C02-Fußabdruck: Selbst ist der Klimaschützer

Wir Deutschen produzieren zuviel Kohlendioxid. Doch das Sparen in den eigenen vier Wänden ist leicht: So erreichen Sie Ihr persönliches Klimaziel.

Abhärten hilft. Aber das Klima läßt sich auch bequemer schützen Bild: dpa

Maximilian Gege (Hrsg.): "Klima retten und Geld sparen. So spart die Familie jährlich 3.000 Euro und 8 Tonnen CO2."

Die persönliche CO2-Bilanz des Durchschnittsdeutschen wird durch 1,8 Tonnen CO2 pro Jahr aufgebläht, die vom Verkehr stammen. Den Mammutanteil machen Privatfahrzeuge aus. Im Durchschnitt legt jeder Deutsche pro Jahr 12.000 Kilometer mit dem Auto zurück.

Die Hälfte aller Fahrten sind Kurzstrecken; diese belasten die Umwelt besonders, weil ein kalter Motor sehr viel Kraftstoff verbraucht und CO2 ausstößt. Wer an 200 Tagen im Jahr seine durchschnittlich 6 Kilometer ins Büro radelt, statt mit dem Auto zu fahren, kann den CO2-Ausstoß um eine Vierteltonne senken.

Und wer doch mehr mit dem Auto fahren muss, sollte einen CO2-armen Kleinwagen nehmen. Erzeugt der übliche Wagen 140 g Kohlendioxid pro Kilometer, liegt ein Ökoauto bei 100 Gramm. Das spart eine halbe Tonne. Auch mit dem alten Auto kann das Klima geschont werden - ebenfalls mit ökologischer Fahrweise, die bis zu 0,53 Tonnen CO2 pro Jahr weniger verursacht. Früheres Schalten, vorausschauendes Fahren, Ausrollenlassen statt Vollbremsung. Wenn die Reifen zudem richtig aufgepumpt sind, können beim Familienauto bis zu 0,24 Tonnen CO2 eingespart werden. Unnötiges Gewicht wie unbenutzte Skiboxen oder Dachgepäckträger schlagen mit bis zu 10 Prozent mehr Energieverbrauch aufs CO2-Konto.

Flugreisen machen zwar im Moment nur einen kleinen Teil in der CO2-Bilanz des Durchschnittsdeutschen aus, doch das Fliegen ist die weltweit am schnellsten wachsende Quelle von CO2-Emissionen. Wer bei der Urlaubsplanung auf den Langstreckenflug nach Bangkok und zurück verzichtet, verhindert bis zu 6,5 Tonnen schädliche Klimagase.

Fazit: beim Auto eine dreiviertel Tonne weniger, also minus 42 Prozent. Fliegen sprengt die Bilanz.

Backofen statt Toaster? Eine schlechte Entscheidung. Schon in der Früh können, je nachdem, wie die Brötchen knusprig gemacht werden, 70 Kilo Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden. Wer zweimal täglich Wasser mit dem Wasserkocher statt auf der Herdplatte kocht, spart pro Jahr bis zu 30 Kilo Kohlendioxid. Kein Fisch, kein Fleisch, keine Äpfel aus Neuseeland, keine Erdbeeren aus Spanien, dafür Bioobst und Biogemüse aus heimischem Anbau: Pro Jahr werden so nur 0,3 Tonnen CO2 verbraucht. Wer dagegen täglich Fleisch und Wurst isst und dabei Produkte kauft, die aus Massentierhaltung stammen, verbraucht auf seinem CO2-Konto 1,8 Tonnen. Dieser Wert steigt auf 3 Tonnen, wenn man Weintrauben auch im Frühjahr und Steaks aus Argentinien isst und nicht darauf achtet, woher Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst stammen. Beim Kochen der Lebensmittel darauf zu achten, den Deckel auf den Topf zu geben, bringt bei fünf Kochvorgängen in der Woche Einsparungen von 120 Kilo pro Jahr. Bis zu 6 Kilo CO2 weniger werden produziert, wenn man übrig gebliebenes Essen nicht heiß in den Kühlschrank stellt, sondern es zunächst auf Raumtemperatur abkühlen lässt.

Fazit: Von derzeit 1,2 Tonnen kommt der Regionalgenießer auf 0,3 Tonnen, also minus 75 %.

Die Produkte außerhalb des Essens, die wir kaufen, machen etwa 3 Tonnen pro Kopf und Jahr aus. Wer weniger konsumiert, spart hier natürlich. Für die Produktion der Güter ist die Industrie zuständig, der Einzelne hat nur begrenzt Einfluss. Hier helfen ein Verteuern von Energie und Rohstoffen, zum Beispiel per Ökosteuer oder per Emissionshandel. Für die Einsparpotenziale gibt es verschiedene Schätzungen, abhängig von der Höhe der gesetzlichen Aufschläge, etwa in Höhe der Privathaushalte.

Es bleibt, auf klimafreundlichere Produkte umzusteigen: Energiesparlampe statt Glühbirne (Austausch von 14 Leuchten bringt bis zu 0,47 Tonnen CO2 weniger), Ausschalten statt Stand-by (bis zu 0,36 Tonnen CO2). Wenn ein Vierpersonenhaushalt zudem die Wäsche an der Luft trocknet, nur die volle Waschmaschine laufen lässt und auf die Vorwäsche verzichtet, können 1,15 Tonnen CO2 eingespart werden. Am meisten Strom verbrauchen Kühlschrank und Gefriertruhe. "A++"-Modelle brauchen bis zu 45 Prozent weniger Strom als A-Geräte.

Fazit: Gesetzgeber und Konsumenten können 50 bis 80 Prozent einsparen.

Die Heizung - der große Energieverschlinger: Der größte Posten des Energieverbrauchs von Privathaushalten geht auf ihr Konto. Durch Wärmedämmung bei Heizungsrohren und Warmwasserleitungen können in einem Einfamilienhaus bis zu 0,32 Tonnen CO2 pro Jahr gespart werden.

Doch auch mit kleinen Verhaltensänderungen kann der Energiebedarf in der Wohnung ohne größere Investitionen deutlich gesenkt werden: Raumtemperatur um 1 Grad senken, unbenutzte Räume nur wenig beheizen, Heizung in der Nacht auf 15 Grad runterdrehen - mit diesen Maßnahmen verbrauchen Vierpersonenhaushalte bis zu 0,8 Tonnen CO2 pro Jahr weniger, Singlehaushalte immerhin 0,35 Tonnen. Wer sein Fenster an kalten Tagen dauernd gekippt lässt, heizt bis zu einer Tonne C02 zum Fenster raus.

Und der Strom kommt nicht aus der Steckdose, sondern aus dem Kraftwerk. Ökostrom verursacht in einem Vierpersonenhaushalt jährlich bis zu 2,5 Tonnen CO2 weniger als Normalstrom, in einem Singlehaushalt immerhin eine Tonne weniger.

Fazit: Heizung runter, Ökostrom - und schon sind es 2,85 Tonnen weniger, minus 86 Prozent. CHRISTINE ZEINER und SABINE GUSBETH

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