren die Urheber weg: Möllemann tot, Kubicki durch Affären und Krachersprüche nicht mehr kandidabel. Brüderle wäre eine Vertagung, Kubicki ein Putsch, Westerwelle bleibt alternativlos. Ein ernsthafter Nachfolgekandidat wird sich nicht jetzt melden, um an anstehenden Wahlschlappen dann gleich schuld zu sein. Schmeißt Westerwelle hin, statt in seiner Not den stinkenden Hafen des Rechtspopulismus anzulaufen, hat er meinen Respekt, also wertschätzendes Mitgefühl. Außenminister Genscher war es egal, wer unter ihm FDP-Vorsitzender war.

Friedrich Küppersbusch ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Im Kampf gegen die Eurokrise kennt Kanzlerin Angela Merkel nur eine Antwort: Härte. Macht Merkel hier einen guten Job?

Merkel schockte die Staatsanleihe-Käufer mit dem Ansinnen, künftig auch Verluste mitzutragen: "Merkel-Crash" lamentierten wirtschaftsnahe Blätter über die Reaktion der Zocker. Nun will sie die Banken an deren Fiasko beteiligen - das findet natürlich breiten Rückhalt in der Sozialistischen Volksrepublik Luxemburg. Also, so ne Kanzlerin, die vor Atomlobby und Bankenmacht nicht jedes Mal einknickt, das wär schon auch ne Alternative zur amtierenden deutschen Regierung.

Das Wort des Jahres 2010 lautet "Wutbürger". Vorhersehbar oder eine Überraschung?

Realtestkoffer, Vuvuzela, Dekadenz, schottern, Schlichter - keine leichte Wahl. Mit dem Spiegel-Autoren Dirk Kurbjuweit gibt es diesmal sogar einen nennbaren Urheber. Wobei der Stern die Ehre der taz zubilligt, die schon 2009 mit "Wutbürgers Freude" getitelt habe.

Nach den Rücktritten von Koch, Wulff, Oettinger, von Beust und Althaus sowie der Abwahl von Rüttgers zieht sich mit Peter Müller bald wohl der siebte CDU-Ministerpräsident aus der Landespolitik zurück - innerhalb einer Legislaturperiode. Haben die alle keine Lust mehr?

Die haben wir verdient! Wir machen auch keinen Job von Lehre bis goldener Taschenuhr von 14 bis 65 mehr.

Und was machen die Borussen?

Mir Freude.

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