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Der Bogen am Anhalter Bahnhof muß bleiben!

■ Große Koalition von Berliner Politikern, Künstlern und Architekten für den Erhalt der stählernen Südportal-Silhouette / Ex-Mythos-Chef Knödler-Bunte: Bahnhof-Sprengung war schon schlimm genug / Nur muffige Bezirkspolitiker in Kreuzberg wollen den Abriß

Gegen den Abriß des großen Metallbogens auf dem Gelände des Anhalter Bahnhofs, eine Nachbildung des ehemaligen Bahnhofs -Südportals, hat sich eine berlinweite Koalition von Künstlern und Stadtplanern gebildet - gegen die Bezirks-CDU und -SPD. Der hohe, filigrane Metallbogen wurde im Rahmen der „Mythos Berlin„- Ausstellung während der 750-Jahr-Feier auf dem Gelände errichtet. Die CDU-SPD-Mehrheit in der Kreuzberger Bezirksverordnetenversammlung will den Bogen zusammen mit den übrigen Mythos-Resten beseitigt wissen: Schon lange ist dort ein Park geplant, das Metallteil sei möglicherweise nicht mehr lange standfest, Kinder könnten darauf herumklettern und abstürzen.

Dagegen halten der Senat, die AL und ihr Baustadtrat Orlowsky: „Die schmale Grundfläche des Bogens ist dem Park nicht im Weg.“ Ein offener Brief unter anderem vom Chef der IBA-Nachfolgegesellschaft Hardt-Waltherr Hämer, der FAZ -Korrespondentin Sybille Wirsing, dem DDR-Dramatiker Heiner Müller und dem Filmemacher Wim Wenders unterschrieben, plädiert dafür, dieses „sichtbare Stadtzeichen“ und „Erinnerungsmal“ an den ehemaligen Bahnhof, dessen Abriß unstrittig ein „Irrtum“ war, nicht aus „kleinlichen Gründen“ zu beseitigen. Auch der „Nestor der Architektur“, Julius Posener, hatte sich letzte Woche gegen den Abriß des „historischen Zitats“ ausgesprochen.

„Der Bogen wird mindestens zehn Jahre halten, das haben wir durch ein Statikbüro prüfen lassen“, erkärt der Geschäftsführer der „Mythos-Berlin GmbH“ Knödler-Bunte. Kinder könnten gar nicht auf die Verstrebungen klettern. „Der Bezirk geht mit diesem Relikt genauso ruppig und geschichtsvergessen um wie mit dem von Schwechten 1880 erbauten, sinnlos abgerissenem Bahnhof“, meint der Architekt Helmut Mayer, seit über 20 Jahren mit der Historie des Geländes befaßt.

Auch im Senat ist man mehrheitlich gegen den Abriß. „Kultursenator Hassemer würde ihn lieber stehenlassen, hat aber bald nicht mehr die Kompetenz“, erklärt sein ehemaliger 750-Jahr-Abteilungsleiter Staar. Auch Bausenator Wittwer will sich für den Erhalt einsetzen. Er hat die besten Karten. Seine Behörde bezahlt den Abriß, für den der Bezirk kein Geld hat. An seinem Veto können die Kreuzberger SPD und die CDU, deren Mitglied er übrigens ist, nicht vorbei. So wird sich wohl Baustadtrat Orlowsky zum ersten Mal darüber freuen, wenn sich der Bausenator über einen BVV-Beschluß hinwegsetzt.

esch

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