Die Bundesliga - 30. Spieltag: Magath taktiert, Heynckes strahlt
Bayern bleibt dran, HSV und Hertha schwächeln und Wolfsburg marschiert weiter stramm auf den Titel zu. Eindruck machten aber vor allem die Trainer.
DÜSSELDORF dpa | Jupp Heynckes bringt den FC Bayern wieder auf Titelkurs, Felix Magath ernennt im Zuge wachsender Erklärungsnot den VfL Wolfsburg erstmals zum Meisterschafts-Favoriten und Ralf Rangnick droht bei 1899 Hoffenheim mit Rücktritt. Die Trainer sorgten am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga für Jubel und Zoff.
"Ich glaube nicht, dass im Titelkampf irgendetwas entschieden ist", meinte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß nach dem 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach trotz des Drei-Punkte-Rückstands auf Wolfsburg. Im Fernduell hatte der Spitzenreiter ungeachtet der Gerüchte um einen Magath-Wechsel zu Schalke 04 mit 4:0 gegen Hoffenheim triumphiert.
Doch zumindest das Duell der Mitkonkurrenten im Kampf um die Meisterschaft zwischen dem Hamburger SV und Hertha BSC verlief im Sinne der Münchner. Dank des 1:1 (1:0) im Spitzenspiel des 30. Spieltages rückte der FC Bayern (57 Punkte) auf Rang zwei vor.
Dritte sind nun die Berliner, die dank des sehenswerten Treffers von Gojko Kacar (66.) die drohende Niederlage beim nur einen Zähler entfernten Verfolger HSV abwenden konnten. Wie die Hamburger gehen die Bremer ohne Erfolgserlebnis in das Rückspiel beider Teams im UEFA-Halbfinale am Donnerstag. Werder unterlag im zweiten Sonntagsspiel mit 0:1 (0:0) beim 1. FC Köln, hatte sich aber auch nicht sehr bemüht.
Ergebnisse:
Freitag, 01.05.2009:
VfL Bochum - Hannover 96 0:2
Samstag, 02.05.2009:
Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 0:2
Karlsruher SC - Energie Cottbus 0:0
VfL Wolfsburg - 1899 Hoffenheim 4:0
FC Schalke 04 - Bayer Leverkusen 1:2
Arminia Bielefeld - VfB Stuttgart 2:2
Bayern München - Bor. Mönchengladbach 2:1
Sonntag, 03.05.2009:
Hamburger SV - Hertha BSC 1:1
1. FC Köln - Werder Bremen 1:0
Tabelle:
1. VfL Wolfsburg +30 66:36 60
2. Bayern München +23 61:38 57
3. Hertha BSC +8 44:36 56
4. VfB Stuttgart +15 54:39 55
5. Hamburger SV +2 43:41 55
6. Borussia Dortmund +16 49:33 52
7. FC Schalke 04 +15 44:29 49
8. Bayer Leverkusen +14 52:38 45
9. 1899 Hoffenheim +9 54:45 45
10. Werder Bremen +13 55:42 39
11. 1. FC Köln -13 32:45 35
12. Hannover 96 -16 43:59 35
13. Eintracht Frankfurt -13 36:49 32
14. VfL Bochum -14 35:49 28
15. Energie Cottbus -25 26:51 27
16. Arminia Bielefeld -19 25:44 26
17. Bor. Mönchengladbach -20 36:56 24
18. Karlsruher SC -25 21:46 23
Nächste Spiele:
Freitag, 08.05.2009:
Bayer Leverkusen - Arminia Bielefeld
Samstag, 09.05.2009:
VfB Stuttgart - VfL Wolfsburg
1899 Hoffenheim - 1. FC Köln
Hertha BSC - VfL Bochum
Hannover 96 - Eintracht Frankfurt
Energie Cottbus - Bayern München
Borussia Dortmund - Karlsruher SC
Sonntag, 10.05.2009:
Werder Bremen - Hamburger SV
Bor. Mönchengladbach - FC Schalke 04
"Nach wie vor hat Wolfsburg die besten Chancen, Meister zu werden", meinte Bayern-Coach Heynckes nach seinem gelungenen Comeback. "Unser Ziel muss es sein, die direkte Qualifikation für die Champions League zu erreichen."
Der Erfolg gegen seinen Ex-Club war nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann ein Neuanfang an der Isar, meisterlich mutete der Sieg nicht an. "Ansatzweise war das schon gut, aber es gibt noch einiges zu verbessern", stellte auch Heynckes fest. Dennoch reichte die Vorstellung, um die mehr denn je um den Klassenverbleib fürchtenden Mönchengladbacher in Schach zu halten. "Wir haben das Gesicht gewahrt", meinte Borussia-Coach Hans Meyer.
Die Flucht nach vorn trat Magath nach dem Sieg gegen Hoffenheim, zu dem Edin Dzeko einen Hattrick beisteuerte, an. "Jetzt sind wir Favorit und wollen Meister werden", tönte der 55-Jährige. "Alle müssen warten, dass wir ausrutschen. Ansonsten kommt keiner an uns vorbei."
Gleichzeitig setzte er den "Eiertanz" um seinen angeblich besiegelten Weggang nach Schalke fort. Dass sein Vertrag nicht erst 2010, sondern bereits Ende dieser Saison in Wolfsburg endet, wollte er nicht bestätigen: "Von mir gibt es dazu keinen Kommentar." Dafür kündigte Sponsor VW eine Stellungnahme in der kommenden Woche an.
Auch "auf Schalke" stieß man beim Thema Magath auf eine Mauer des Schweigens in der Führungsetage. Dafür war nach dem 1:2 gegen Bayer 04 Leverkusen, das womöglich den Einzug in die Europa League gekostet hat, der Unmut bei den Spielern über die Unruhe zu spüren.
"Mich nervt mittlerweile schon, dass jeder fragt, wer in der nächsten Saison Trainer wird", sagte Nationalspieler Heiko Westermann. Interimstrainer Mike Büskens fuhr ihm in die Parade: "Die Spieler beschäftigt das schon. Es aber als Alibi zu nehmen, wäre zu einfach."
Dass ausgerechnet Borussia Dortmund mit dem 2:0 bei Eintracht Frankfurt an den königsblauen Erzrivalen vorbeizog und als Tabellen- Sechster nun auf einen Europacup-Platz lauert, sorgte für weiteres Unbehagen auf Schalke. Beim BVB ist Chefcoach Jürgen Klopp nach dem sechsten Sieg in Serie der gefeierte Mann.
"Wir sind sehr, sehr glücklich und zufrieden mit ihm und wollen noch lange mit ihm zusammenarbeiten", schwärmte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. "Er hat für Aufbruchstimmung gesorgt und eine Euphorie entfacht", freute sich auch Sportdirektor Michael Zorc über den Glücksgriff.
Längst verflogen ist die Begeisterung bei dem seit zwölf Spielen sieglosen Herbstmeister Hoffenheim. Nach einem Bericht der Bild am Sonntag droht Trainer Rangnick mit Abschied. "Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen", zitierte die Zeitung den 50-Jährigen. Club-Mäzen Dietmar Hopp konterte im Sonntagsblatt ebenso aufgebracht: "Ich lasse mich nicht erpressen. Es ist der falsche Zeitpunkt, wenn der Trainer nach solch einer Vorstellung sein Bleiben infrage stellt."
Einen wichtigen Punkt ertrotzte sich im Abstiegskampf Arminia Bielefeld gegen den VfB Stuttgart (2:2), bei dem geheime Titelträume platzten. "Vielleicht hört jetzt mal das Thema auf, dass wir noch Meister werden können", sagte VfB-Trainer Markus Babbel. Nach dem 0:0 beim "Schlusslicht" Karlsruher SC fühlte sich Energie Cottbus fast wie ein Sieger. "Wir haben den Vier-Punkte-Abstand auf den KSC gewahrt", sagte Energie-Coach Bojan Prasnikar.
taz lesen kann jede:r
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!