: Boykott gefordert
■ Nigerianische Menschenrechtler wollen Sanktionen gegen ihr Land
Nairobi (IPS/dpa) – Menschenrechtler in Nigeria haben nach der Hinrichtung des Schriftstellers Ken Saro-Wiwa und acht seiner Mitstreiter umfassende internationale Sanktionen gegen ihr eigenes Land gefordert. Die internationale Gemeinschaft dürfe kein Öl mehr von Nigeria kaufen, forderte die Bewegung für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit.
Die Militärregierung hat unterdessen auf den Abzug der Botschafter der USA, Südafrikas und der 15 Länder der Europäischen Union (EU) geantwortet. Als Vergeltungsmaßnahme rief sie ihrerseits ihre Botschafter zurück. Die nigerianischen Gesandten hätten dort keine Aufgaben mehr.
Der UNO-Sicherheitsrat erwägt, die Vollstreckung der Todesurteile in einer Resolution zu verurteilen und ein Waffenembargo gegen Nigeria zu beschließen. Nach Einschätzung von Beobachtern ist die Verhängung von Sanktionen gegen das Militärregime in Lagos allerdings unwahrscheinlich, da Rußland und China regelmäßig ihr Veto gegen Resolutionen einlegen, die „innere Angelegenheiten“ eines Landes verurteilen. Wahrscheinlicher wäre eine Verurteilung Nigerias durch die UN-Vollversammlung. Diese könnte sich damit aber nicht vor Ende November befassen.
Die EU-Beratungen über Strafmaßnahmen gegen Nigeria dauerten gestern bei Redaktionsschluß an. Die EU erwägt den Entzug von Wirtschaftshilfe und Handelsvergünstigungen sowie einen Boykott nigerianischer Ölexporte. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat als Reaktion auf die Hinrichtungen bereits eine geplante Projektförderung in Höhe von 8 Millionen Mark gestoppt.
Der Stifter des Alternativen Nobelpreises, Jakob von Uexküll, rief zu einem Shell-Boykott auf. Ohne die „ökologische Kriegführung“ von Shell gegen das Ogoni- Volk in Nigeria wären Saro-Wiwa und die anderen Hingerichteten noch am Leben, meint Uexküll.
Siehe Seiten 7 und 10
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