Das Büro im Netz: Raus aus dem Office-Alltag

Früher beherrschte Microsoft mit "Office" den Markt, heute muss es sich gegen Open-Source-Projekte behaupten. Jetzt greift der Konzern mit Docs for Facebook Google Docs an.

Lange war Microsofts Office-Programm die Nummer eins unter den Textverarbeitungsprogrammen, längst haben Google Docs und Zoho Office aufgeholt. Bild: dpa

Bevor Büro-PCs in den letzten fünfzehn Jahren zu Multimedia- und Spielmaschinen mutierten, hatten sie eine eher langweilige Lebensaufgabe: Menschen schrieben Texte auf ihnen, schraubten an mehr oder minder komplexen Tabellen herum oder stellten Präsentationen mit den aktuellsten Unternehmenszahlen zusammen. Die dafür notwendige Software nannte man Büropaket - oder auch, nach Microsofts weltweit erfolgreichster Variante, Office-Programmsammlung.

Noch immer sind Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm wichtig im Alltag vieler Computernutzer. Und auch Microsoft macht mit Office, das mittlerweile im Jahr 2010 angekommen ist, noch immer Milliarden. Allerdings wird das Angebot beileibe nicht mehr so stark von einzelnen Firmen dominiert wie früher. Das hat mit Open-Source-Projekten zu tun, an denen Tausende Programmierer weltweit kostenlos werkeln - aber auch am Aufstieg des Netzes als Plattform für jegliche Form von Anwendungen. taz.de bringt im folgenden einen Überblick zum aktuellen Stand der Entwicklung

Klassisch: Microsoft Office, OpenOffice.org

Wer an Büropakete denkt, denkt auch heute noch zumeist an Microsoft Office. Das Programmpaket mit seinen Standard-Teilbereichen Word, Excel, Outlook und PowerPoint gibt's zu Preisen zwischen 90 (Studenten) und 550 Euro (Profis). Viele Worte muss man über das Software-Grundnahrungsmittel nicht verlieren, außer vielleicht, dass auf vielen Markenrechnern zumindest Einzelteile wie Word vorinstalliert sind.

Office ist das klassische Beispiel für so genannte Bloatware - ein Programm also, das in jeder neuen Version um neue Funktionen ergänzt wurde, die man nicht unbedingt wirklich benötigt. Das dürfte auch bei Office 2010 (der aktuell im Betatest befindlichen nächsten Version) nicht anders sein, der man noch mehr Internet-Funktionen angeflanscht hat. Trotzdem: Office ist und bleibt Standard.

Wer sich mit Kommerzware nicht abfinden möchte und trotzdem viele Funktionen braucht, sollte einen Blick auf OpenOffice.org werfen. Das freie und direkt gegen Microsoft positionierte Büropaket bietet mittlerweile ein stabiles und vielfältiges Angebot und kommt mit (fast) allem Notwendigen. Wem OpenOffice.org in der Urform nicht gefällt, kann mit Lotus Symphony auch eine vom IT-Riesen IBM polierte Variante der Software erhalten, die ebenfalls kostenlos ist.

Mit Facebook-Anschluss: Microsoft Docs.com

Doch Microsoft will nun auch modern sein. Deshalb werden neben dem guten, alten Office (siehe oben) regelmäßig Versuchsballons gestartet. Docs.com ist der neueste, eine Verbindung zwischen Büropaket und sozialem Netzwerk. Dazu hat sich Microsoft natürlich Facebook ausgesucht, schließlich ist der Softwareriese an der Mark Zuckerberg-Firma mit immerhin 1,6 Prozent beteiligt. Momentan noch im Probebetrieb befindlich, bei dem neue Nutzer nur schrittweise zugelassen werden, soll Docs.com einmal "Arbeit von überall aus mit der bekannten Office-Oberfläche" erlauben.

Aktuell kann man sich Internet-Versionen von Word und PowerPoint ansehen, die Tabellenkalkulation Excel ist aber ebenfalls vertreten. Durch die Facebook-Integration soll es möglich sein, Dokumente mit Freunden auszutauschen und/oder gemeinsam an ihnen zu werkeln. Ob das auf Dauer kostenlos bleibt, ist unklar. Momentan läuft es noch als Laborprojekt. Etwas nervig: Microsoft nötigt Nutzer auf jeder Dokumentseite, sich das firmeneigene "Silverlight"-Plug-in herunterzuladen, das man fast nur bei Microsoft-Angeboten benötigt. Es soll angeblich dafür sorgen, dass Dokumente besser aussehen und schneller laden.

Büro vom Internet-Riesen: Google Docs

Als größter Office-Konkurrent innerhalb des Netzes hat sich inzwischen ausgerechnet Google etabliert - zum Ärger Microsofts. Google Docs, auf Deutsch auch "Google Text und Tabellen" genannt, bietet Programme zur Textverarbeitung, für die Tabellenkalkulation und zur Präsentation. Installiert werden muss hier nichts mehr. Es reicht aus, einfach die Internet-Adresse von Google Docs aufzurufen. Die Programme laufen direkt im Web-Programm (Browser) ab, bieten aber mittlerweile einen Funktionsumfang, der an "richtige" Software herankommt.

Von Office hebt sich Google Docs vor allem dadurch wohltuend ab, dass das Bloatware-Element fehlt: Wenn neue Funktionen hinzukommen, werden sie von der Nutzerschaft meist begrüßt. Google Docs hat alle Vorteile, die Internet-Anwendungen mit sich bringen: Dokumente werden nicht auf dem lokalen PC gespeichert, sondern im Netz, so dass man sie von überall abrufen kann. Außerdem ist ein "Collaboration"-Feature zur Zusammenarbeit mehrerer Nutzer, das können sogar Hunderte sein, integriert.

Vielfältige Alternative: Zoho Office

Wer keine Lust hat, der Datenkrake Google auch noch seine Texte, Tabellen und Präsentationen anzuvertrauen, findet im Netz diverse Alternativen. Wie haben uns hier Zoho Office ausgesucht, weil es ein ungeheuer vielfältiges Angebot ist. Integriert ist in das Internet-Büropaket alles - vom Textprogramm ("Writer") über den Dokumentenmanager ("Docs") bis hin zum Notizbuch ("Notebook"), die allesamt mit einem einzelnen Zugang aufgerufen werden können. Der Nachteil: Die Bedienung ist nicht immer gleich, so dass es eine größere Lernkurve als bei Google Docs gibt.

Gut ist allerdings, dass Zoho, dessen Anwendungen ähnlich funktionsreich sind wie die der Konkurrenz, ein klares Geschäftsmodell hat: Die kleine, private Nutzung ist kostenlos, wer bestimmte Zusatzangebote benötigt, zahlt dagegen einige Dollar (oder als Firma auch mehr) im Monat. Die Gefahr, dass man sich eines Tages mit ablenkender Online-Werbung herumplagen muss, besteht also nicht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben