Rohstoffe & Grüne Wende: Das Lithium unter ihrem Land
China beutet Simbabwes Rohstoffe aus. Menschen in den Abbaugebieten verlieren ihre Lebensgrundlage
Garikai MafirakurevaMasvingo, Simbabwe
In Simbabwe vergibt die Regierung zunehmend sogenannte Exclusive Prospecting Orders (EPOs). Sie geben Bergbauunternehmen oder Einzelpersonen das exklusive Recht, in einem festgelegten, oft riesigen Gebiet nach bestimmten Rohstoffen zu suchen. Das Kürzel EPO klingt harmlos, für die betroffenen Dorfgemeinschaften kann die Wirkung jedoch der einer Atombombe gleichen. In kürzester Zeit können Hoffnungen, Häuser und Lebensgrundlagen ausgelöscht werden.
Chinas grüne Wende hat zahlreiche chinesische Bergbaufirmen und Investoren nach Simbabwe geführt. Das afrikanische Land verfügt über große Rohstoffvorkommen, zugleich sind staatliche Strukturen schwach und Korruption ist weit verbreitet. Mit den EPOs in der Hand suchen chinesische Unternehmen nach Metallen, Mineralien und anderen Rohstoffen, beispielsweise Lithium. Werden sie fündig, können sie Bergwerke errichten – auch dort, wo seit Generationen Menschen leben und Landwirtschaft betreiben.
Genau das geschah bei der Sabi Star Mine, einem mehrere Millionen Dollar schweren Lithiumprojekt in Manicaland. Für die Mine wurden 41 Familien aus Mukawasi Village von ihrem angestammten Land vertrieben – ohne vorherige Warnung oder öffentliche Bekanntmachung. Eine von ihnen war die Familie von John Tauya. Der stand kurz davor, seinen ersten Schulabschluss zu machen, und wollte danach auf eine weiterführende Schule gehen. Doch nachdem das hinter der Mine stehende chinesische Unternehmen Max Mind Investments 2022 seine Familie vertrieben hatte, war seine Zukunft ungewiss.
Die 41 vertriebenen Familien schliefen zunächst auf einer Brache neben dem Haus des Gemeinderats im Nachbarort Murambinda. „Ich war zufrieden mit dem wenigen, das wir hatten. Aber jetzt kann ich das nicht mehr sein“, sagt John und zeigt dem Reporter bei einem Besuch die erbärmlichen Verhältnisse, unter denen die Familien nun leben.
2025 entfielen rund 10 Prozent der weltweiten Lithiumproduktion auf Simbabwe. Im Februar 2026 verbot die Regierung in Harare die Ausfuhr von Lithiumkonzentrat. Die Regierung wollte den Rohstoff im Land behalten, um von der Weiterverarbeitung zu profitieren. In der Folge kam es etwa an der Börse von Guangzhou in China zu einem starken Anstieg der Lithiumpreise und der Aktienkurse. Gleichzeitig wuchs die Sorge, dass das weltweite Angebot des für Batterien wichtigen Rohstoffs knapper werden könnte.
Doch der Exportstopp scheint bislang vor allem auf dem Papier zu bestehen. Weiterhin werden EPOs vergeben, chinesische Unternehmen erweitern ihre Anlagen. Lastwagen mit unverarbeitetem Lithium werden weiterhin auf dem Weg zur Grenze beobachtet – über die Nachbarländer soll der Rohstoff anschließend nach China gelangen.
Max Mind Investments ist eine Tochtergesellschaft des chinesischen Konzerns Shenzhen Chengxin Lithium Group. Den Dorfbewohnern versprach das Unternehmen zunächst, ihnen nach der Umsiedlung Häuser mit fünf Zimmern zu bauen. Tatsächlich wurden sie in kleine Wohnparzellen von rund 300 Quadratmetern umgesiedelt. Sie verloren fünf Hektar landwirtschaftliche Flächen. Ihre Einkommensquellen und Lebensgrundlagen sind zerstört: Gärten, Brunnen und Bohrlöcher ebenso wie Hühner, Ziegen und Kühe.
Johns Familie erhielt eine Entschädigung von 1.000 US-Dollar pro Kind und 1.500 US-Dollar pro Erwachsenen. Für jeden verlorenen Baum erhielten die Familien zusätzlich 20 US-Dollar. Zerstörte Viehställe wurden überhaupt nicht entschädigt, auch nicht die Exhumierung der Gräber ihrer Vorfahren. Das Geld war bald aufgebraucht. Die höheren Lebenshaltungskosten in der Stadt verschlangen die Ersparnisse der Familie und zwangen John schließlich dazu, die Schule abzubrechen. Viele der Dorfbewohner:innen sahen sich gezwungen, ihr verbliebenes Vieh zu verkaufen. Ihre wirtschaftliche Not verschärfte sich dadurch weiter.
Die vertriebenem Bewohner:innen wandten sich über die NGO Buhera Residents Network Trust an das Parlament. Panas Muteera aus Mukwasi Village verwies bei einer Anhörung auf die enorme Staubbelastung. „Teils fahren am Tag rund 100 Lastwagen über die Straße“, sagte er. Gleichzeitig verschärfe sich der Wassermangel, insbesondere während der Trockenzeit.
„Unsere Brunnen sind etwa 40 Meter tief, die Schächte der Mine reichen mehr als 200 Meter hinunter. In der Trockenzeit trocknen unsere Bohrlöcher aus, während das Wasser in die Mine läuft“, sagte Muteera.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen