Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?
Treuhandchef K. verkloppt die werthaltigen Bestandteile der FDP, lässt sich geheim regieren und wartet auf späte Anerkennung.
taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?
Friedrich Küppersbusch: In der FDP beginnt die Zeit, in der sie sich nach Westerwelle sehnen werden.
Was wird besser in dieser?
Westerwelle.
Grün-Rot in Baden-Württemberg - historischer Moment oder auch nur eine andere Form von "Weiter so"?
Wo Schwarz-Grün in Hamburg am "Leuchtturmprojekt" Schulreform scheiterte, hat Grün-Rot in Stuttgart ein "Kellerproblem" : Stuttgart 21. Hier hat die SPD kluge Vorsorge getroffen: nach der Melodie "Lass es wie einen Unfall aussehen" kann die Regierung sich qua Volksentscheid zum Bahnhofsbau zwingen lassen, mit allerlei Auflagen. Fukushima möge bitte einzigartig bleiben, und doch: Baden-Württemberg hat noch ein drittes starkes Pro für Grün, das nicht Saisonware ist.
Der "Altliberalismus", kirchenfeindlich gegen Schwarz und staatsverdrossen gegen Rot hieß hier FDP-Deutsche Volkspartei, und was die konnten, könnten die Grünen jetzt auch. Das "Wunder von Stuttgart" kann sein, gar nicht erst welche vollbringen zu wollen. Dafür ist Kretschmann die Idealbesetzung, und so werden die Grünen lange nahe 20 Prozent bleiben können dort.
Zum Vergleich - erklären Sie uns von außerhalb doch mal, wie SPD und Grüne ihren Job in Nordrhein-Westfalen machen?
Ich muss Sie enttäuschen - NRW wird nach den Prinzipien konsequenter Geheimhaltung regiert. Wir hier wissen auch nicht mehr. In der Schulpolitik kann jede Kommune machen, was sie will, AKW hamwernich, Wirtschaft brummt und das Kabinett wirkt wie eine sozial unauffällige Landesunbekanntenversammlung.
Und welchen Job hätten Sie gerne in der neuen Führungsriege der FDP?
Treuhandchef. Werthaltige Bestandteile wie Leutheusser und ein paar BaumHirschHammbrücher-Enkel an die Grünen verkloppen, Kubicki und Brüderle als "Liberality Death Match" an RTL verkaufen und den Rest ohne Abendbrot ins Bett, sonst quaken sie wieder übermüdet bei Anne Will rum.
Hätten Sie den Henri-Nannen-Preis a) zuerkannt, b) aberkannt oder c) selbst gerne einmal gewonnen?
Da freut sich die Bild dick oben auf Seite 2, dass auch der Spiegel seine Reportagen zeitgemäß sampelt. Wenn man nicht dort war, kann man keine "Dinge herbringen", res portare, und also mag es sehr wohl noch ein gutes und mit Recherchen belegtes Porträt sein. In dieser Kategorie würde ich ihn zuerkennen und belassen. Ich selbst mache noch 10 Jahre Pause und will dann Life-time-awards. Dotierte!
In der taz steht heut viel über Lena und den ESC, aber Sie wollen laut eigener Aussage von dem Thema ja nichts wissen. Dann reden Sie hier doch mal über etwas, das Sie interessant finden.
Hey! Ich habe das in voller Länge erlitten! Engelke hätte es auch allein gut moderieren können, Aserbaidjan gewann mit einer aus Schweden zugekauften Komposition, Lena punktete mit einem englischen Lied, und wenn jedes Mal 5 Musiker kommen, müssen bald alle Isländer mal da gewesen sein. Ich habe Respekt vor der Leistung, ein Vermögen abzubrennen, um 28 Lieder hervorzubringen, von denen ich keines am nächsten Morgen noch mal hören möchte. Punkte aus der Diktatur Weißrussland für die Selbstbedienokratie Italien, und Dänemark freut sich über Sänger, die es an der Grenze abweisen würde - ja, nun.
Sie sind Meister, bitte beschreiben Sie uns Ihre Gefühle!
Es ist Karneval mit einem Grund. Köln und Düsseldorf werden das nie verstehen. Na ja, sie werden es ja auch nie erleben. Die Stadt geht seit zwei Wochen kostümiert, seit Samstagnachmittag kreisen Hubschrauber, die B1 ist zu und im Radio kommen seltsame Lieder. Wir haben es mit Love-Parade und Anti-Nazi-Aufmärschen versucht, doch so ist am schönsten. Pünktlich zu Beginn der Meisterfeier hat es Sonntagvormittag angefangen zu regnen. Leicht und geschenkt ist nichts für uns.
Im nächsten Jahr geht das auf keinen Fall so gut weiter. Wie bereiten Sie sich auf diese Zeit des Schmerzes vor?
Ja, das hättet ihr wohl gerne, ne? Da, wo Großkreutz und Götze herkommen, aus der eigenen Jugend, ist noch reichlich am Lager. Klopp hat Vertrag bis 2014, und da er international spielen will - was soll er bei Bayern? Es heißt jedoch auch, Dortmund und die BVB-Fans grundsätzlich nicht verstanden zu haben, wenn man diese Abonnements-Arroganz der Bayern auf einen moralisch hochwertigen, aufrichtigen und herzenstiefen Club stülpt.
Und was macht Schalke?
Freude.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Verkehrsminister wollen Kostensenkung
Luxusgut Führerschein