Das Wunderkind von Athletic Bilbao: Der baskische Messi

Iker Muniain Goñi, Profi bei Athletic Bilbao, ist mit 16 Jahren und 291 Tagen der jüngste Torschütze in der Primera División. Aber steht der dribbelstarke Spieler vor einer großen Karriere?

Das "Wunderkind" Iker Muniain (l) und Mikel San José (r) von Athletic Bilbao beim Training. Bild: dpa

BERLIN/BILBAO taz | Es ist die 79. Minute im Estadio José Zorrilla zu Valladolid, als Iker Muniain zum vierten Mal Geschichte schreibt. Er ist gerade 14 Minuten auf dem Feld, als er trifft. Sein Tor ist ein weiterer Rekord in einer langen Reihe von Bestmarken in der noch jungen Karriere des Iker Muniain Goñi: Mit 16 Jahren und 291 Tagen ist er der jüngste Torschütze in der 81-jährigen Geschichte der Primera División. Am Sonntag steht das nächste Spiel für den Tabellensiebten Bilbao an - gegen Sporting Gijon. Muniain wird wieder im Mittelpunkt stehen, das "Wunderkind", wie der kicker schreibt.

In Bilbao, der alten Industriemetropole an der Biskaya, feiert man Muniain als den "Basken-Messi". Er erinnert mit seinen 1,67 Metern und dem niedrigen Körperschwerpunkt an den großen Star des FC Barcelona. Auch den Rekord des jüngsten Torschützen seines Vereins teilt er sich mit dem Argentinier. Muniain hat Messi aber drei weitere Rekorde voraus: Seine Einwechslung im Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Young Boys Bern am 30. Juli 2009 machte ihn zum jüngsten eingesetzten Spieler in einem offiziellen Spiel von Bilbao, durch sein Ligadebüt einen Monat später gegen Espanyol Barcelona wurde er der jüngste Athletic-Spieler in der Primera División, und schließlich schaffte er es auch noch mit dem 3:0 gegen Austria Wien in der Europa League zum jüngsten Pflichtspiel-Torschützen in der Bilbao-Historie zu avancieren - mit 16 Jahren und 254 Tagen. Messi schaffte diese Meilensteine "erst" im Alter von 17 Jahren.

Nun also der Rekord des jüngsten Liga-Torschützen, den Muniain von Xisco Nadal erbt, der 2003 für den FC Villarreal mit 16 Jahren Jahren, elf Monaten und 19 Tagen traf. Doch gerade das Schicksal von Xisco Nadal zeigt, dass großes Talent in jungen Jahren nicht automatisch zu einer großen Karriere führt.

Der heute 23-jährige Stürmer fristet sein Dasein derzeit beim Zweitligisten Levante UD, nachdem er bei Villarreal nur sporadisch zum Einsatz gekommen war und insgesamt dreimal an andere Vereine ausgeliehen wurde. Und so tut Muniain gut daran, nicht so abzuheben, wie die eigenen Fans und auch Trainer von gegnerischen Mannschaften wie Mauricio Pochettino von Espanyol, der nach dem Rekordspiel gegen Bilbao sagte: "Er ist ein besonderer Spieler, der das Stadion in Ekstase versetzen kann."

Dabei brauchen die Anhänger des Arbeitervereins Athletic, der für seine traditionell rigide Transferpolitik, nach der nur Basken spielen dürfen, bekannt ist, dringend eine neue Projektionsfläche für ihre Träume, um wieder mit Real Madrid und Barcelona mithalten zu können. Zusammen mit den beiden Großvereinen ist Athletic der einzige Club, der ununterbrochen in der Primera División spielt.

Damit bilden die "Rojiblancos" immer noch einen Kristallisationspunkt des baskischen Nationalismus, den die Fans zum großen Teil unterstützen - wie am 9. März 2008, als eine Schweigeminute für ein ETA-Opfer schon nach acht Sekunden wegen lauter Protestrufe abgebrochen werden musste, oder beim diesjährigen Pokalfinale gegen den FC Barcelona, als sie zusammen mit den katalanischen Fans die spanische Nationalhymne und König Juan Carlos lautstark auspfiffen.

Muniain selbst stammt gar nicht aus dem Baskenland, sondern aus Pamplona, der Hauptstadt der Provinz Navarra, die für Nationalisten zu einem "Großbaskenland" gehört. Statt beim dortigen Erstligaverein Osasuna fing er seine Karriere 2000 beim kleineren UDC Chantrea an. Bald wurden Scouts von Athletic auf ihn aufmerksam, und zur Saison 2005/2006 wechselte er zum Rivalen nach Bilbao.

Daraufhin folgte ein Aufstieg ohnegleichen, der Iker Muniain Goñi schon mit 14 mit der Profimannschaft mittrainieren ließ und schließlich mit dem Tor gegen Valladolid am letzten Spieltag gipfelte. Für Muniain war es nur ein Treffer wie jeder andere, denn "das Wichtigste ist, dass wir einen Punkt geholt haben".

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