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Personenführung #222 mit Marlene Thaler Vom Kindersender zur wochentaz

Die Kaspressknödelsuppe schmeckt zwar im Süden besser, in Bayern wollte Marlene Thaler trotzdem nicht bleiben. Dann doch lieber Paris und Berlin und als rasende Reporterin für die taz arbeiten.

Aus der taz | Den ersten Einsatz als Journalistin hatte Marlene Thaler mit 9 Jahren. Mit einer Nachbarin, die beim Bayerischen Rundfunk arbeitete, machte sie für den Kindersender „Radiomikro“ einen Beitrag über das Thema „Geld“. In einem Laden in der Münchener Nachbarschaft versuchten sie, ­einen Apfel gegen Schuhe zu tauschen und damit die Tauschwirtschaft zu erklären. Ob Marlene damals wusste, dass sie viele Jahre später im Journalismus landen würde?

Nach dem Abi ging es nach Berlin, aus „Angst, in München zu versacken“. Sie arbeitete ein Jahr mit Menschen mit Behinderung und war in der Coronazeit froh um den direkten Austausch mit anderen und die Ausflüge in die Natur. ­Berlin gefiel ihr, sie blieb und studierte Europäische Ethnologie und Regionalstudien Asien/Afrika an der Humboldt Universität.

Sie ging zwei Semester nach Paris, wo sie endlich richtig Französisch lernte. Eine Sprache, die ihr kamerunischer Vater spricht, Marlene aber erst in Frankreich nutzte. Von den französischen Kom­mi­li­to­n*in­nen wurde sie herzlich empfangen, es folgten gemeinsame Ausflüge in die ­Wochenendhäuser der Normandie.

taz panterstiftung

Marlene Thalers Anstellung bei der taz wurde unter anderem durch die taz panterstiftung ermöglicht. Diese hat sich seit 2011 zur Aufgabe gemacht, Diversität im Journalismus zu fördern. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Rasende Reporterin in Berlin und Brandenburg

Zurück in Deutschland arbeitete sie dann bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung und lernte den Lokaljournalismus kennen. Als ­rasende Reporterin fuhr sie durchs Land und erzählte gute, lokale Geschichten. Ein Redaktionsbesuch in der Berliner Friedrichstraße führte schließlich zur Entscheidung, sich bei der taz zu bewerben. Im Berlin-Ressort knüpfte sie nahtlos an ihre Reporterinnen-Einsätze in Brandenburg an, mittlerweile ist sie im Team der wochentaz.

In Berlin vermisst Marlene nur die bayerischen Gewässer. Der Plötzensee kann die kristall­klaren Bergseen nicht ersetzen, das ist klar. Und auch die Kaspressknödelsuppe schmeckt im Süden besser. Abseits der ­Arbeit trifft Marlene sich gelegentlich mit ihrer Flinta*-Bolztruppe zum Fußballspielen, danach sitzen sie noch bei einem Späti-Bier und „Sportkippe“ zusammen und lassen die Muskeln ruhen. Auch richtige Erholung muss ­gelernt sein.

Marlenes Vertrag bei der taz läuft bald aus. Auf die Frage, ob sie zurückkommen möchte, lacht sie und bejaht mit einer Einschränkung: „Am liebsten sofort. Oder irgendwann als Frankreich-Korrespondentin. Und wenn die taz besser bezahlt.“