■ Daumenkino: Das Superweib
Unerschrockene Filmeuphoriker haben dem deutschen Kino einen Frühling an den Hals geredet. Bucks „Männerpension“ – eine reichlich angestrengte Klamotte mit einigen hübschen Einfällen; „Stille Nacht“, der deutsche Berlinale-Beitrag mit den krampfigen Dialogen; oder „Sexie Sadie“, das gut fotografierte Nichts – das wird wohl nicht ganz reichen. Und nun Das Superweib. Ist da eine Filmer-Generation von der Jugendlichkeit flugs ins Greisenalter übergegangen?
Sönke Wortmanns Verfilmung von Hera Linds Erfolgsbuch legt diesen Verdacht nahe. Mit einigen Reminiszenzen an die Filmästhetik der frühen sechziger Jahre – wohl um die Anwesenheit von Liselotte Pulver zu rechtfertigen – wird von Franziska (Veronica Ferres) erzählt, die für ihren Mann Will, einen eitlen Fernsehserienregisseur (Thomas Heinze), ihren Beruf als Schauspielerin an den Nagel hängt, um sich ganz dem Haushalt und den beiden Kindern zu widmen (denen im weiteren Verlauf weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als den Statisten).
Die tägliche Hausarbeit hat Franziskas Willenskraft nicht gerade gestärkt, so daß sie eines Tages wie benommen aus dem Büro eines Staranwaltes wankt, der für die etwas wirre Frau versehentlich die Scheidung eingeleitet hat, obschon sie eigentlich nur ein Haus kaufen wollte. Nun aber weiß Franziska die Eigendynamik des Faktischen zu schätzen. Sie läßt die Dinge laufen, wie sie eben in Gang gekommen sind. Und während die Scheidungsformalitäten vom rührigen Anwalt (Joachim Kròl) aus durchaus eigennützigen Gründen eifrig betrieben werden, schreibt Franziska die Geschichte ihres Liebeslebens als eine Gedächtnisstütze für den Prozeß auf. Das sensationelle Manuskript gerät durch die Advokatenhände an einen Verlag, der daraus unter Pseudonym ein Erfolgsbuch macht. Geflissentlich wird jeder Hinweis darauf vermieden, welche emanzipatorischen Qualitäten der Aufzeichnungen die Frauen im ganzen Land denn nun so sehr entzücken. Das im Film immer wieder einfallslos variierte Thema der Jungmädchen-Liebe zum Deutschlehrer kann es ja wohl nicht sein.
Wortmann verpulvert sein Material interesselos – Franziska geht durch alle Erschütterungen ungerührt wie eine Eisheilige.
Nur ein einziges Mal strahlt das Geschehen auf der Leinwand Wärme ab. Franziska überredet ihren Mann zu Probeaufnahmen. Die ehemalige Schauspielerin will die Hauptrolle in der Verfilmung ihres Lebens selbst spielen. Eine dunkle Perücke nimmt Veronica Ferres die blonde Lieblichkeit, das Studio starrt vor Kälte, von oben herab, von der Balustrade, schaut die bildschöne Schauspielkonkurrentin auf Franziska herab... Knut Elstermann
Hera Linds „Das Superweib“, Regie: Sönke Wortmann
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