Die Woche: Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Ist Jopi Heesters ansteckend? Und warum Angela Merkels Nichtstrategie genial ist.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche?

Friedrich Küppersbusch: Brian Ferry macht Werbung für H&M.

Was wird besser in dieser?

Einsicht. Meine Eltern hatten mich immer vor "Roxy Music" gewarnt.

Nach der Verhaftung des Ex-NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben ist jetzt wieder ein Verbot der Partei im Gespräch. Rauchbombe, um vom eigentlichen Problem abzulenken?

Ich denke ungern, was ich denken soll: Das NPD-Verbot 2.0 "geht auch mit V-Leuten", munkelte Innenminister Friedrich. Seither forcieren die Behörden Zusammenhänge zwischen den Zwickauer Mördern und NPD-Funktionären. Das mag so sein - mein Vertrauen in die staatlichen Ermittlungsarbeiten allerdings ist zerrüttet.

ist Journalist und Fernsehproduzent. Jede Woche wird er von der taz zum Zustand der Welt befragt.

Bei dem Mord im Kasseler Internetcafé war ein Verfassungsschützer anwesend, bei dem in Heilbronn mutmaßlich ein halbes James-Bond-Ensemble. BKA-Chef Ziercke raunt mal vom Verdacht einer "Beziehungstat", mal rudert er zurück. Sicher wird ein NPD-Verbot juristisch standhalten, wenn ihr Anteil an der Nazi-Kriminalität ausreichend nachgewiesen werden kann. Und sicher kann der Verfassungsschutz dann so weiterwabern wie bisher. Da ist allen geholfen - außer dem Rechtsstaat.

Kommende Woche treffen sich mal wieder die EU-Regierungschefs, um den Euro zu retten. Sollten wir vorsorglich schon mal nach alten D-Mark-Beständen suchen?

Es ist keine Strategie, aber dafür ist sie genial: Was Merkel jetzt noch vorschlägt, ist so schwach, dass Eurobonds dagegen wie das kleinere Übel wirken. Die nationalen Haushalte sollen von EU-Gremien kontrolliert, bewilligt, bestraft werden. Sprich: In Merkozien wirds künftig wumpe sein, was Portugiesen, Iren, Griechen wählen - die Steuer- und Haushaltspolitik wird eh von obskuren ernannten EU-Gralsrittern gemacht. Das ist "taxation without representation", demokratiegeschichtlich ca. 1770, damals Grund für den amerikanischen Bürgerkrieg und die Loslösung von den Kolonialmächten.

Dagegen steht ein Modell der gesicherten Eurobonds: Jedes Euroland dürfte so viele Gemeinschaftsanleihen ausgeben, wie die Gemeinschaft ihm bewilligt. Dieses Recht müsste beim EU-Parlament liegen. Und wenn ein Land darüber hinaus Schulden machen will, muss es eigene Anleihen auflegen und bei den Zinsen bluten. Erstens: Alle stehen füreinander ein; zweitens: demokratische Kontrolle; drittens: Zwang zur Haushaltsdisziplin; viertens: CSU und FDP müssen aus der Koalition austreten. Okay, das klingt jetzt fast zu gut.

Das pakistanische Kabinett wird nicht am Afghanistan-Gipfel teilnehmen. Macht dieses Treffen dann überhaupt noch Sinn?

Zehn Jahre Krieg in Afghanistan, um endlich zuzugeben, das man eigentlich ein Problem mit Pakistan hat, das macht sich auch auf den Grabsteinen der ermordeten deutschen Soldaten nicht gut. Pakistan konnte seine Atombomben entwickeln, Osama verstecken und ansonsten einen unbeteiligten Eindruck machen. Die Konferenz ohne den wichtigsten Player macht wenig Sinn, der Krieg davor noch weniger.

Die Grünen haben bei ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende beschlossen, das Urheberrecht liberalisieren zu wollen. Vernichtung von Künstlerexistenzen oder ein längst überfälliger Schritt?

Der kleine Raubkopierer, der bizarre Abmahnungen zahlen muss, will weniger Urheberrechtsschutz. Dann sampelt er aus seinen Kopien einen Hit und möchte darauf lieber die üblichen 70 Jahre Urheberrecht. Die Piraten gucken eher nur auf die Raubkopierer. Die Grünen vertreten wie kaum eine Partei ebenjene Milieus, die auch von Lizenzen, Honoraren, Gagen und Urheberrechten leben. Journalisten, die die Piraten hochschreiben, sollten sich langfristig daneben etwas zum Geldverdienen suchen. Grüne, die die Urheberrechte schützen, müssen das Image als Büttel der Kulturkonzerne aushalten. Ideen sind der letzte Rohstoff dieses Landes, und Rohstoffe zu schützen ist grüne Politik. Gesucht ist eine kluge Politik, die die Kreativen fördert und ihre Ausbeutung eingrenzt. Das haben weder Grüne noch Piraten bisher.

Der brasilianische Fußballspieler Rivaldo sucht mit 39 Jahren einen neuen Verein. Soll er sich nach einer Altherrenmannschaft umschauen?

Vielleicht ist das was Ansteckendes, was Jopi Heesters hat?

Und was machen die Borussen?

Irgendwo muss ein arbeitsloser Riesenball rumkullern. Der Markthandel- und Schaustellerverband wollte damit seinen notorischen "größten Weihnachtsbaum der Welt" krönen im Meisterschaftsjahr. Kirchen, Besucher und der Oberbürgermeister setzen dann doch den traditionellen Engel durch. Kompromiss wäre Mario Götze gewesen, aber den brauchen wir auf dem Platz.

FRAGEN: IPP

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben