Galerie Neu: Die Performance der Straße
Foto: Stefan Korte
Jemand läuft zügig über die Straße und fällt. Schnell rappelt die Person sich auf. Ihre Schritte nehmen Fahrt auf. Doch plötzlich knickt das Knie wieder ein. Bestimmt ein Dutzend Mal widerfährt Klara Lidén dieses Ungeschick, mitten in Manhattan, auf der Wallstreet. Doch ihre Verrenkungen gewinnen an Stärke, das Malheur wird zum Akt. Und während man der Künstlerin in dieser einzigen Kamerafahrt folgt, durchfahren einen selbst ganz unterschiedliche Gefühle. Ist das Belustigung, Mitleid, Bestärkung? Diese in ihrer Einfachheit schon meditative Videoarbeit hat Klara Lidén lebensgroß in die Räume der Galerie Neu projiziert. Damit landet die Straße im White Cube – und mit ihr eine uralte Lebensübung: hinfallen und wieder aufstehen. Dass bei dieser ständigen Probe auch der Blick auf das Einfache fällt, zeigen eine Reihe exzentrischer Leuchten. Ihre Lampenschirme sind Kartons oder Absperrungen von der Straße, lädiert und dreckig. Lidén veredelte sie zu einem minimalistischen Mobiliar und holt damit erneut das Draußen nach innen. (soj)
Bis 21.12., Di- Sa 11-18Uhr, Linienstr. 119
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen