piwik no script img

■ Bosniens SchuldenWeltbank lauert

Berlin (taz) – Aller Anfang ist schlecht. Außer Bankern und der Regierung der Republik Bosnien-Herzegowina hat bisher kaum jemand registriert, daß das kriegszerstörte Land mit seinen nur vier Millionen Einwohnern und der rudimentären Wirtschaft bereits mit zwei Milliarden Dollar verschuldet ist. Die jugoslawischen Altschulden wurden unter den Nachfolgerepubliken aufgeteilt, obwohl die (rest-)jugoslawische Regierung in Belgrad den Rechtsanspruch erhebt, alleinige Fortführerin der alten Bundesrepublik Jugoslawien zu sein.

Die Bundesrepublik Deutschland war hingegen nach 1945 nicht nur politische Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches, sondern hatte damit auch die Verpflichtungen des Nazi-Vorgängers übernommen – einschließlich der Wiedergutmachungszahlungen im gesamtdeutschen Anspruch. Russland war es 1991 noch gelungen, in den Besitz der gesamten sowjetischen Altschulden zu gelangen, um damit auch den Anspruch auf die Haben-Seite zu legitimieren: die sowjetische Schwarzmeerflotte und ihre ukrainischen Häfen. Das war nur möglich, weil Russland damals nicht Mitglied der Weltfinanzorganisationen war.

Das vor seinem Zerfall bereits hochverschuldete Jugoslawien war hingegen bereits Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF). Und dem ist der politische Alleinvertretungsanspruch egal. Wäre das neue Restjugoslawien aus Serbien und Montenegro mit den gesamten Altschulden belastet worden, hätte dies die sofortige Zahlungsunfähigkeit bedeutet. Belgrad hatte zwar den Anspruch auf die jugoslawische Bundesarmee weitgehend durchgesetzt. Doch bei Strafe des drohenden Kreditentzuges zwangen IWF und Weltbank die unabhängigen Staaten Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und später Mazedonien dazu, ihren Anteil an den roten Zahlen zu übernehmen – mit dem Argument, daß im ehemaligen Jugoslawien die Kredite erkennbar in allen Landesteilen eingesetzt wurden.

Deswegen steht Bosnien- Herzegowina allein mit einer Milliarde Dollar bei ausländischen Regierungen in der Kreide. Gegenüber Privatbanken sind es eine halbe Milliarde, und 650 Millionen Schulden warten in den Weltbank-Büchern. Diba

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen