: Deutsche Kälte
Wie oft werden Bremer SchülerInnen wohl noch die Gelegenheit haben, mit einem ehemaligen KZ-Insassen sprechen zu können? Wie oft werden sie noch die Erfahrung von Angesicht zu Angesicht machen können, nicht allein angewiesen auf die Konservenkost aus dem Geschichtsunterricht oder dem Fernsehen? Wer soll ihnen in Zukunft die Fragen beantworten, so kompetent, wie das keine GeschichtslehrerIn je kann? „Wir sind die letzten, fragt uns aus“, schrieb der große Hans Sahl aus dem Exil. Und es werden immer weniger, die gefragt werden können.
Eine von denen, die Auskunft darüber geben können, wie sie die deutsche Mordmaschine erlebt haben, ist den langen Weg von Amerika gekommen, um zu sprechen. „Damit es nicht nochmal passiert, what else?“ sagt sie. Und sie, die in ihrem Leben nie wieder frieren wollte, mußte frierend und ohne Mikro in einer unfreundlichen Halle hocken. Das Wohlbefinden einer ehemaligen KZ-Gefangenen hängt ab von den Heizgepflogenheiten an Bremer Schulen! Das war so unwürdig.
Chancen dieser Art kommen nicht mehr oft wieder. Bleibt zu hoffen, daß die Schule an der Hamburger Straße heute geheizt hat.
Jochen Grabler
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