Der Staatsanwalt ermittelt: Suche nach Gammelfleisch

Ehemalige Mitarbeiter beschuldigen Oldenburger Geflügelfirma, verdorbenes Fleisch verkauft zu haben. Durchsuchungen in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

In den Supermärkten von Metro, Real und Extra wurden Heide-Produkte vorsorglich entfernt. Bild: dpa

HANNOVER taz Durch Aussagen dreier ehemaliger Mitarbeiter steht der Geflügelfleisch-Hersteller "Heidemark" unter Verdacht, im großen Stil Gammelfleisch verkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen den großen deutschen Geflügelspezialisten Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Lebensmittelrecht eingeleitet. Wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde gestern sagte, wurden zwei Niederlassungen des Unternehmens in Niedersachsen, ein weiterer Betrieb in Baden-Württemberg und vier Kühlhäuser durchsucht.

In einem Kühlhaus wurde dabei eine größere Menge Fleisch beschlagnahmt. Nach Angaben von Staatsanwältin Frauke Wilken stehen die Ermittlungen allerdings noch am Anfang. Die drei im Zuge einer Umstrukturierung gekündigten Mitarbeiter hätten in eidesstattlichen Versicherungen erklärt, sie hätten im April und Mai aus Polen angeliefertes übel riechendes und stinkendes Fleisch neu verpacken müssen. Täglich seien demnach ein bis zwei Lkw Gammelfleisch umgepackt worden.

Bei Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft wiederholten die drei Zeugen diese Vorwürfe aber nur zum Teil. Die ehemaligen Mitarbeiter hätten nun von geringeren Mengen Gammelfleisch gesprochen, sagte Wilken. Das beschlagnahmte Fleisch wurde im Frühjahr verpackt, stammt also aus dem von den Mitarbeitern angegebenen Zeitraum. Nun sollen Proben untersucht werden. Bei den beiden Durchsuchungen in Niedersachsen waren auch Lebensmittelkontrolleure des Landes mit von der Partie. Das Landwirtschaftsministeriums in Hannover betonte anschließend, die Kontrolleure hätten nichts Auffälliges entdeckt und nichts zu beanstanden gehabt.

Der Metro-Konzern, dem einst ein Gammelfleisch-Skandal bei der Tochter Real die Bilanz verhagelte, regierte prompt auf die Vorwürfe. In den Metro-, Real- und Extra-Märkten wurden Heidemark-Produkte vorsorglich aus den Regalen genommen. Das Unternehmen betonte aber, Beschwerden über Qualitätsmängel bei Heidemark-Produkten habe es nicht gegeben.

Auch die Staatsanwaltschaft spricht bislang von einem Anfangsverdacht. Ob sich daraus erneut ein Fleischskandal entwickeln werde, bleibe abzuwarten, sagte Staatsanwältin Wilken. Heidemark wollte sich gestern zu den Vorwürfen nicht äußern. Gegenüber dem NDR, der zuerst über den Gammelfleisch-Verdacht berichtete, hatte das Unternehmen alle Vorwürfe zurückgewiesen.

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