Deutschland gegen Tschechien: Rückschlag für Löws Elf

Mit einem schwachen 0:3 beerdigt die Deutsche Elf ihre tolle Qualifikationsserie. Die unkonzentrierte Mannschaft fand einfach nicht ins Spiel, die Tschechen nutzen ihre Chancen konsequent.

Metzelder und Koller kämpfen um den hohen Ball - meistens bekam ihn der Tscheche. Bild: ap

MÜNCHEN dpa/taz Nur vier Tage nach der vorzeitigen Qualifikation hat das Deutsche Team einen Dämpfer erhalten. Beim 0:3 (0:2) gegen die nun ebenfalls qualifizierten Tschechen verspielte die deutsche Nationalmannschaft am Mittwochabend in München nicht nur den angestrebten vorzeitigen Gruppensieg, sondern auch Kredit bei den zuletzt so verwöhnten Fans. Die 66.000 Zuschauer in der ausverkauften Münchner Arena quittierten die erste Pflichtspiel-Niederlage unter Bundestrainer Joachim Löw und die schlechteste deutsche Länderspielleistung seit dem 1:4 in Italien im März 2006 mit einem lauten Pfeifkonzert.

Libor Sionko (2. Minute), Marek Matejovsky (23.) und Jaroslav Plasil (63.) erzielten die Tore für die überlegenen Tschechen, die sich mit dem klaren Erfolg für die EM in Österreich und der Schweiz qualifizierten und wegen des besseren direkten Vergleichs am Ende in der Gruppe D vor dem DFB-Team stehen könnten.

Ergebnis: 0:3 (0:2)

Deutschland: Hildebrand (FC Valencia) - Arne Friedrich (Hertha), Mertesacker (Werder Bremen), Metzelder (Real Madrid - 46. Fritz/Werder Bremen), Jansen (Bayern München) - Odonkor (Betis Sevilla), Frings (Werder Bremen), Schweinsteiger (Bayern München - 64. Gomez/VfB Stuttgart), Trochowski (Hamburger SV - 46. Rolfes/Bayer Leverkusen) - Kuranyi (FC Schalke), Podolski (Bayern München)

Tschechien: Petr Cech (FC Chelsea) - Pospech (Sparta Prag), Kovac (Spartak Moskau), Rozehnal (Newcastle United), Ujfalusi (AC Florenz) - Galasek (1. FC Nürnberg) - Sionko (FC Kopenhagen - 58. Vlcek/Slavia Prag) - Matejovsky (Mlada Boleslav), Plasil (CA Osasuna), Pudil (Slavia Prag - 73. Kulic/Sparta Prag) - Koller (AS Monaco - 80. Fenin/FK Teplice)

Schiedsrichter: Webb (England) - Zuschauer: 66.000

Tore: 0:1 Sionko (2.), 0:2 Matejovsky (23.), 0:3 Plasil (63.)

Gelbe Karten: Podolski / -

Beste Spieler: - / Matejovsky, Plasil, Koller

"Enttäuschend war das Spiel auf alle Fälle", bilanzierte Trainer Löw. "Alle Dinge, die uns stark gemacht haben, haben wir vermissen lassen. Wir haben in jeder Beziehung schlecht gespielt." Der Trainer selbst hatte keinen Einfluß aufs Spiel: Auch das Einwechseln Clemens Fritz und Simon Rolfes nach der Halbzeit und die Auswechselung von Schweinsteiger gegen Mario Gomez nach rund einer Stunde brachten keinen neuen Schwung. "Wir waren nicht in der Lage, irgendwas umzusetzen. Solche Fehler haben wir zuletzt gegen Italien in Florenz gemacht."

Auch Kaptiän Torsten Frings zeigte sich selbstkritisch: "Ich denke, dass wir heute nicht die beste Einstellung hatten. Wir hatten uns viel vorgenommen, aber schon nach der 2. Minute das erste Mal geschlafen. Wir hatten nach dem 2:0 nicht die Kraft, das noch umzubiegen." Das Ergebnis war die erste Heimniederlage in einer EM-Qualifikation seit fast 24 Jahren. Nun bleiben noch zwei Heimspiele: Am 17. November in Hannover gegen Zypern und am 21. November in Frankfurt gegen Wales.

Gegen Tschechien zeigte sich, was am Samstag gegen Irland schon zu ahnen war: Ohne die Stammkräfte Michael Ballack, Bernd Schneider, Phillip Lahm und Miroslav Klose fehlte es doch an spielerischen Mitteln, sich durchzusetzten. Anders als gegen Irland, war das nicht durch Kampf auszugleichen. Ganz abgesehen davon, dass es der deutschen Mannschaft am Mittwoch Abend vor allem an der letzten Konsequenz zu fehlen schien. Kein Vergleich also, mit dem 2:1-Sieg in Prag im März, dem wohl besten Spiel der Ära Löw. Auch Frings und Schweinsteiger konnten in der Mittelfeldzentrale nicht die nötigen Akzente setzen.

Dabei hatte Löw versucht, mit einer offensiven Aufstellung die Zeichen wieder auf Angriff zu stellen. Bayern-Stürmer Lukas Podolski konnte neben Kevin Kuranyi die Bewährungschance in seiner Heimarena nicht nutzen, erhielt aber auch kaum Unterstützung aus dem Mittelfeld in dem David Odonkor und Piotr Trochowski über die Außenbahnen für Druck hätten sorgen sollen. Erstmals in seiner Amtszeit ging das Konzept von Bundestrainers Löw nicht auf.

Gleich zu Beginn war der Spannungsabfall nach der geglückten Qualifikation deutlich zu spüren: Nach einem Fehlpass von Schweinsteiger nutzte Tschechiens Stürmer Jan Koller die missglückte deutsche Abseitsfalle aus und spielte Torschütze Sionko clever frei. Die deutsche Abwehr hatte auf Abseits gespielt, obwohl der Passgeber auf Koller unbedrängt gewesen war. Und statt nach dem Paß nachzusetzen, hielt die deutsche Abwehr lieber die Arme hoch, um Abseits zu reklamieren. Die Folge war das schnellste Gegentor seit dem WM-Endspiel 1974.

Die ohne den angeschlagenen Spielmacher Tomas Rosicky und ohne den Hamburger David Jarolim angetretenen Gäste setzten immer wieder Koller geschickt in Szene. Der Ex-Dortmunder bediente per Kopfball auch Matejovsky, der Frings und Christoph Metzelder schlecht aussehen ließ und beim zweiten Treffer dem erneut machtlosen Timo Hildebrand im deutschen Tor keine Chance ließ.

Schweinsteiger gab mit einem Solo und strammen Schuss (25.) ein Zeichen für eine zumindest engagiertere Leistung, aber das tschechische Tor kam nur selten in Gefahr. Die beste Möglichkeit vergab Kuranyi (43.), der nach einer der wenigen geglückten Trochowski-Flanken freistehend knapp am Tor vorbei köpfte. Vielleicht hätte der Anschluss dem Spiel noch eine Wende geben können, wie der für Nürnberg spielende Tscheche Galasek nach dem Spiel andeutete. Wahrscheinlich aber nicht.

Für die zweite Halbzeit brachte Löw Clemens Fritz und Simon Rolfes für Metzelder und den emsigen aber uneffektiven Trochowski. Die Tschechen wurden nun konsequenter gestört und Schweinsteiger (50.) spitzelte den Ball nach einem Frings-Freistoß knapp am Tor vorbei. Genauer traf aber Plasil, der Friedrich wie einen Anfänger stehen ließ und einen Konter mustergültig zum 3:0 abschloss. Daraufhin ergab sich Löws Elf in ihr Schicksal und spielte nichts Verwertbares mehr heraus.

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